Zunehmend sind wieder Holzhäuser im Kommen. Seit Mitte der 90er-Jahre erlebt diese spezielle Bausparte einen sichtbaren Zuwachs in Deutschland. Die einen erklären es mit dem ökologischen Bewusstsein und dem Zurück-zur-Natur-Trend, die anderen mit gutem Wärmeschutz des Materials, die dritten mit dem gemütlichen Charme, die vierten mit Tempo und Variabilität beim Bauen. Einige Veröffentlichungen behaupten, dass inzwischen jedes fünfte in Deutschland errichtete Haus aus dem natürlichen, nachwachsenden Rohstoff gebaut wird. Andere sprechen davon, dass nur sieben Prozent der neuen Eigenheime aus Holz errichtet werden, gegenüber 90 Prozent in Amerika.Nach der Brandenburger Holzhaussiedlung in Borkwalde mit vielen skandinavischen und amerikanischen Angeboten wächst jetzt eine neue Siedlung etwas näher bei Berlin heran, in Klosterfelde am Rande der Schorfheide. Die hier bauende Firma Fine Wood hatte auch schon einige Häuser in Borkwalde aufgestellt, ist aber keineswegs, wie der Name vermuten ließe, aus den USA oder Kanada. Sie stammt aus Hessen und baut seit über 30 Jahren Holzhäuser.In Klosterfelde bei Wandlitz, einer 3000-Seelen-Gemeinde an der Bundesstraße 109, soll Nord-Brandenburgs größte Blockhaus-Siedlung entstehen, wirbt man. Das ist nicht ganz exakt, denn auf dem fast zwei Hektar großen Areal sollen unterschiedlichste Eigenheime gebaut werden, auch Holzrahmen- und Fachwerkbauten. Aber eben auch Blockbohlen- und Rundstammhäuser. Was genau, entscheidet der Bauherr. Fünf Häuser stehen bereits, eins davon als Musterhaus. Interessenten für die 29 weiteren Grundstücke werden zum Teil noch gesucht. Niederlassungsleiter Heiko Jost meint, dass die Siedlung nachher nicht so eintönig wie manche Wohnanlage aussehen wird, sondern lauter individuelle Bauten hat. Er versichert, dass man sich sowohl im Katalog ein Haus aussuchen oder eins vom Architekten maßschneidern lassen kann. Auch bei der Farbgebung seien keine Grenzen gesetzt. Zu den klassischen Brauntönen gesellen sich hier wie auch sonst immer mehr trendige helle Farben: Weiß, Blau und Sonnengelb.Sieht man in die Landschaft, bauen die meisten Leute und Firmen Holzhäuser im traditionellen Stil, mit all den unterschiedlichen Varianten, die es da gibt, und zunehmend mit größeren Fenstern. In der Mehrzahl mit Sattel- oder Walmdach, manchmal auch bei Niedrigstenergie- oder Passivhäusern mit Pultdach. Breite Dachüberstände sorgen zumeist für den Schutz vor Regen und Sonne.Sieht man in Architekturzeitschriften, so sehen die Holzbauten ganz anders aus. Statt Blockhaus- eher Blockarchitektur. Moderne Häuser sind hier oft kubische geschlossene Baukörper mit Fensterbändern. Schnörkellos, ohne Erker oder Gauben, oft auch ohne sichtbares Dach. Strenge Moderne herrscht vor. Doch wird das Material Holz für bestimmte Effekte genutzt, die Fassaden teils mit Leistenstrukturen gestaltet.Eine starke Nachfrage der Kunden nach solchen modernen Holzhäusern hat Jost noch nicht festgestellt, sonst würde man das sofort offerieren. Der Hamburger Architekt Holger Reiners meint, in Deutschland herrsche beim Einfamilienhausbau eine Tradition des schlechten Geschmacks vor. Dies liege daran, dass es über Jahre für viele Architekten "unter der Würde" gewesen sei, Eigenheime zu bauen. Weniger als drei Prozent der rund 250 000 im letzten Jahr in Deutschland entstandenen Eigenheime seien von Architekten entworfen worden. Das sagte er letzten Monat anlässlich der Preisvergabe für den internationalen Architekturwettbewerb "Bauen mit Holz", den seine Stiftung zur Förderung von Architektur und Baukunst zum zweiten Mal ausgeschrieben hatte - in Zusammenarbeit mit der Gruner+Jahr-Zeitschrift "Häuser" und dem Münchner Callwey Verlag.Die im März erschienene Ausgabe von "Häuser" veröffentlichte die Preisträger und weitere ausgewählte Bauten. 39 Ergebnisse des Architekturwettbewerbs werden auch in einer Ausstellung "Bauen mit Holz - Die schönsten Einfamilienhäuser" im G+J Pressehaus in Hamburg, Am Baumwall 11, noch bis zum 27. April gezeigt (tägl. 10-18 Uhr, Mi bis 20 Uhr geöffnet). Im Internet können die Bauten ebenfalls besichtigt werden: unter www. hauser. de/holzhaeuser.Und im Callwey Verlag ist gerade parallel zu der Schau das Buch "Bauen mit Holz - Die besten Einfamilienhäuser" erschienen (138 DM, ISBN 3-7667-1463-5). Es dokumentiert mit Fotos, Grundrissen, Erläuterungen die Ergebnisse des Wettbewerbs, zeigt neben den Häusern der fünf Haupt- bzw. Sonderpreisträger weitere 33 Beispiele aus Deutschland, Österreich, der Schweiz.Mehr als 500 Projekte waren insgesamt im Wettbewerb eingereicht worden. In dem Buch wird deutlich, welche Bandbreite moderne Holzhäuser haben können. Auch Bautraditionen werden adaptiert. Raffiniert wirken gern genutzte Holz-Lamellenvorhänge als dekorative Elemente und Sichtschutz zugleich.Ein Leser schrieb uns neulich: "Holzhäuser, nein danke" und meinte, der Bau von Holzhäusern sei unter dem Gesichtspunkt der Brandgefahr unverantwortlich. Das sehen die Versicherungen anders. Heutige Holzhäuser behandeln sie inzwischen meist nicht anders als ein Massivhaus aus Stein, da es auch nicht mehr Schadensfälle gibt.FINE WOOD Beliebter Landhausstil. Dieses Haus steht in der Blockhaus-Siedlung Klosterfelde. Moderne Details: die Farbe und die Solaranlage. CALLWEY VERLAG Dieses Haus aus dem Buch "Bauen mit Holz - Die besten Einfamilienhäuser" will die Grenzen des Holzbaus sprengen. Architekt Thomas Maurer gewann einen Preis dafür.