Seit die Osterweiterung der EU bis an das Schwarze Meer vorgedrungen ist und auch in Bukarest die Regeln der Brüsseler Bürokratie gelten, hat das Land der Vampire viel von seinem Schrecken verloren. Wenn es Blutsauger gibt, dann sind sie wohl heimatlos geworden, oder aber sie haben sich von den Späßen nicht mehr erholt, die Roman Polanski sich vor dreißig Jahren in seinem "Tanz der Vampire" erlaubt hat. Der polnische Hollywood-Regisseur hat damals ein Genre, das uns einige der denkwürdigsten Schauderbilder des Kinos beschert hat (Max Schreck in "Nosferatu"!), ein wenig durch den Kakao (oder wohl besser: durch den Slibowitz) gezogen. Er hat die Mythologie vom nächtlichen Unhold mit dem Motiv vom vertrottelten Professor zusammengebracht, und damit einen großen Erfolg gelandet. Unvergessen der Mond und die gemalte Schneekulisse, aus der sich die Aufnahme des Pferdeschlittens herauslöst, auf dem Professor Abronsius, ein bekannter Spinner von der Universität Kurnigsburg, mit seinem Gehilfen Alfred in die einsame Gegend gereist kommt, in der er seinen großen Gegner vermutet. Schon im Wirtshaus die ersten Hinweise: Überall hängt Knoblauch von der Decke. Die Wirtsleute verhalten sich seltsam, kaum sind der Professor und sein Adlat auf ihrem Zimmer, beginnt es im ganzen Haus zu rumoren. Das Geheimnis liegt hinter einer Holztür: Sharon Tate sitzt in einer Badewanne voll Schaum. Sie wird das Opfer des Grafen von Krolock, der durch das Dachfenster einsteigt und das Mädchen entführt.Vampirfilme folgen einem Schema, von dem es keine Abweichungen gibt: Erst auf dem Schloss - dort, wo der Untote wohnt und so tut, als wäre alles ganz normal - kann es zur großen Auseinandersetzung zwischen den Mächten des Lichts und der Finsternis kommen. Roman Polanski setzt dabei auf relativ subtile Komik. Sein "Tanz der Vampire" ist auch eine Hommage an die Tatsache, dass vor allem das frühe Kino sich stark vor dem Herrscher aus Transsylvanien gefürchtet hat. Zwar scheuen Polanski und sein Drehbuchautor Gérard Brach nicht vor deftigen Ideen zurück, über weite Strecken herrscht jedoch ein fast stiller Slapstick und eine musikalische Montage vor. Das resultiert auch daraus, dass der Gehilfe Alfred (den Polanski selbst spielt) wenig spricht. Er tapst und hopst mit roten Wangen hinter den vielen unheimlichen Geschehnissen her, und findet ständig erfrorene oder erstarrte Menschenwesen.Der "Tanz der Vampire" findet schließlich bei einem Ball statt, der im Schloss des Grafen von Krolock abgehalten wird. Es geht natürlich darum, das schöne Mädchen, das schon fast vergessen hat, wie es ist, wenn man gut durchblutet und verliebt ist, wieder auf die Seite des Lebens zu holen, auf der Knoblauch einen guten Ruf (wenn auch nur als Mittel der Abschreckung) hat. In den einschlägigen Foren streiten sich die Fans, ob "Tanz der Vampire" oder vielleicht doch "Frankenstein" von Mel Brooks die bessere Horrorkomödie ist. Diese Frage bedarf keiner Antwort: Fast jede Parodie bleibt hinter dem Original zurück, und jeder Vampirologe ist bei Friedrich Wilhelm Murnaus oder Werner Herzogs "Nosferatu" besser aufgehoben. "Tanz der Vampire" dagegen ist ein frivoles Späßchen, und hat Filmgeschichte vor allem wegen des Auftritts der bald darauf ermordeten Sharon Tate gemacht.Tanz der Vampire GB/USA 1967. Regie: Roman Polanski, Drehbuch: Gérard Brach und Roman Polanski, Kamera: Douglas Slocombe, Darsteller: Jack MacGowan, Roman Polanski, Alfie Bass, Sharon Tate, Ferdy Mayne u. a.; 108 Minuten, Farbe.------------------------------Foto: Ich würde Ihnen zu Implantaten raten: Graf Krolock (Ferdy Mayne) und Alfred (Roman Polanski, r.) beim Beratungsgespräch.