Für Schokoladenersatzfreunde gibt es neue gute Nachrichten. Nachdem die "Knusperflocken", Schokoladenhütchen mit Krümeln von Knäckebrot, und "Bambina", eine Schokolade mit Nussfüllung, bei "Zetti" in Zeitz auferstanden sind, gibt es demnächst auch die "Schlagersüßtafel" wieder. Die Meinungen über dieses Produkt, wie man es aus DDR-Zeiten in Erinnerung hat, gehen auseinander: Schokoersatzfeinde behaupten, es wäre in der DDR mehr Fensterkitt als Glas und Rahmen produziert worden, und man hätte die überflüssige Masse in die Schokoladenfabrik umgelenkt. Was war in der Süßtafel tatsächlich drin? Im Jahr 1974 bestimmte eine neue Schokoladen-Vorschrift, dass der Kakaomindestgehalt in Vollmilchschokolade von 25 auf sieben Prozent zu senken sei, denn Rohstoffe waren knapp. Dafür wurde der Fettanteil erhöht, statt teurer Mandeln wurden Haselnüsse mit gemahlenen Erbsen zu einer Masse verarbeitet. Wenn schon in Vollmilchschokolade nur noch Kakaospuren enthalten waren, kam die Süßtafel ganz ohne solch eitle Zutat aus.Das also kehrt nun auf den Markt zurück, und es steht außer Zweifel, dass sich entzückte Abnehmer dafür finden. Ostprodukte sind gefragt, vor allem jene, deren Namen in süßer Verklärung die Erinnerung an die gute alte Zeit befördern. "Meine Mutter liebt Otterwischer Stangenkäse. Seit zwölf Jahren wohnen wir in Westdeutschland. Der Käse ist hier nicht erhältlich. Wer kann helfen?" Dies ist ein typischer Hilferuf auf der Seite einer Firma, die via Internet Waren täglichen Bedarfs der DDR vertreibt. (www.ossiversand.de). Gesucht werden da "schmackhafte Suppen aus der DDR wie die Hühnerbrühpaste". Einen Mann verlangt es nach Rügener Fischpaste: "Das letzte Mal habe ich so eine Büchse vor einem Jahr im Meereskundemuseum in Stralsund gesehen, aber die war leer und ein Ausstellungsstück." Möglicherweise wäre sie auch gefüllt nicht mehr so richtig pikant gewesen. Ein Witzbold sucht die "original ostdeutsche Sättigungsbeilage", sicherlich wissend, worum es sich handelt: "Speisekomponenten kalter oder warmer Gerichte, die auf Grund ihres hohen Gehaltes an Kohlenhydraten eine sättigende Wirkung entfalten", also Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Brot. Andere lechzen nach alten Wasch- und Schmiermitteln. Verlangt wird der "Peligran Seifenschwamm bzw. Duschhandschuh vom VEB Vereinigte Netz- und Seilwerke Heidenau, Werk Hildburghausen", und auch das "Seifensäckchen" ist gefragt, in welchem man Seifenreste sammeln und sich damit unter der Dusche massieren kann.Warum bloß wollen die Ostdeutschen ihre alten Waren täglichen Bedarfs wiederhaben? Ist es verletzter Stolz? Das vermisste Wir-Gefühl? Oder schlicht Vergesslichkeit? Vielleicht ist es auch nur ein nostalgischer Ausgleich dafür, dass man sich so ganz einem neuen Alltag unterordnen muss, in dem die Erinnerungen an Kindheitsprodukte lange Zeit fast auf der Strecke blieben. Die Westmutti konnte ihren Kindern immer jene Schokolade ins Mäulchen stopfen, die sie selbst dereinst bekommen hatte, während Ostmuttis bisher nur sagen konnten: Das ist die Schokolade, die wir früher im "Intershop" angucken durften. Die Schlagersüßtafel ist ein weiterer Schritt, eine fast vergessene Naschtradition lebendig zu halten, auch wenn die Süßtafel jetzt doch Kakao enthält und nicht so recht nach DDR schmecken wird. Am Donnerstag ist das Band angelaufen, ab Montag warten wir auf den Verkaufsschlager.Böse Zungen sagten, dass für die Süßtafel überschüssiger Fensterkitt in die Schokoladenfabriken umgeleitet wurde.