Vierundzwanzig Stunden können ganz schön lang sein. Vor allem, wenn man sie nur mit Sport füllen muss. George Jones kann davon ein Lied singen. Irgendwann sind leider jede Nachbetrachtung des aktuellen Fußball-Bundesliga-Spieltags, jedes Tischtennis-Match und jedes Formel-3-Rennen ausgereizt. Dann muss der Frontmann der Chartbreakerband Mr. President auf die Bühne des Deutschen Sportfernsehens (DSF), um zum Warm-Up, Work-Out und Cool-Down zu blasen. Das sieht ziemlich albern aus. Vielleicht wird dem Muskel bepackten Jones die Übung bald erspart. "Come on baby" heißt dieses neue Knaller-Format auf DSF, das ein hoher Mitarbeiter des Senders mit dem Satz kommentiert: "Zu dieser Sendung sag ich nichts ohne meinen Anwalt." Mit zahlreichen neuen TV-Shows versucht der Spartensender DSF seit März sein Tagwerk aufzupeppen: Darunter eine so fernsehrevolutionäre Show wie "Abenteuer und Reisen", das von den zwei Plastikfischen Oskar und Felix moderierte Comedy-Format "Fish & Clips" und die PS-Sendung "Der Automacher". Der Chef weiß von nichtsIn der Krise des insolventen Mutterkonzerns KirchMedia kämpft das DSF um seine Existenzberechtigung - wie es scheint, mit allen Mitteln. Wichtig sei dabei vor allem eins, hört man aus dem Sender in München-Ismaning: Die neuen Shows dürfen keine neuen Schulden machen. Verluste angehäuft hat das DSF seit seinem Start 1993 schon genug. Von 500 Millionen Euro ist die Rede. Spätestens seit dem Insolvenzantrag der KirchMedia am 8. April wabern Spekulationen durch die Zeitungen, dass bei dem 100-prozentigen Tochterunternehmen bald die Studiolichter ausgehen werden. Doch ginge es nach dem Senderchef Stefan Ziffzer, passiert das so schnell nicht. Fast trotzig beantwortet Ziffzer die Frage nach der Zukunft des DSF: "Mit mir hat über eine mögliche Einstellung des Senders bisher noch niemand gesprochen. Wir sind nicht mal in einem Stadium, in dem wir eine Intensivbehandlung bräuchten." Zur Untermauerung seiner überraschenden These beruft sich der gelernte Banker Ziffzer auf das Reich der Zahlen. Die Verluste des Senders seien in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgefahren worden, im letzten Jahr waren es noch 15 Millionen Euro, im laufenden Jahr rechnet er mit 7 Millionen Euro und für 2003 mit - na was wohl - schwarzen Zahlen. So schnell kann s gehen. Auf der Suche nach einem neuen Gesellschafter wird in Ismaning die Devise des "lohnendes Investments" ausgegeben. "Das Geschäftsmodell ist auf Ertrag ausgerichtet", formuliert Ziffzer bündig und duldet keine Widerrede. Lange stand der einzige reine deutsche Sportsender selbst im eigenen Haus im Verdacht, hauptsächlich die wertvolle Kabelfrequenz sichern zu müssen. Geschäftsführer interpretierten ihren DSF-Job oftmals mehr als Karriereleiter denn als kreative Gestaltungsaufgabe. Von hier aus startete zum Beispiel Dieter Hahn seinen vorübergehenden Siegeszug über die Kirch-Gruppe mit bekanntem Finale. Als Ende der 90er-Jahre die Gütersloher Bertelsmann-Kollegen Interesse am DSF bekundeten, wurde so manchem Kirch-Manager das Pfund des Senders erst so richtig bewusst. Doch das DSF blieb weiterhin der Sender der Bundesliga-Vorschau und -Nachbetrachtung sowie der Basketbälle und Eishockeypucks. "Nichts gegen diese Sportarten, aber ein Sportsender braucht in Deutschland den Fußball als Hauptattraktion", sagt ein langjähriger Mitarbeiter, "doch die 1. Liga spielt bei uns in Sat 1. Das sagt doch alles über die Strategie." Einer für alleDen DSFlern beschert das sportliche Restprogramm im 1. Quartal 2002 einen schwachbrüstigen Marktanteil von einem Prozent in der werberelevanten Zielgruppe. Zumindest intern konnte das DSF punkten. Vor zwei Jahren bündelte die Kirch-Spitze die gesammelte Sportkompetenz der Gruppe mit fast 1 000 Mitarbeitern in der DSF GmbH. Ein so genanntes "Sport-Dienstleistungszentrum" (SDZ) wurde geschaffen, das mit Reporterpool sowie eigener Produktionsfirma den Sendern sämtliche Sportberichte zuliefern sollte. Premiere, Sat.1, N 24, ProSieben zählen seitdem zu den Kunden. So muss nicht mehr jeder Sender selber Kamerateams in die Stadien schicken, in denen sich bis dahin die Kirch-Berichterstatter auf den Füßen standen. Das DSF bedient Sendungen wie "ran" oder Premieres Bundesliga- und Formel-1-Schaltungen aus einer Hand. Synergien im großen Stil nennt man so etwas. Auf einer DSF-Betriebsversammlung beruhigte der neue Kirch-Geschäftsführer Wolfgang van Betteray die Mitarbeiter mit dem Bekenntnis: sowohl Bundesliga als auch Formel 1 sollten weiterhin zum Kerngeschäft der Gruppe gehören. Das DSF habe so nach der Insolvenz des Gesellschafters die Chance, selbstständig zu agieren und zu zeigen, dass es sich trage. Es wird unvermeidlich sein, dass einige Mitarbeiter den Sender verlassen. Wie viele, will Ziffzer noch nicht sagen. Kann er wahrscheinlich auch nicht, denn vieles hängt vom Verbleib der Sportrechte ab, die keinesfalls sicher sind. Ziffzer will dazu nur sagen: "Wir sehen den Sport nicht als Mittel zum Zweck wie andere. Wir machen das auch aus Leidenschaft." Letztendlich ist sich der Senderchef auch darüber im Klaren, dass die Entscheidung über Wohl und Wehe des DSF an anderen Tischen gefällt wird. Deswegen sagt Ziffzer im besten Sportlerjargon: "Wir müssen auf uns schauen und unsere Performance vorantreiben." Ob das reicht, um den Abstieg zu verhindern, bleibt abzuwarten.Wenige Zuschauer, hohe Verluste // Das Deutsche Sportfernsehen (DSF) wurde am 1. Januar 1993 als Nachfolger von Tele 5 gegründet. Das DSF war der erste werbefinazierte Sportspartensender Deutschlands. Das Programm hat heute eine technische Reichweite von 88 Prozent, erreicht aber nur einen geringen Zuschaueranteil von einem Prozent (Stand 2001).Der Sender gehört zum Kirch-Konzernbereich KirchMedia, ist allerdings kein Bestandteil der Fernsehfamilie ProSieben Sat. 1, sondern als 100prozentige Tochter der Taurus TV GmbH ein eigenständiges Unternehmen. Seit dem Sendestart hat das DSF einen Verlust von 485 Millionen Euro angehäuft, höhere Anlaufverluste hat nur noch Sat. 1.IMAGO/SÄMMER Wenn es für die Formel 1 nicht reicht, müssen Monster Trucks das Programm füllen.