Er nennt sich ironisch Auflegewitsch und sieht sich als "Nachkomme besessener Russen". Ein bisschen stimmt das auch. Schließlich war sein Großvater ein russischer Adliger, den es in den Revolutionswirren Anfang der 20er-Jahre nach Frankfurt am Main verschlagen hatte. Einmal im Monat rückt Gregor Rajewsky, 37, mit seinem Koffer voller CDs im Kaffee Burger an und lädt zum "Datschadance - Osteuropäischer Tanztumult". Das Volk tanzt wild, Paare wirbeln sich herum, Füße stampfen, Schweißtropfen fliegen. Und natürlich fließt Wodka. Viele verwechseln Rajewskys Veranstaltung mit Wladimir Kaminers "Russendisko", die längst in jedem Touristenführer steht. Dabei legt Auflegewitsch seit zwei Jahren ganz andere Musik auf: osteuropäische Romamusik und Blasmusik vom Balkan, Russisches, "Kalinka" natürlich inklusive. Und das ist bislang noch ein Geheimtipp. Angefangen hatte alles mit einem Notenbuch jiddischer Folklore. Dem damals 16-jährigen Rajewsky, der als Schüler Geige spielte, war es zufälligerweise in die Hände gefallen. Seitdem ist er von der Musik aus diesen Breiten nicht mehr losgekommen. Vor 14 Jahren kam der gebürtige Frankfurter nach Berlin. Er studierte Politik und Musikwissenschaften, besuchte eine private Filmakademie, wirkte in Schottland an einem Filmfestival mit und betreute eine Modern Dance Company. Dann war er sechs Jahre lang im Chamäleon Varieté für akrobatische-artistische Projekte zuständig. Nebenbei macht er an einer Abendschule eine kaufmännische Umschulung.Seit Rajewsky in Berlin lebt, ist er viel durch den Osten gereist. Mit einem klapprigen Auto bereiste er Polen, Rumänien, Tschechien und Weißrussland und lernte dabei Musiker kennen. Von seinen Besuchen brachte er Kassetten und Platten mit. Und als er vor sechs Jahren auf einer Geburtstagsparty seine Lieblingsmusik laufen ließ, tobten die Gäste. "Von da ab schwebte mir vor, so etwas in einem Club zu machen." Sein Publikum ist altersmäßig gemischt, die Atmosphäre enthusiastisch "und vor allem nicht so cool", sagt Rajewsky. Mittlerweile steht Rajewsky auf Hochzeiten und Festivals auch außerhalb Berlins am Plattenteller, beispielsweise in Potsdam oder in Hamburg. Seit einem Jahr arbeitet er in der Agentur "asphalt tango" und organisiert Tourneen von Balkan-Bands durch den Westen - sogar bis in die USA.Und weil Rajewsky sich auch mal wieder selbst musikalisch betätigen wollte - die Geige aus Schulzeiten hat er noch - lernt er seit zwei Jahren Akkordeon bei einem Kirgisen von der Hanns-Eisler-Schule. Vorerst für den Hausgebrauch.Party: 2. Mai, 21.30 Uhr, Kaffee Burger: Trio Talisman (russische Zigeunermusik) danach "Datschadance - Osteuropäischer Tanztumult" mit Auflegewitsch Rajewsky. Im Internet unter: auflegewitsch@datschadance.deBERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER Gregor "Auflegewitsch" Rajewsky nennt sich einen "Nachkommen besessener Russen". Mit seinem Datschadance begeistert er Berliner Clubgänger.