Wie eine 42-jährige Frau aus Friedrichshain durch die Telekom von ihrem eigenen Ableben erfuhr: "Ich muss Ihnen sagen, Sie sind tot"

Berit Schwarz ist zurzeit nicht ganz gesund. Sie hustet und hat sich wohl einen grippalen Infekt zugezogen. Doch von dieser vorübergehenden Erkältung einmal abgesehen, erfreut sich die 42-Jährige aus Friedrichshain bester Gesundheit. Sie hat einen Job, trifft Freunde und ist, man könnte es so ausdrücken, quicklebendig. Etwas ganz anderes lässt das Schreiben vermuten, das Berit Schwarz Anfang Februar in ihrem Briefkasten fand."Im Namen der Deutschen Telekom möchte ich Ihnen mein Beileid zum Tod von Berit Schwarz aussprechen", hieß es darin. "Ihrem Wunsch entsprechend beenden wir die Verträge wie folgt ." Die Telefongesellschaft, die sie für tot hielt, hatte ihren Anschluss stillgelegt.Die ganze Geschichte begann allerdings schon einige Tage zuvor, als die freiberufliche Fernsehautorin an einem Januarmorgen ein Taxi rufen wollte. "Wenn Sie einen Telefonanschluss wünschen, wenden Sie sich an die Telekom", hörte Berit Schwarz, als sie den Hörer abnahm. Wer ihre Telefonnummer wählte, vernahm die Ansage "Diese Rufnummer ist nicht vergeben."Eine Woche war die Leitung totDrei Mal rief die Friedrichshainerin daraufhin bei der Störungsstelle der Telefongesellschaft an. Dort prüfte man die Leitung und informierte sie per SMS darüber, dass die Störung behoben sei und der Anschluss einwandfrei funktionieren würde. Doch das Telefon blieb eine ganze Woche lang tot. "Meine Mutter hat sich schon Sorgen gemacht, dass mir etwas passiert sein könnte", sagt Berit Schwarz. Eine Frau aus der Vertriebsabteilung der Telefongesellschaft prüfte schließlich ihre Unterlagen und erklärte ihr dann, ihr Anschluss sei rückwirkend zum Oktober gekündigt worden. "Ich muss Ihnen sagen, Sie sind tot", teilte die Mitarbeiterin Berit Schwarz mit. Ihr liege ein Totenschein vor, der allerdings handschriftlich verfasst und nicht sonderlich gut zu lesen sei."Ich konnte die Frau dann davon überzeugen, dass ich noch lebe", sagt Berit Schwarz. "Aber man geht schon mit einem komischen Gefühl durch die Welt, wenn man gerade gehört hat, dass man tot ist." Ein paar Tage später kam der Brief, in dem die Telekom das Beileid zu ihrem Ableben formulierte.Unternehmenssprecher Jürgen Will spricht von einem Bearbeitungsfehler. Ein Mitarbeiter des Kundenservice habe den Namen einer tatsächlich verstorbenen Person falsch entziffert und daraufhin den Account von Berit Schwarz geöffnet. "Das ist ein unangenehmer, aber menschlich möglicher Fehler, wenn man 32 Millionen Kunden bearbeitet", sagt Will. Da könne es schon mal zu einer Verwechslung kommen. Das Beileidsschreiben sei in solchen Fällen eine Formsache, die automatisch abgeschickt werde.Von so einem Fall haben die Mitarbeiter der Berliner Verbraucherzentrale noch nie gehört. Natürlich gebe es Beschwerden wegen gekappter Anschlüsse, hieß es dort. Das geschehe aber zumeist wegen fehlgeschlagener Anbieterwechsel oder nach Problemen mit der Rechnung.Inzwischen kann Berit Schwarz wieder telefonieren. Sie denkt über einen Anbieterwechsel nach. Obwohl sich die Telekom inzwischen schriftlich bei ihr entschuldigt hat und ihr 25 Euro "für den entstandenen Schaden" gutgeschrieben hat. Es handele sich um einen "absoluten Ausnahmefall", hieß es in dem Schreiben.Fernsehautorin Schwarz geht nun öfter eine bestimmte "Tatort"-Szene durch den Kopf. Sie sieht eine Leiche in der Gerichtsmedizin vor sich. Am großen Zeh hängt ein Zettel, auf dem ihr eigener Name steht.------------------------------Foto: Die 42-jährige Autorin Berit Schwarz ist quicklebendig. Doch wegen eines Bearbeitungsfehlers hielt ihre Telefongesellschaft sie für verstorben und kondolierte per Brief.Foto: Falsch verkabelt: Die Verbraucherzentrale beanstandet immer wieder den telefonischen Kundenservice der Telekom.