Wieder wählt der "Tip" die "peinlichsten Berliner": Frank Steffel und die üblichen Verdächtigen: "Bei uns hat er die Wahl gewonnen"

Was haben ein philosophierender DJ (wahrscheinlich ist inzwischen "plattenauflegender Philosoph" längst besser), ein Party-Girl und ein Kennedy-Darsteller gemeinsam? Dr. Motte, Ariane Sommer und Frank Steffel sind peinlich. So peinlich, dass sie nacheinander Platz 1 auf einer Liste der "100 peinlichsten Berliner" belegten. Findet jedenfalls das Stadtmagazin "Tip", das diese Liste seit zwei Jahren immer nach Jahresende veröffentlicht.Frank Steffel also. Der Mann kam aus dem Nichts, wollte retten, was nicht zu retten war, war nicht klug, sondern unvorsichtig, scheiterte an der Stimmung in der Stadt und auch an sich selbst. So weit, so wenig originell. "Tip"-Chefredakteur Karl Hermann fiel die Wahl für Frank Steffel trotzdem leicht: "Es war von Anfang an klar. Bei uns hat er die Wahl gewonnen."Neben Newcomer Steffel enthält die Liste aber auch alte Bekannte. Richtig dicke ist der "Tip" offenbar mit Georg Gafron, der es als Chef von "BZ", "tv.berlin" und "100,6" auf einige Medienmacht in der Hauptstadt bringt. Platz 2 nun schon zum zweiten Mal für den gerne lauten Konservativen, dem der "Tip" zuruft: "Gafronbullah ist wie geschaffen für eine Führungsrolle im Hindukusch - und ebenso wie sein Vorbild Osama Bin Leo (gemeint ist Medienmogul Leo Kirch, die Red.) hoffentlich bald in Jalalabad". Zu den Wiederholungstätern gehören auch Fast-"Kulturweltspiegel"-Moderatorin Else Buschheuer, "Bieder-Mieder" Jeanette Biedermann oder der unvermeidliche Benjamin von Stuckrad-Barre. Der hatte es gewagt, das selbst ernannte Satiremagazin "Titanic" zu verklagen und wurde jetzt vom "Tip" mit Rang 91 (im Vorjahr 36!) abgestraft. Etwas traurig hat sich die Karriere von Ariane Sommer entwickelt. Im Vorjahr noch auf Platz 1, jetzt nur noch Rang 3, weil "lahmes Luder", wie die "Tip"-Tester lästerten. "Natürlich gehört sie immer auf so eine Liste. Aber sie spielt einfach in einer anderen Liga als zum Beispiel Verona Feldbusch", begründet Chefredakteur Karl Hermann den Abstieg. Bei Ariane Sommer wirke der zwanghafte Versuch peinlich zu sein, fast schon penetrant.Einen Sprung nach oben hat dagegen Rolf Eden gemacht. Von Rang 99 katapultierte die "Tip"-Redaktion Berlins ewigen Playboy auf die ach so lustige Nummer 69. Eden war s zufrieden. "Na bitte, wunderbar, immerhin verbessert", nuschelte er von seiner Urlaubsinsel Fuerteventura aus durch sein Handy. Jetzt wolle er aber schleunigst wieder in die Top Ten, wo er sich noch in der 2000er-Liste herumfläzen durfte. Und da der Herr über den altbackensten Tanzschuppen am Kudamm gerade so schön ins Wünschen kam, forderte er gleich ein Bundesverdienstkreuz für sich. "Ich muss nur noch jemanden finden, der mich vorschlägt." Gehört Eden quasi zum Berliner Prominenten-Inventar, so beweist sich vor allem bei gestrauchelten Politikern, wie lang so ein Jahr sein kann. Für den langjährigen CDU-Strippenzieher Klaus Landowsky etwa, der über unsaubere Spendenpraktiken stolperte. Rasch verblasst sein Bild. Vor einem Jahr war er noch einer der mächtigsten Politiker Berlins, im Frühjahr gehörte Landowsky sicher zu den bestgehassten Menschen der Stadt. Und heute: Landowsky, na und? Ähnlich häufig wie die CDU wird nur noch der SFB erwähnt. Gleich drei Moderatoren, plus Fernsehchefin Barbara Groth gehören zu den "peinlichsten Berlinern". Chefredakteur Hermann: "Der SFB hat sich ein besonderes Maß an Altbackenheit und Provinzialität bewahrt, und die Abendschau ist ein Hort alldessen."Dazu gehört nach Meinung der Juroren auch Günter Pfitzmann. Der Dr.Brockmann/Drei-Damen-vom-Grill-Akteur und Berufsberliner landete auf Rang 81 und soll dauerhaft in der Liste bleiben - als Phänomen nämlich. "Der Pfitzmann kann eigentlich gar nichts dafür. Seine Nominierung sagt etwas über ein peinliches Kulturverhalten der Stadt aus", sagt Hermann.Ein Ende der alljährlichen Liste ist nicht abzusehen. "Wir machen sie, so lange wir noch 100 Leute zu Stande kriegen", sagt Karl Hermann. Oder, wie schließt der Text zum ehemaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen, der bis auf Platz 100 durchgereicht worden war (im Vorjahr noch Rang 18): "Die Heimsuchung geht weiter."BERLINER ZEITUNG/CHRISTIAN SCHULZ Die "Tip"-Redaktion fand Shawne Fielding Borer einfach "natural born peinlich" und setzte sie auf Platz 32.BLZ/CHRISTIAN SCHULZ Rang 69 aller Peinlichen für Dauer-Playboy Rolf Eden. OTTMAR WINTER Alex Alves, für den "Tip" ein "laufendes Elend": Platz 17. DANIEL SAMANNS Else Buschheuer wurde auf Platz 8 eingestuft.