Oft haben sich namhafte Autoren in Hotels zurückgezogen, um dort ihre Bücher zu schreiben. Simmel war so einer und auch Hemingway soll ein berühmter Hotelgast gewesen sein. Weinkritiker Stuart Pigott kann sich also in guter Gesellschaft wissen. Er tippt fleißig im Hotel Bogota an seinem nächsten Werk. Doch sein Hotelaufenthalt ist nicht freiwillig.----Trotzig feierte Pigott am Montag in dem Hotel an der Schlüterstraße eine Housewarming-Party. Leider ohne Haus. Eigentlich hatten Pigott und seine Frau Ursula Heinzelmann im Januar ihre Wohnung im "Neuen Hackeschen Markt" beziehen wollen und dafür schon die alte Wohnung gekündigt. Das Erbe der Großeltern hatten sie investiert. Ein Engländer wohnt nicht gern zur Miete, er kauft lieber. "Es war aufregend ich kam mir vor wie mein eigener Vater", sagt Pigott. Und erst die Architektur wenigstens auf den Plänen! Denn beim Kauf der Wohnung war außer einem Parkplatz und ein paar Bäumen vom "Neuen Hackeschen Markt" noch nichts zu sehen. Doch als das Paar im Dezember die Wohnung abnehmen wollte, sahen sie plötzlich vor ihrem Küchenfenster einen Aluminium-Kegel. Offenbar der Abzug einer Tiefgarage, sagt Pigott. Er fürchtet nun um seine Geschmacksnerven und weigert sich einzuziehen. Als Weinexperte muß er genau herausschmecken können, ob den Trauben auf dem Weg ins Weinfaß Fürchterliches widerfahren ist. Außerdem, sagt er, sollen Abgase sehr ungesund sein.Nichts ist mit Abgasen, sagt die Baufirma Bassmann und Partner. Der Kegel stehe erstens auf dem Nachbarhaus, zweitens auf einem Supermarkt und Rauch käme nur raus, wenn es brennt. Pigott ist nicht überzeugt. Seine Idee, ihm einfach eine andere Wohnung zu geben, wurde abgelehnt, sagt er und zeigt ein rüde formuliertes Anwaltsschreiben vor. Alles verkauft, steht darin. "Aber einem Freund wurden gerade Wohnungen aus dem Haus angeboten", sagt Pigott.Eine Erdgeschoß-Wohnung sei tatsächlich noch frei, heißt es bei Bassmann und Partner, aber man traue sich nicht, sie dem Weinkritiker anzubieten. Solange jetzt die Anwälte reden, wohnt das Ehepaar im Hotel. Für Pigott ist es eine Rückkehr an seine literarischen Wurzeln. Schon sein erstes Weinbuch ist im Hotel Bogota entstanden damals 1993, als er ohne Geld in Berlin ankam.Mittlerweile hat er Geld, aber keine Wohnung. "Ich muß wohl immer in ein Hotel ziehen, um besonders kreativ zu sein", sagt der Kritiker und vertieft sich in sein neues Werk über die europäischen Weine. "Stadtgeflüster"-Autor Andreas Kurtz ist im Urlaub.Stadtgeflüster Telefon 23 27 53 96 Telefax 23 27 51 14