BERLIN. Irgendwann reicht es Peter Ramsauer an diesem Tag mit den Fragen nach der Pkw-Maut, und das ist der Moment, in dem er sich auf seinen Aktenordner stürzt. "Was haben die da für schäbige Mappen im Ministerium?", ruft er und packt seinen ganzen Ekel in ein "Wä!". "Ich will schöne Sachen haben, nicht solche", sagt der neue Minister. Und dann stellt er noch fest, dass sein Vorgänger, der SPD-Mann Wolfgang Tiefensee, noch auf der Mappe vermerkt ist. Peter Ramsauer ist seit einer Woche Bundesverkehrsminister. Er hat angekündigt, einiges umzumodeln im Ministerium. Als erstes wird es wohl die Mappen treffen.Und einen Schlagzeilen-Einstand hat Ramsauer auch schon gegeben. Der Passauer Neuen Presse hatte er gesagt: "Wir wollen, dass das Straßennetz stärker durch die Nutzer finanziert wird. Die Lkw-Maut war ein Anfang." Er hat nicht direkt von der Pkw-Maut geredet, aber die Forderung danach ist Beschlusslage bei der CSU, und einer der Hauptbefürworter war bislang eben Ramsauer, genauso wie sein neuer parlamentarischer Staatssekretär Andreas Scheuer. Man kann also davon ausgehen, dass Ramsauer eine Pkw-Maut fordert, auch wenn er es nicht so sagt. Noch dazu ist der designierte baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus auf das Thema angesprungen. Noch in dieser Wahlperiode müsse es eine nach Reiseweg gestaffelte Gebühr geben, forderte er in der Financial Times Deutschland. Im Gegenzug müssten die Kraftfahrzeugsteuer gestrichen und die Mineralölsteuer gesenkt werden. Damit blieben deutsche Autofahrer unbelastet.Auch die CDU-Landtagsfraktion in Kiel hat sich für eine Pkw-Maut ausgesprochen. Sachsens Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) schloss sich Mappus' Linie an. Es sei nötig, "Wege außerhalb der Haushalte zu finden, Straßen zu bauen und zu sanieren". Priorität habe aber, "das Autofahren nicht weiter zu verteuern". Sein nordrhein-westfälischer Kollege Lutz Lienenkämper (CDU), formulierte zurückhaltender: "Natürlich muss die Verkehrsinfrastruktur weiter verbessert würden, aber dafür dürfen die Autofahrer nicht zusätzlich belastet werden." Gebührendiskussionen lehne er ab.Ramsauer hätte also sogar Unterstützung. Aber da Angela Merkel im Wahlkampf eine Pkw-Maut strikt ausgeschlossen hat, hat Ramsauer als Minister nun ein Problem. Er darf nicht mehr vertreten, was er eigentlich will. Er löst es mit ramsauerischer Logik: "Sie kriegen aus mir das Wort Pkw-Maut nicht heraus." Aber auf den CSU-Beschluss verweist er dennoch und darauf, dass er sich zum Thema "weder negativ noch positiv geäußert" habe, obwohl er das Anliegen für "nachvollziehbar und gerechtfertigt" halte. Er sagt, dass die Maut nicht im Koalitionsvertrag stehe. Aber dass nicht alles, was nicht im Koalitionsvertrag stehe, ein Tabu sei.Ramsauer möchte übrigens, dass es von seinem Haus künftig heißt: "Das Ramsauer-Ministerium - die tun was." Vision nennt er diese Vorstellung. Für alle Fälle hat er schon einmal Gründe beschafft, warum sein Ministerium, das bisher kaum einen Amtsinhaber besonders gut aussehen ließ, auch sonst bedeutsam sein wird: Er habe 60 Unterbehörden mit 22 300 Beschäftigten, allein im Ministerium 1 700 Mitarbeiter und sei zuständig für 164 Gesetze, 412 Rechtsverordnungen und auch noch für Herrn Kachelmann mit seinen Wettervorhersagen. Der kälteste deutsche Punkt der Kachelmann-Skala, der Funtensee in den bayerischen Bergen, liegt sogar in Ramsauers Wahlkreis. Kachelmann hat Ramsauer schon angerufen.------------------------------Nur knapp abgelehntDie Verkehrsminister der Bundesländer hatten die Einführung einer Pkw-Maut oder einer Vignette zuletzt im Oktober 2005 mit knapper Mehrheit abgelehnt. Nach langer Diskussion hatten sich die Gegner einer Maut bei der Verkehrsministerkonferenz in Rostock durchgesetzt.Alle SPD-regierten und auch einige unionsregierte Länder hatten sich gegen eine solche Abgabe ausgesprochen. Die Länder forderten den Bund auf, die Einnahmen aus der Mineralölsteuer stärker in die Infrastruktur fließen zu lassen, ganz im Sinne der Automobilclubs.Auch die Pällmann-Kommission, eingesetzt von der rot-grünen Bundesregierung, hatte im Jahr 2000 eine Pkw-Maut zur Finanzierung von Verkehrswegen vorgeschlagen. Auch damals war die Durchsetzung am heftigen Widerstand vor allem der Auto-Lobby gescheitert.------------------------------Foto: Die Messgeräte für die Lkw-Maut könnten für die Pkw-Maut genutzt werden.Foto: Verkehrsminister Peter Ramsauer