Die Reise durch die deutsche Sprache beginnt im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Mitte bei mittelalterlichen Handschriften des Nibelungenliedes - und endet bei Tiger, die Kralle von Kreuzberg. "Weissu, ich bin Tiger, weissu, alle kennen mich."Zumindest kannten ihn Katja Kaiser und Heidemarie Anderlik, Kuratorinnen der Ausstellung "Die Sprache Deutsch", die bis zum 3. Mai täglich im Pei-Bau des DHM, Hinter dem Gießhaus 3 in Mitte, zu sehen ist. Auf einem Symposium zur Vorbereitung der Ausstellung im vorigen Jahr führte die Sprachwissenschaftlerin Heike Wiese Videos des türkischen Prolls und Web 2.0-Stars Tiger vor, der am Kottbusser Tor in kurzen Clips vom Leben im Kreuzberger Kiez erzählt. Heike Wiese erforscht an der Uni Potsdam unter anderem Kiezdeutsch als eine der neuesten Entwicklungen der deutschen Jugendsprache. Die Kuratorinnen des DHM waren begeistert - und nahmen Tiger in ihre Ausstellung auf.Jetzt hängt also an einer rostroten Säule ein Flachbildschirm, auf dem Tigers Videos laufen, daneben eine Infobox. Unter der Überschrift "Kiezdeutsch, Türkendeutsch und Tiger Kreuzberg" können Besucher lesen: "Kiezdeutsch ist eine Kontaktsprache, die in Wohnvierteln mit sprachlicher, ethnischer und kultureller Vielfalt entstanden ist . In der Parodie Tiger, die Kralle von Kreuzberg, erklärt die Kunstfigur Tiger das Leben junger Migranten in Berlin-Kreuzberg und greift dabei ihre Sprache und ihren Lebensstil auf." In einer Glasvitrine daneben liegt Tigers schwarze Wollmütze."Wir finden, Tiger ist eine Parodie, die funktioniert", sagt Kuratorin Katja Kaiser. Neben den Tiger-Videos können sich die Besucher auch Originalsprachaufnahmen anhören - das Lebensgefühl im Kiez aber würde Tiger besser vermitteln. Dass das provoziert, gehört für Katja Kaiser dazu. "Jugendsprache wurde von Erwachsenen schon immer als Sprachverfall gedeutet", sagt sie. "Dabei hat jede Generation ihre eigene Jugendsprache, die dann ein paar Jahre später schon wieder out ist." Kiezsprache sei dabei kein Berliner Phänomen. "In vielen europäischen Städten prägen Jugendliche mit Migrationshintergrund die Sprachentwicklung", sagt sie.Und was sagt Tiger dazu, im zivilen Leben der Comedian Cemal Atakan? "Weissu, alte Menschen sind normalerweise im Museum oder Tote - ich bin nich' alt, tot bin ich auch nich', ich seh' gut aus. Endlich is' auch mal ein Gutaussehender im Museum." Und dann fügt er hinzu: "Eigentlich mag ich aber eher Wettbüros."Tiger im Netz: www.youtube.com/elefantenmensch------------------------------Foto: Der Tiger hat den weiten Weg vom Kottbusser Tor ins Deutsche Historische Museum geschafft.