Im Folgenden geht es nur vordergründig um ein Kleinspielzeug in einem hohlen Schokoladenkörper. Tatsächlich geht es um große Politik. Zwar verbirgt sich im Überraschungs-Ei weiterhin so manche Überraschung. Das Schoko-Ei hat aber noch mehr zu bieten. Denn es ist zu einem Symbol für das von Bundesregierung und Opposition gemeinsam angerichtete Chaos in der Steuerpolitik geworden.Steuerrechtlich ist das "Ü-Ei" nämlich ein höchst interessantes Objekt. Es handelt sich um ein so genanntes Kombiprodukt: Für Schokolade gilt als Lebensmittel ein Umsatzsteuersatz von sieben Prozent, Spielzeug unterliegt dem vollen Satz von 16 Prozent. Auf das Gesamtprodukt wird bisher der niedrigere Satz angewendet. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hatte diesen Umstand schon vor einem Jahr als klaren Fall von Steuersubvention entdeckt. Eine generelle 16-prozentige Mehrwertsteuer für Kombiprodukte - dazu zählen auch Zeitschriften mit CD-Roms - war daher Bestandteil seines "Steuervergünstigungsabbaugesetzes". Mögliche Mehreinnahmen: Immerhin 50 Millionen Euro.Für die Union war das Gesetz vor den damals anstehenden Landtagswahlen ein gefundenes Fressen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) warf der Regierung vor, sie sei nun wohl völlig verrückt geworden. Zwar strichen die Fraktionen von SPD und Grünen die Ü-Ei-Steuer wieder. Aber das half auch nichts mehr. Die Union schickte Eichels Gesetz fast vollständig in den Reißwolf.Mitte Oktober tauchte die Ü-Ei-Steuer jedoch unverhofft wieder auf. Der Bundesrat beantragte mit seiner Unionsmehrheit, die Steuererhöhung in ein anderes Gesetz einzubauen. Das habe mit Glaubwürdigkeit nun gar nichts mehr zu tun, erregte sich SPD-Fraktionsvize Joachim Poß. Er sagte allerdings zu, man werde sich nicht verschließen. Auch die Regierung kündigte eine "vorurteilsfreie Prüfung" an.Ü-Ei-Fans können aber beruhigt ein neues Ei aufpellen: Die Prüfung fiel negativ aus. Nicht die Fraktionen von SPD und Grünen blockierten jedoch, sondern das Finanzministerium. Zwar handelte es sich um die gleiche Regelung, die Eichel vor einem Jahr selbst vorgeschlagen hatte. Nun sahen Beamte aber plötzlich zollrechtliche Probleme bei der Steuererhöhung. Dennoch wird die Union dem Gesetz ohne Ü-Ei-Steuer am Freitag im Bundesrat zustimmen. Beim Überraschungs-Ei bleibt also alles beim Alten. Vorerst.