Phil Taylor, 50, zählt mit 15 Weltmeistertiteln im Dartsport zu den weltweit erfolgreichsten Individualsportlern. Der dreifache Großvater mit dem Spitznamen "The Power" spricht vor dem Premier-League-Finale am Wochenende im Wembley-Park über den Aufstand der Jungen, Ruhm und den Geldsegen im Dartsport.Herr Taylor, Sie dominieren Ihren Sport nun seit 20 Jahren, sind Nummer eins der Welt. Der amtierende Weltmeister heißt jedoch Adrian Lewis und ist mit 26 Jahren nur halb so alt wie Sie. Ist da eine Art Revolution der Jungen im Gange?Ja, doch. Die Jungen lieben das Spiel, sie lieben das Geld. Und das Preisgeld ist fantastisch. Ich habe allein in den letzten paar Jahren einige Millionen verdient. Und die Youngsters wollen auch mitnaschen und so viel wie möglich einstreichen. In diesem Jahr werden mehr als sechs Millionen Pfund an Preisgeld ausgeschüttet. Und es wird in Zukunft noch weiter steigen.Sie sind ja nicht ganz unbeteiligt an der spielerischen und finanziellen Entwicklung des Dartsports.Ich denke, jeder Sport braucht seine Ikone. So wie David Beckham im Fußball oder Tiger Woods im Golf. Dann blicken die Jungen zu jemandem hoch und denken sich: Das kann ich auch erreichen.Macht Ihnen der Aufstand der jungen Spielergeneration Sorgen?Sorgen? Nein, es raubt mir nicht den Schlaf. Aber es beschäftigt mich schon. Und darum feile ich auch an meinem Spiel und versuche, das eine oder das andere zu verbessern. Zusätzlich habe ich Laura, meine Fitnessbetreuerin, die auf meine Ernährung achtet und mir auch mental eine Stütze ist.Darts erzielt abgesehen von Fußball bei Sportübertragungen die höchsten TV-Einschaltquoten in Großbritannien, liegt vor Golf, Tennis und Motorsport. Der Sender Sky übertrug im Vorjahr 900 Stunden live?Das Spiel ist größer als je zuvor. Wir wollen Darts hinaus in die Welt tragen. Japan zeigt Interesse, China will Turniere veranstalten, auch Südafrika klopft an.Wie sind Sie eigentlich zu Ihrem Spitznamen "The Power" gekommen?Ein Mitarbeiter des TV-Senders Sky, Peter George, hat mir den Namen gegeben. Peter war für die mediale Inszenierung von Darts-Turnieren verantwortlich und versprach mir eines Tages, er würde für mich einen geeigneten Spitznamen finden. Der Sender verwendete damals - es war Mitte der 90er - noch Musik-CDs. Im Dunkeln trat Peter versehentlich auf eine CD-Hülle: Es war "The Power" von der Band SNAP!. Das hat gepasst. Und passt noch immer.Sie haben Ihren Spitznamen auf Ihrem rechten Unterarm tätowiert. Ist das wirklich etwas, womit Sie sich identifizieren?Alle anderen tun das auf jeden Fall. Keiner nennt mich mehr bei meinem richtigen Namen.Auch privat nicht?Doch, meine engen Freunde schon. Aber ansonsten bin ich The Power. Ein Beispiel: Auch in der Quizshow "The Weakest Link", wo ich aufgetreten bin und alle Teilnehmer mit Vornamen aufgerufen werden, war ich nicht Phil, sondern The Power.Sie haben einmal in einem Interview gesagt: "Ruhm ist nichts für mich, den sollen die Jungen haben." Jetzt tragen Sie aber auf Ihrem anderen Unterarm ein großes Tattoo mit dem Schriftzug "Glory". Warum?Das war einfach eine verrückte, spontane Idee. Ein kleiner Aussetzer, würde ich sagen. Viele meiner Konkurrenten mögen es nicht.Was bedeutet Ihnen nun Ruhm? Sie sind 15-facher Weltmeister. Erst kürzlich sind Sie zur zweitgrößten Sportpersönlichkeit Großbritanniens 2010 gewählt worden.Das ist wahrscheinlich die prestigeträchtigste Trophäe, die ich jemals gewonnen habe. Es bedeutet mir viel, denn es ist eine Wahl der Sportfans. Bei der Preisübergabe gab es Standing Ovations und ich war berührt, als Größen aus anderen Sportarten wie etwa David Beckham aufgestanden sind und mir applaudiert haben.Sie sind 50 Jahre alt. Können Sie sich vorstellen, Ihren Sport ein weiteres Jahrzehnt zu dominieren?Fünf Jahre. Mehr wird nicht mehr gehen.Dann ist es vorbei?Vorbei wird es nie sein. Darts wird immer ein wichtiger Teil meines Lebens sein.Interview: Anton Oberndorfer------------------------------Foto: Power und Glory: Phil Taylor.