Hamburg - Hamburg kommt nicht zur Ruhe: Nach einer zunächst friedlichen Spontan-Demonstration ist es erneut zu Krawallen gekommen. Nach Angaben der Polizei randalierten in der Nacht zum Mittwoch rund 100 Menschen. Aus der Gruppe heraus seien nahe einem U-Bahnhof am Schanzenviertel Feuerwerkskörper auf Polizisten geworfen worden.

Verletzt worden sei niemand. Die Beamten nahmen 17 Personen in Gewahrsam. Aufgrund der seit Wochen anhaltenden Auseinandersetzungen und der Sonderrechte der Polizei im Gefahrengebiet mahnte die US-Botschaft Landsleute unterdessen zur Vorsicht.

Ein Sprecher der US-Botschaft in Berlin bestätigte einen Bericht des „Tagesspiegels“ (Mittwoch), wonach US-Bürger aufgefordert wurden, in der zum Gefahrengebiet erklärten Zone in Teilen von St. Pauli, Altona und dem Schanzenviertel achtsam zu sein, „besonders in der Nähe von großen Versammlungen, Protesten oder Demonstrationen“.

Friedliche Demonstrationen könnten in Gewalt ausarten. Außerdem dürfe die Polizei Personen ohne Ausweispapiere in dem Gefahrengebiet ohne Begründung festhalten. Ein Grund für die seit Ende Dezember andauernden Auseinandersetzungen ist das seit mehr als 20 Jahren besetzte linksalternative Kulturzentrum „Rote Flora“. Der Eigentümer hatte die Nutzer aufgefordert, das Kulturzentrum zu räumen.

Der Botschaftssprecher betonte, dass nur die Nachrichtenlage in Deutschland wiedergegeben worden sei. Die US-Vertretung wolle damit vor allem Amerikanern, die kein Deutsch sprechen, Informationen an die Hand geben - etwa, dass Touristen ihre Pässe nicht im Hotel lassen sollen, wenn sie das Gefahrengebiet aufsuchen wollen.

Auf der eigentlichen Demonstration im Stadtteil St. Pauli am Dienstagabend war es überwiegend ruhig geblieben. Rund 600 Menschen aus dem linken und bürgerlichen Spektrum hatten sich getroffen, um gegen das von der Polizei eingerichtete Gefahrengebiet zu protestieren. Dieses war am vergangenen Samstag eingerichtet worden, nachdem Polizisten bei Krawallen angegriffen und teilweise schwer verletzt worden waren.

Seither wurden laut Polizei rund 750 Menschen überprüft, wobei der eine oder andere während dieser Tage durchaus mehrfach kontrolliert worden sein kann, wie ein Polizeisprecher sagte. Fast 160 Mal wurde ein Aufenthaltsverbot ausgesprochen, gut 60 Menschen seien in Gewahrsam und vier festgenommen worden. (dpa)