Außerirdische müssen eine Vorliebe für deutsche Szenekneipen haben. Jedenfalls scheinen das die Auftraggeber jener Herren zu glauben, die, angetan mit schwarzen Anzügen und dunklen Sonnenbrillen der Marke Ray Ban, zwischen dem 1. und 10. September bundesweit fast 1 800 Lokale inspizierten. Ihr Auftrag: Das Aufspüren von Aliens. Dabei bedienten sie sich der digitalen Kamera Sony Mavica, mit der sie die Gäste fotografierten. Auf den Bildern des zuvor entsprechend programmierten Apparats entpuppte sich etwa jeder vierte Lokalbesucher als Wesen aus einer anderen Welt.Doch anstatt ihrer Vernichtung zugeführt zu werden, durften die abgeblichen Aliens an einem Gewinnspiel teilnehmen, bei dem es für den Sieger einen Toyota Fun Cruiser gab. Einige wurden für einen kurzen Moment berühmt: Das Sat 1-Boulevardmagazin "Blitz" sowie die Zeitschriften TV Spielfilm und Cinema berichteten über das seltsame Treiben.Bester Filmstart aller Zeiten Das Spektakel hat sich gelohnt. Es war Kernstück der Werbekampagne für den Film "Men in Black", in dem zwei Agenten Außerirdische jagen. Allein an den ersten vier Tagen sahen exakt 1 954 972 Zuschauer die Science-fiction-Komödie. "Das ist der beste Filmstart aller Zeiten in Deutschland", sagt Martin Bachmann, Marketingdirektor des Filmverleihers TriStar.Nun hoffen auch Sony, Toyota und Ray Ban von der Alien-Jagd in Szenelokalen zu profitieren. Bei den Auftritten handelte es sich um Cross Promotion. So nennen Marketing-Experten Aktionen, mit denen Markenartikler sich gegenseitig bewerben. Diese Vermarktungsform wurde in letzter Zeit vor allem bei der Einführung von Filmen großer Hollywoodstudios angewandt. Häufig tauchen die Marken in den Filmen selbst auf. So war die Fast-food-Kette McDonald·s im Film "Flintstones" als "Rock Donald·s" präsent. Im Gegenzug machte die Kette in ihren Filialen Werbung für den Film. Für ähnliche Kooperationen hat sich McDonald·s nun für zehn Jahre an die Disney-Studios gebunden.Auch bei "Men in Black" ist die Zusammenarbeit mit Ray Ban weltweit angelegt. Weil die beiden Helden des Streifen Will Smith und Tommy Lee Jones im Film das Modell "Predator 2" tragen, promotet Ray Ban allein in Deutschland in etwa 1 500 Brillenläden "Men in Black". "Für das Product Placement im Film hat Ray Ban nichts bezahlt", sagt Chris Häberlein, deren Agentur Häberlein & Maurer die Kampagne in Deutschland betreut. Dafür habe das Unternehmen Millionen in die Promotion für "Men in Black" gesteckt. Das hat sich womöglich schon bezahlt gemacht: In den USA haben sich die Verkaufszahlen von "Predator 2" bereits verdoppelt.Dagegen erwartet Corinna Gerfers, bei Toyota zuständig für Marketing, nicht mehr als einen "Imagegewinn und eine Steigerung des Bekanntheitsgrads" ihres Unternehmens. Die Marke taucht im Film selbst nicht auf ­ ebensowenig wie die Sony Mavica. Die wird jedoch auch noch bis Ende Oktober mit dem "Men in Black" Logo und dem Slogan "Die erste Kamera, die Aliens auf Floppy speichert" beworben. Diese Kooperation macht auch aus einem anderen Grund Sinn: Die Columbia Studios, die den Film produzierten, sind eine hundertprozentige Tochter des japanischen Elektronikkonzerns Sony.Damit ist die Liste der "Men in Black"-Produkte keineswegs komplett. Im Goldmann Verlag ist das Buch zum Film erschienen. Die Münchner Blue Man Publishing hat ein Heft über die Produktion des Films herausgebracht. Und weil Hauptdarsteller Will Smith rappen kann, hat er eine CD mit dem Titel: "Men in Black ­ The Album" aufgenommen. Die ist, selbstverständlich, bei Sony Music erschienen. Die Single-Auskoppelung "Men in Black" war bis letzte Woche auf Platz eins der deutschen Charts.Natürlich gibt es auch "Men in Black" Poster, Anstecknadeln, Basballkappen, Handtücher, Taschen, Sweat- und T-Shirts. Allerdings fand die Agentur Merchandising München nur vier Lizenznehmer, die diese Produkte im deutschsprachigen Raum vermarkten wollen. Für "Jurassic Park" konnte dieselbe Agentur noch 50 Lizenznehmer gewinnen. "Da haben einige auf âVergessene Welt und âBatman gesetzt und dabei den Sieger âMan in Black übersehen", sagt Columbia TriStar Marketingdirektor Bachmann. Nicht einmal der "Alien Blaster", mit dem im Film Außerirdische zur Strecke gebracht werden und den der US-Hersteller Galoob als Spielzeug auf den Markt gebracht hat, wird in Deutschland vertrieben.Dabei boomt das Geschäft mit Lizenzprodukten hierzulande. Nach Erkenntnissen der Münchner Merchandising-Expertin Karin Böll werden jährlich etwa sechs Milliarden Mark umgesetzt. Vor vier Jahren seien es noch drei Milliarden gewesen. Davon entfallen allerdings nur etwa 20 Prozent auf das Merchandising von Spielfilmen. Mittlerweile mischen vor allem Fernsehsender, Sportklubs und Musicalproduzenten im Geschäft kräftig mit.Die Branche boomt Doch in keiner Branche dürfte die Bedeutung des Merchandising so groß sein wie im Filmgeschäft. So lagen beispielsweise die Einspielergebnisse von "Jurassic Park" bei einer Milliarde und die von "Batman Returns" bei 880 Millionen Dollar. Ein Zubrot, verglichen mit den Merchandising-Umsätzen. Die lagen bei beiden Filmen weltweit bei jeweils drei Milliarden Dollar. An diese Zahlen dürfte "Men in Black" nicht herankommen. Die Agentur Merchandising München hofft aber aufs nächste Jahr. Dann wird die Zeichentrickserie "Men in Black", die in den USA im Oktober anläuft, voraussichtlich ins Fernsehen kommen. Vielleicht läßt sich dann beim Merchandising mehr bewegen.