Den Stinkefinger kannten bereits die alten Römer. "Digitus impudicus" nannten sie ihn, was übersetzt so viel heißt wie "schlimmer Finger". Heute kennt man die Geste weniger unter seinem lateinischen Namen, als vielmehr einem sehr deutschen: "Effenberg" oder kurz "Effe". Benannt nach dem gleichnamigen Fußballspieler, der bei der Weltmeisterschaft 1994 dem aufgebrachten Publikum im Stadion den Stinkefinger zeigte und daraufhin prompt von allen weiteren WM-Spielen ausgeschlossen wurde.Ähnliches kann auch Arbeitnehmern passieren, die ihrem Chef mittels der berühmten Geste wortlos die Meinung sagen. Der wiederholt gestreckte Mittelfinger kann eine fristlose Kündigung zur Folge haben - wie übrigens auch verbale Entgleisungen à la "Arschloch".Überhaupt ziehen Beleidigungen nicht selten fatale Folgen nach sich - vorausgesetzt der Beleidigte setzt sich juristisch zur Wehr. Je nach Schwere der Herabsetzung drohen eine Geld-, wenn nicht gar Freiheitsstrafe. So kann ein Stinkefinger beispielsweise mehrere tausend Euro kosten. Besonders teuer wird es, wenn man einen Staatsdiener, zum Beispiel einen Polizisten vor sich hat. Dann kann sogar das vor allem im Berliner Raum so sorglos verwendete "Du" eine saftige Geldstrafe nach sich ziehen.Gänzlich ungestraft kam übrigens dereinst die frisch gewählte Parteivorsitzende Margaret Thatcher davon. Sie streckte 1975 vor laufender Kamera Zeige- und Mittelfinger lächelnd zum Victory-Zeichen in die Höhe. Dabei zeigte jedoch die Handfläche Richtung Körper. Aus der Siegergeste wurde so - quasi im Handumdrehen - die britische Variante des Stinkefingers.------------------------------Die Folgen der BeleidigungWie werden Beleidigungen juristisch verfolgt?Man kann den Beleidiger mittels einer Privatklage anklagen. Vorher sollte man jedoch einen Schiedsmann oder eine Schiedsfrau aufsuchen und versuchen, den Streit außergerichtlich zu schlichten. War der Sühneversuch erfolgreich und kommt dadurch ein Sühnevergleich zu Stande, ist die Klage nicht zulässig. Der Staatsanwalt hingegen erhebt nur bei öffentlichem Interesse Anklage wegen Beleidigung. Die Landesvereinigung Berlin vom Bund Deutscher Schiedsmänner und Frauen informiert telefonisch unter der Rufnummer: Tel. 693 52 84. Oder im Internet auf der Seite: www.berlin.bdsev.deWelche Fristen gelten?Die Beleidigung ist ein Antragsdelikt und wird nur auf Antrag verfolgt. Die Frist beträgt 3 Monate.Mit welchen Strafen ist zu rechnen?Gemäß § 185 StGB wird die Beleidigung mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe geahndet. Einen Katalog gibt es nicht. Die Bemessung der Geldstrafe hängt immer auch von den finanziellen Verhältnissen des Beleidigers ab - und von der Schwere der Beleidigung.AM ARBEITSPLATZWelche Äußerungen gelten als Beleidigung?Der Arbeitnehmer darf die Zustände im Betrieb in sachlicher Weise kritisieren. Nur bewusst ehrverletzende Äußerungen, die das Betriebsklima beeinflussen, können eine Kündigung rechtfertigen. Auch spielt der Umgangston im Betrieb eine Rolle bei der Frage, ob tatsächlich eine Beleidigung vorliegt. Herrscht zum Beispiel auf einer Bau- stelle ohnehin immer ein rauer Ton, wird nicht jede unschöne Äußerung auch als Beleidigung gelten.Wann rechtfertigt eine Beleidigung eine fristlose Kündigung?Wenn sie das Arbeitsklima so nachhaltig stört, dass eine von gegenseitiger Achtung getragene Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist. Dies ist in der Regel bei groben Beleidigungen der Fall, etwa wenn der Arbeitnehmer seinen Chef als "Arschloch" bezeichnet. Da hilft auch keine Entschuldigung. (LAG Rheinland-Pfalz, 9 Sa 967/00) In minder schweren Fällen muss der Beleidiger zunächst abgemahnt werden, zum Beispiel bei dem berühmten "Stinkefinger" gegenüber dem Vorgesetzten. Im Wiederholungsfall darf dann fristlos gekündigt werden. (Arbeitsgericht Frankfurt a. M., 6 Ca 11145/02)Was ist mit Beleidigungen, die nur vor Dritten, also hinter dem Rücken des Betroffenen, geäußert werden?Dann ist unter Umständen eine außerordentliche Kündigung nicht gerechtfertigt. Der Arbeitnehmer darf - laut Rechtsprechung - eigentlich darauf vertrauen, dass seine Äußerungen nicht nach draußen getragen werden und deshalb der Betriebsfrieden gestört wird. (BAG 2 AZR 418/01)GEGENÜBER DEM VERMIETERKann ein Mietvertrag fristlos gekündigt werden, wenn der Mieter seinen Vermieter beleidigt?Bei einer groben Beleidigung kann das Vertrauensverhältnis zwischen Mieter und Vermieter unwiderruflich zerstört werden, so dass dem Vermieter eine Fortsetzung des Mietverhältnisses nicht zuzumuten ist. Die Kündigung ist also rechtens. Es sei denn, der Vermieter hat die grobe Entgleisung des Mieters wesentlich mit verursacht.VON STAATSDIENERNMit welchen Strafen muss man rechnen, wenn man einen Polizisten beleidigt?Feste Sätze gibt es nicht, nur Erfahrungswerte. So kostet es beispielsweise schon mal 300 Euro, wenn man dem Polizisten die Zunge rausstreckt. 1 000 Euro zahlt, wer ihm einen Vogel zeigt. Der Stinkefinger kann das Vierfache kosten. Wer eine Politesse als ein "fieses Miststück" beschimpft, zahlt 2 500 Euro. Wer zu einem Polizisten "Du Schwein" sagt, muss mit einer Strafe von 2 000 Euro rechnen.Muss man einem beschimpften Poli- zisten auch Schmerzensgeld zahlen?Wer einen Polizisten im Dienst beschimpft, muss diesem grundsätzlich kein Schmerzensgeld zahlen. Nach Auffassung der Richter des Landgerichts Münster ist eine Beleidigung in der Regel nicht gegen die Beamten persönlich, sondern gegen seine Eigenschaft als Polizist gerichtet. Anders verhält es sich etwa, wenn dem Polizisten ins Gesicht gespuckt wird. Dann kann das ein Schmerzensgeld in Höhe von 250 Euro zur Folge haben. (LG Münster 8 S 210/02)------------------------------Foto: Wenn sich der Drängler auf der Überholspur durch den gestreckten Mittelfinger beleidigt fühlt, kann das teuer werden.