Menschen, die um ihren Wert wissen und nicht mehr beweisen müssen, dass sie Respekt, auch Zuneigung verdienen, schaffen es oft, sehr überlegt und doch gelöst zu wirken. Um Aufmerksamkeit für sich und ihre Sache zu gewinnen, brauchen sie weder Aufregung noch Angst zu verbreiten. Pamela Rosenberg scheint so ein Mensch zu sein.Die derzeitige Intendantin der Oper von San Francisco wird ab dem 1. August 2006 Intendantin der Berliner Philharmoniker sein, schon ab dem 1. Januar des gleichen Jahres nimmt sie ihre Arbeit als Beraterin für die Stiftung Berliner Philharmoniker auf. Das teilte sie gestern in Berlin mit, begleitet vom Chefdirigenten Simon Rattle und von Vertretern des Orchestervorstandes. Pamela Rosenberg, 1945 in Los Angeles geboren, hatte dreißig Jahre in Deutschland und den Niederlanden gelebt, bevor sie 2001 wieder nach Kalifornien ging. Aber sie fühlt sich als Europäerin. Hier leben ihre zwei Söhne und Enkel, hier auch muss sie nicht achtzig Prozent ihrer Arbeitskraft dazu verwenden, Geld für Kunst aufzutreiben. Hier scheint es ihr eher noch möglich zu sein, die Kunst selbst zum Mittelpunkt ihres Lebens zu machen.Sie bezeichnet sich als "Hebamme für die Kunst", als Ratgeberin, Ideenlieferantin, Zuhörerin der Philharmoniker. Ein wenig verwundert es schon, dass Rosenberg als Orchesterintendantin tätig werden will. Ihre ganze Laufbahn war bisher eng mit dem Musiktheater verbunden. Von 1991 bis 2000 stand sie als Ko-Intendantin Klaus Zehelein an der Staatsoper Stuttgart zu Seite. Warum jetzt einem Orchester? "Erstens ist es nicht irgendein Orchester, sondern das beste der Welt. Zweitens ist Sir Simon Rattle derzeit der aufregendste Dirigent, den es gibt. Und wenn die Berliner Philharmoniker bei mir anrufen, dann ist das, als würde der schönste, klügste und anständigste Mann überhaupt mich zum Tanz auffordern."Abseits dieser Erotik des rein Ästhetischen reizt es sie aber vor allem, von diesem Ästhetischen aus in die Gesellschaft zu denken. "Wir stehen vor einer großen Krise unserer Kultur, wenn wir es nicht schaffen, die ganz anderen Lebenserfahrungen der jungen Generation in unsere Kunst einzugliedern. Alles hängt davon ab, ob wir Kunst wieder relevant machen können. Die klassische Musik ist marginalisiert worden, irrelevant für 98 Prozent der Bevölkerung. Kein Opernhaus der Welt würde mir momentan die Möglichkeit geben, mich diesen Fragen in dem Ausmaß zu widmen, wie ich es hier, bei den Berliner Philharmonikern kann".Rosenberg will, in Abstimmung mit den anderen Konzertveranstaltern und "ohne sie zu bevormunden", die Philharmonie stärker als bislang zu einem künstlerischen Ort mit thematisch-dramaturgischer Ausrichtung machen. Für mehr Eigenveranstaltungen wird sie sich um zusätzliches Geld kümmern müssen. Sie kann sich vorstellen, dass die Philharmoniker auch in die einzelnen Stadtbezirke gehen, um dort Musik zu machen, damit neue Zuhörer gewonnen werden: aus anderen sozialen Schichten, besonders unter Kindern und Jugendlichen, aber auch aus den zahlreichen Zuwandererfamilien. "Berlin ist eine Stadt mit über hundert verschiedenen Ethnien. Auch für sie soll die Philharmonie zu einem Begegnungsort werden", sagt Pamela Rosenberg. Vor zwei Jahren hatte sie die ihr angebotene Intendanz der Deutschen Oper abgelehnt, weil sie deren damaligen Generalmusikdirektor Christian Thielemann zwar für einen großen Dirigenten, aber trotz seiner Jugend für "zu alt im Kopf" hielt.------------------------------Foto: Pamela Rosenberg am Freitag auf der Terrasse des Kammermusiksaals