Mit seiner ersten Personalentscheidung hat der künftige Bundespräsident Roman Herzog aufhorchen lassen. Richard von Weizsäcker und zuvor Walter Scheel hatten die Spitzenposten im Präsidialamt mit Diplomaten besetzt. Das neue Staatsoberhaupt hat sich mit Wilhelm Staudacher, dem Schweriner Bevollmächtigten beim Bund, für einen Fachmann der Innenpolitik entschieden. Damit entspreche der Christdemokrat Herzog den Wünschen von Kohl, wurde alsbald von Kritikern des Weizsäcker-Nachfolgers verbreitet. "Unsinn", kam es aus dessen Umgebung zurück. "Wer Herzog kennt, weiß, daß er seine Entscheidungen selbst trifft."Unbestreitbar ist jedoch, daß der frühere CDU-Bundesgeschäftsführer Staudacher dem Kanzler besser gefällt als etwa der Bundesverfassungsgerichts-Direktor Karl-Georg Zierlcm, den Herzog als langjährigen Vertrauten ursprünglich mit nach Berlin und Bonn nehmen wollte. Und richtig ist auch, daß Herzog zwei Spitzenbeamte abgelehnt hat, die das Auswärtige Amt vorgeschlagen hatte.Der gewählte Präsident und sein neuer Staatssekretär kennen sich seit Ende der 70er Jahre. Damals war Herzog Kultusminister In Baden-Wurttemberg und Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der Union. Der 49jährige Jurist Staudacher arbeitete für ihn als Geschäftsführer. Der Kontakt blieb, als Herzog nach Karlsruhe wechselte und Staudacher im Konrad-Adenauer-Haus Karriere machte. Staudacher, der als Arutschef an Sitzungen des Bundeskabinetts teilnimmt, bietet als Bonn-Profi die Gewähr, daß es zwischen Präsidialund Kanzleramt nicht knirscht. Und sollte Scharping Kanzler werden, hätte er einen ehemaligen CDU-Parteifunktionär mit am Kabinettstisch.Mit Weizsäckers Staatssekretär Andreas Meyer-Landrut verläßt auch dessen Stellvertreter Meinhard Ade das Präsidialamt. Er wurde nicht wie Staudacher zu den Getreuen des Parteivorsitzenden, sondern zur Gruppe um den damaligen Generalsekretär Heiner Geißler gerechnet. Mit SOjahren geht Ade in den einstweiligen Ruhestand.