WestLB steigt groß in die Werkzeugmaschinenindustrie ein: Auf dem Weg zum Verbund

Berlin.In der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie soll ein schlagkräftiger Verbund entstehen: Die Autania AG wird unter mehrheitlicher Beteiligung der WestLB zu einer Management-Holding umgebaut. Davon betroffen sind auch die Berliner Fritz Werner AG und Niles.Die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB), Düsseldorf, steigt kräftig in den Werkzeugmaschinenhau ein: Um 25 Prozent plus eine Aktie erhöht sie ihre Beteiligung ander Autania AG. Die Autania selbst hält Beteiligungen an mehr als einem Dutzend Firmen, darunter die Berliner Fritz Werner Werkzeugmaschinen AG aus Marienfelde und die Niles Werkzeugmaschinen GmbH aus Weißensee, sowie an zehn Grundstücksgesellschaften. Nach dem Kauf der Anteile, die bisher bei Rothenberger lagen, verfügt die WestLB zusammen mit Institutionellen Partnern (15 Prozent Anteile) über eine Mehrheitsbeteiligung an der Autania von 50 Prozent plus einer Aktie."Wir sehen den Kurs der Autania zu einem Systemverbund trotz der aktuellen Probleme In der Werkzeugmaschinenbranche als vielversprechenden Weg", hieß es bei der WestLB zur Begründung des Engagements. Bisher fungierte die Autania als Finanzholding mit vorwiegend Minderheitsbeteiligungen an Unternehmen. Daraus soll eine Management-Holding werden, die "die schon bestehenden Beteiligungen bei den wichtigsten Werkzeugmaschinenfabriken auf eine Mehrheit" aufstockt und "unternehmerische Verantwortung" übernimmt.Die WestLB ist dazu der passende finanzkräftige Partner. Mit der Bank im Rücken können sich die Unternehmen in "abgesicherten, geordneten Schritten nach vorn bewegen", ist sich Autania-Vorstand Wolfgang C. Mellinghoff sicher. Die Mehrheitsbeteiligung der WestLB schaffe den notwendigen Spielraum, damit das Unternehmenskonzept umgesetzt werden kann.Danach sollen die einzelnen Werkzeugmaschinenfirmen zwar selbständig bleiben. Durch gemeinsame Marktbearbeitung, Materialwirtschaft und Produktion sollen aber Synergien genutzt und Kosten gespart werden. "Nicht jede einzelne Firma braucht mehr eine eigene mechanische Fertigung", sagt Mellinghoff.Eine Zusammenlegung beider Berliner Standorte sei "bisher nicht abzusehen", betont der Autania-Vorstand. Ende des vergangenen Jahres hatten Verlagerungen von Fritz Werner zu Niles und Stellenabbau in Marienfelde hohe Wellen geschlagen. Gewerkschaften und Betriebsräte befürchteten damals die völlige Aufgabe des Marienfelder Standortes. Bernd Saurbier, Vorstand der Fritz Werner AG und Geschäftsführer der Niles Werkzeugmaschinen GmbH, verbindet mit dem Engagement der WestLB auch mehr eine "Stärkung beider Standorte".Im operativen Geschäft sind beide Berliner Firmen deutlich in der Verlustzone steckengeblieben, auch wenn Niles 1993 einen Gewinn von zehn Millionen Mark auswies. In diesem Jahr soll in Weißensee ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden. Von gegenwärtig 410 Mitarbeitern werde noch einmal eine Anpassung auf 320 bis 360 Mitarbeiter erfolgen, zum großen Teil bis Ende des Jahres, so Saurbier.Fritz Werner mußte 1993 wie schon im Vorjahr einen Verlust von etwa 20 Millionen Mark hinnehmen. 1994 hofft Saurbier auf eine "erheblich bessere Entwicklung" und auf einen "weniger als zweistelligen Verlust". Die Auftragslage habe sich gut entwickelt. Von den 260 Mitarbeitern (Mitte 1993: über 460) sollen bis Jahresende noch etwa 30 gehen.Kräftig springen soll der Umsatz, obwohl 1994 "ein knüppelhartes Jahr" (Mellinghoff) wird. Bei Fritz Werner rechnet man mit Steigerungen um zehn Millionen auf 80 Millionen Mark. Niles soll sich von 32 Millionen Mark 1993 auf 40 bis 45 Millionen Mark emporschwingen.Zurückhaltend äußert sich die WestLB zu Branchen-Spekulationen, wonach die Übernahme der Autania als Weg zu einer möglichen großen Fusion im Werkzeugmaschinenbau betrachtet wird. Der Autania-Schritt sei "vollkommen unabhängig" von der Beteiligung der WestLB am Drehmaschinenhersteller Gildemeister zu sehen, was aber "Formen der Zusammenarbeit nicht ausschließt", hieß es bei der WestLB.Weitere Firmenübernahmen werden Indes nicht ausgeschlossen: "Zukäufe sind möglich", erklärt Mellinghoff. Verhandlungen zum Erwerb der Maschinenfabrik Deutschland verliefen "positiv".Rothenberger verfügt nach dem Deal nur noch über rund 16 Prozent Anteile an der Autania.Der Auftragseingang im deutschen Werkzeugmaschinenbau stieg im ersten Quartal 1994 um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch rechnet die Branche mit einem schwierigen Jahr und weiterem Personalabbau. Foto: Glaser