Paul Heinemann, Antiquar in Starnberg, ist sich seiner Sache sicher: Sissi heißt eigentlich "Lisi". Zum Beweis zeigt er Kopien von Briefen mit der Unterschrift Ihrer Kaiserlichen Hoheit Elisabeth von Österreich. Das "S" in der Privatpost von Elisabeth sei in Wirklichkeit ein "L". Den Namen "Sissi" hätte man am Wiener Hof erfunden. Hier, am Starnberger See, wo Elisabeth im Schloß Possenhofen einen Teil ihrer Kindheit verbracht hat, hätten die Leute das Mädchen nur "Zopf-Liesl" gerufen.Anläßlich ihres 100. Todestages Elisabeth war am 10. September 1898 in Genf von einem italienischen Anarchisten mit einer Feile erstochen worden hat Paul Heinemann in den Räumen seines Antiquariats eine Sonderausstellung über die aus Bayern stammende österreichische Kaiserin eröffnet. Er sieht die wegen ihrer Schönheit und Sportlichkeit und auch wegen ihres Eigensinns berühmte Frau, die schon mit 16 Jahren den österreichischen Kaiser Franz Joseph heiratete, als eine vielschichtige, um nicht zu sagen launische Person, Zeit ihres Lebens im Widerspruch mit äußeren Zwängen. Für den schon seit langem schwelenden Streit, ob der Rufname der Kaiserin "Sissi" oder "Sisi" geschrieben wird, hat der Verfechter der "Lisi"-These nur ein müdes Kopfschütteln übrig.Ganz im Gegensatz zu Manfred Klauda vom ZAM München, dem "Zentrum für Außergewöhnliche Museen" in der Westenrieder Straße. Das ZAM beherbergt unter anderem auch ein Museum zum Andenken an Kaiserin Elisabeth, die für den Museumsbegründer nur "Sisi" heißt. Die Schreibweise mit dem Doppel-S lehnt er in österreichisch strikt ab. Zu den Prunkstükken seiner Ausstellung gehört eine lebensgroße Wachsfigur der Kaiserin im Alter von 38 Jahren, die in den Werkstätten der Madame Tussaud entstand. Einen Milchzahn Elisabeths kann man bei Manfred Klauda ebenso bewundern wie den Inhalt ihrer Reiseapotheke, einschließlich einer "Cocain-Spritze". Zum 100. Todestag der Kaiserin hat er eine Sonderschau "Romy Schneider, Kaiserin Elisabeth Idole aus zwei Jahrhunderten" kreiert. Klauda sieht viele Parallelen zwischen der Schauspielerin, die in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden wäre, und der berühmten Kaiserin. Beide seien viel zu jung auf eine bestimmte Schiene geschoben worden, obwohl sie noch gar nicht reif dafür waren. Der 100. Todestag Elisabeths hat überall in Bayern eine wahre Sisi-Welle ausgelöst. Das Hotel Kaiserin Elisabeth (vormals Strauch) in Feldafing lockt zum Beispiel Gäste zu einem Sisi-Wochenende oder zum "Golf around the Sisi". Beim Sisi-Galadiner gar tritt eine "echte" Sisi in Gestalt der 21jährigen Lehramtsstudentin Barbara Merz-Weigand aus Tutzing auf. Und eine Nacht in der Kaiserinnen-Suite kostet 550 Mark, dafür mit Champagner-Frühstück. Eine lebendige Sisi kann man auch im nordbayerischen Staatsbad Kissingen bewundern. Christine Neubauer (25) von der Rezeption im Hotel Landhaus Baunach schlüpft hier am Rande der Rhön auf Wunsch in die Rolle Ihrer Kaiserlichen Hoheit, die zu Lebzeiten fünf Mal zur Kur in Bad Kissingen war. Ein "Kaiserliches Arrangement" in dem Vier-Sterne-Hotel kostet 995 Mark. Es beinhaltet unter anderem zwei Übernachtungen, ein kaiserliches Orangenblüten-Honig-Molke-Bad, die anschließende Verwandlung zur Kaiserin mit entsprechendem Make-up und Sisi-Frisur, das "Anlegen eines romantischen Sisi-Kleides" und ein "Kaiserliches Drei-Gänge-Diner mit erlauchten Gästen". Gebucht wird dieses Angebot vor allem von romantischen Ehemännern, weiß man im Hotel. Wie die echte Sisi zu all diesem Rummel stehen würde, kann man aus folgenden Zeilen, die sie einst reimte, wohl erahnen: Zu toll wird endlich mir der Spaß; Und nichts mehr soll mich hindern; Ich drehe eine lange Nas und zeig ihnen den H n.