Der Frauentyp, der Marta Hegemanns Bilder bestimmt, ist meist der gleiche: selbstbewußt, aber auch figurinenhaft, unangreifbar, durch den kahlen Schädel vermännlicht. Irgendwie wirken die Gestalten wie an den Pranger gestellt mal als versehrter Akt mit Schwan, dessen Kopf aus einer blutenden Hand besteht, mal sitzend, in erotisch-lasziver Haltung, mit einer vogelfangenden Katze. Gebäudefragmente, ein Steinkreuz, Mauern, fliegende Vögel vervollständigen die rätselhaft-symbolische Szenerie in kühlem Braun und Blau.Die Malerin dieser Bilder war Marta Hegemann, eine Künstlerin, die erst jüngst wiederentdeckt wurde. Das Verborgene Museum Berlin, das sich der Kunst von Frauen verschrieben hat, zeigt ihre Arbeiten erstmals in dieser Stadt. Die 1894 in Düsseldorf geborene Hegemann hatte den Beruf der Zeichenlehrerin zugunsten einer freien Künstlerinnenexistenz aufgegeben. Zusammen mit ihrem Mann, dem Maler Anton Räderscheidt, gehörte sie zur Boheme um die Kölner Dadaisten und Progressiven. Mit Heinrich Hoerle und Franz Seiwert bildeten beide kurzfristig die Gruppe "stupid" eine wichtige Zeit für Marta Hegemann: "Das Suchen war das ungeheuer Belebende", erinnerte sie sich. Die Nazidiktatur kam wie ein böser Einbruch: Ihr Mann verließ sie, viele Bilder gingen im Krieg verloren. Erst in den sechziger Jahren nahm sie die künstlerische Arbeit wieder auf. 1970 starb Marta Hegemann in Köln.Die meisten der ausgestellten Bilder, zum großen Teil Aquarelle, stammen aus den zwanziger Jahren und kommen aus dem Kölner Museum Ludwig. Zwei Farbholzschnitte mit Tänzerinnen von 1918 erinnern an die expressionistische Frühzeit. Dann aber zeigt sich die für Marta Hegemann typische neusachlich-magische Bildwelt, beeinflußt von De Chirico, Ernst und Klee. Poetisch verschlüsselt wird hier die Rolle der Frau reflektiert. "Ich male keine Männer, weil sie nicht faßbar sind", so die Malerin.Marta Hegemann verwandte ein immer wieder neu variiertes Motivrepertoire: "Ich entdeckte den Schirm, die Lampe, das Buch, die Kirche, die Taube, Pferd, Schiff, Tänzerin, Brief, Hände, Münder, und alles das in mildem Licht." Die Dinge muten an, als schwebten sie in einem imaginären Raum. Die Frauengestalten sind wie eingezwängt in kirchliche und patriarchalische Verhältnisse, zugleich wirken sie gebildet, tätig, modebewußt, vital. Marta Hegemanns Bilder richten nicht. Sie verknüpfen und machen transparent; Anmut und Skepsis halten sich die Waage.Das Verborgene Museum, Schlüterstr. 70, bis 8. 11., Do Fr 15 17 Uhr, Sa So 12 16 Uhr.