Er soll 17 Millionen Mark aus dem ehemaligen Schalck-Imperiums im Gepäck gehabt haben, als er sich vor neun Jahren aus Deutschland absetzte. Seitdem fehlt von Jürgen Wetzenstein-Ollenschläger jede Spur. Doch am Freitag musste sich das Verwaltungsgericht mit einer Klage des früheren Verteidigers von Stasi-Chef Erich Mielke beschäftigen. Verhandlung ohne den KlägerDer Kläger, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, war erwartungsgemäß nicht erschienen. Er wurde von seinem Anwalt vertreten, der, wie er beteuerte, keinen Kontakt zu seinem Mandanten habe. "Ich weiß nicht mal, ob er überhaupt noch lebt", sagte er.Verhandelt wurde die Rückübertragung eines Hauses, die Wetzenstein-Ollenschläger anfechtet. 1983 hatte er das Einfamilienhaus in Mahlsdorf samt 1 200 Quadratmeter großem Grundstück gekauft. Und zwar von einem Häftling, der zu der Zeit im Gefängnis Lichtenberg saß. Wetzenstein-Ollenschläger war damals Chef des Stadtbezirksgerichtes Lichtenberg und auch für diese Haftanstalt verantwortlich. Nachdem der Kauf zustande gekommen war, wurde Karl-Heinz B. entlassen und konnte noch am selben Tag nach West-Berlin ausreisen. Seine Familie folgte ein paar Monate später.Den Verkauf des Hauses hatte der Rechtsanwalt Klaus Hartmann abgewickelt, der in der Kanzlei von Wolfgang Vogel tätig war. Karl-Heinz B. wusste nicht, wer der Käufer war. Als er nach der Wende erfuhr, dass sich Wetzenstein-Ollenschläger in dem geräumigen Einfamilienhaus einquartiert hatte, "fiel er vom Stuhl", wie sein Anwalt sagte. "Das muss man sich mal vorstellen, der Gefängnisdirektor reißt sich das Haus seines Häftlings unter den Nagel." Das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen übertrug dem Alteigentümer das Haus wieder. Dagegen klagte Wetzenstein-Ollenschläger. Mit der Begründung, dass Karl-Heinz B. sein Haus aus freien Stücken verkauft habe. Er hätte seine Strafe für das Devisenvergehen verbüßen und anschließend wieder in sein Haus zurückkehren können.Das sahen die Richter anders und wiesen die Klage ab. Wetzenstein-Ollenschläger muss das Haus abgeben. Er habe seine Macht missbraucht und die Immobilie unredlich gekauft, hieß es zur Begründung. Wetzenstein-Ollenschläger stehen jetzt knapp 100 000 Mark als Wertausgleich zu. Das Geld kann er sich im August abholen, dann ist der gegen ihn erhobene Vorwurf der Beihilfe zur Veruntreuung verjährt. Karl-Heinz B. und seine Frau Birgit wohnen in Tempelhof und werden dort auch bleiben. In ihr altes Heim können sie nicht mehr zurückkehren. Den das Ehepaar hat, noch bevor die Eigentümerfrage geklärt war, seinen Anspruch auf das Haus an einen Privatmann verkauft. Der neue Besitzer kann sich jetzt freuen. Er hat nur 50 000 Mark für Haus und Grundstück gezahlt. "Wir waren des langen Kampfes überdrüssig", sagte Birgit B. "Ich will das Haus nie wieder sehen." Auch ihr heute 56 Jahre alter Mann will von all dem nichts mehr wissen. Er will vor allem nicht daran erinnert werden, dass er bis zu seiner Inhaftierung als Inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit tätig war. Über dieses Kapitel seines Lebens redet er nicht gern. Er sagt nur soviel, dass er auch 20 Jahre lang Mitarbeiter der katholischen Kirche gewesen sei. Irgendwann habe sich dann die Stasi an ihn gewandt. Die Kirche habe er aber nie verraten. "Ich war so eine Art Mini-Stolpe", sagte er. Die katholische Kirche war es auch, die ihn 1983 freikaufte, nachdem die Bundesregierung dies zuvor abgelehnt hatte.Zwansglage genutzt // 1983 hat der Jurist das Haus gekauft. Es gehörte einem Mann, der damals im Gefängnis saß.BLZ/WULF OLM Dieses Haus in Mahlsdorf kaufte der Anwalt 1983 einem Häftling ab, der daraufhin ausreisen konnte.Am Freitag wurde er dazu verurteilt, das Haus wieder zurückzugeben. Er habe eine Zwangslage ausgenutzt.