Wir haben als Reformbühne Heim & Welt die große Ehre, dass eines unserer Mitglieder in die Fußball-Nationalmannschaft der Schriftsteller nominiert worden ist. Direkt von der WM aus Bremen zurückgekehrt ist Uli Hannemann. Die drängendste Frage: Welchen Platz haben wir?ULI HANNEMANN: Wir haben, kann ich zu eurer und unserer Freude mitteilen, einen großartigen vierten Platz erreicht.Das ist toll, bravo! Andererseits, wenn man diese Platzierung mit der letzten WM im September in Italien in San Casciano dei Bagni vergleicht, wo unter anderem Ahne und ich in der Mannschaft waren und der zweiten Platz errungen werden konnte - dann klingt das doch sehr nach einer Verschlechterung: damals zweiter, jetzt vierter Platz.Nein, das ist so nicht richtig, man muss da die einzelnen Ergebnisse sehen. Wir haben letztes Jahr das Endspiel 5:0 gegen Schweden verloren.Ja, die Skandinavier! Schweden wäre ja noch einfach gewesen.Dieses Jahr haben wir gegen die Schweden schon im Halbfinale gespielt und haben uns sehr achtbar mit einer 2:3-Niederlage aus der Affäre gezogen.Unglaublich! Wer in Italien nicht dabei war, kann das gar nicht ausreichend würdigen.Vielleicht interessiert sich auch niemand für Fußball. Ich möchte zur thematischen Ehrenrettung sagen, dass es im Grunde nicht viel mit Fußball zu tun hat, was da abgelaufen ist.Warum?Weil wir eigentlich doch eher Schriftsteller und Autoren sind.Es gab ja für die deutsche Mannschaft drei Angstgegner, das war zum einen Italien, dann Ungarn und schließlich Skandinavien.Wir mussten zum Glück im ersten Spiel nur gegen einen unserer Angstgegner antreten, und zwar gegen Schweden. Ich sage Schweden und nicht Skandinavien, weil diesmal nur zwei finnische und ein norwegischer Spieler und keine Dänen dabei waren.Keine Engländer? Keine Tschechen?Keine Holländer und auch sonst keine Skandinavier.Ein beachtliches 2:3, ganz enorm! Und das nächste Spiel ging dann gegen wen?Das Spiel um den dritten Platz haben wir gegen Ungarn sehr unglücklich und knapp mit 0:3 verloren. Ungarn hat sich relativ überraschend im Halbfinale mit 0:2 Italien beugen müssen, die ja eigentlich ziemlich schlecht sind. Das weiß man ja. Der einzige richtige Erfolg der deutschen Mannschaft: Ronald Reng wurde zum besten Torhüter des Turniers gewählt.Ist bei der Auswahl der deutschen Spieler alles mit rechten Dingen zugegangen? Ich kann ja hier verraten, dass selbst ich mir Hoffnungen auf eine Nominierung gemacht habe.Das sagt doch alles.Um das hier in der Öffentlichkeit mal richtig zu stellen: Ist bei der Nominierung von dir und den anderen alles sportlich abgelaufen?Es ist schon mit rechten Dingen zugegangen. Ich habe mit unseren Führungsspielern bereits in Italien in einem Appartement gewohnt und habe ihnen morgens immer Espresso ans Bett gebracht. Deswegen finde ich schon, dass es korrekt war, dass ich auch in der Mannschaft gespielt habe.Das erfahre ich jetzt erst! Und besonders infam empfand ich übrigens eine Nachnominierung von John von Düffel, der überhaupt noch bei keinem Training aufgetaucht war.John von Düffel ist ein sehr bescheidener und sympathischer Mann, das muss man einfach mal sagen. Er konnte auch nichts für seine Nominierung. Die wurde ihm quasi aufgedrückt, weil er in Bremen wohnt, wo die Weltmeisterschaft stattfand. Deswegen hat er gespielt und vielleicht auch, weil irgendjemand ihn kannte.Und du sollst dich verletzt haben?Ja, sehr schwer, eine Muskel- zerrung.Das ist schmerzhaft. Hast Du es mit Würde tragen können?Nein, ich habe eigentlich stundenlang geschrien und geweint. Ich weiß nicht, ob man da von Würde sprechen kann.Die Fragen stellte Falko Hennig.