Als "Wirkung ohne Ursache" hat Richard Wagner bekanntlich den Effekt definiert. Und als ein wahrer Hort des Effekts präsentieren sich schon seit etlichen Jahren die Bayreuther Festspiele, deren vitalstes theatralisches Ereignis das nun schon seit fast einem Jahrzehnt sich hinschleppende Drama "Wer wird nächster Festspielleiter?" darstellt.Einen schönen Effekt hat der Focus in seiner aktuellen Ausgabe erzielt. "In die Offensive" sei Katharina Wagner im Nachfolgestreit um die Leitung der Bayreuther Festspiele gegangen, so hat es das Münchner Magazin berichtet - und die Nachrichtenagenturen haben es verbreitet. Katharina Wagner habe eine "BF Medien GmbH" gegründet und schließe nun mit den Festspielen, die ihr Vater Wolfgang Wagner (88) leitet, Verträge über die Videoverwertung künftiger Inszenierungen. Dadurch müsse sich die neue Festspielleitung, um die auch Katharinas Halbschwester Eva Wagner-Pasquier und ihre Cousine Nike Wagner konkurrieren, mit der 29-Jährigen auf Jahre hinaus arrangieren. Der Stiftungsrat der Festspiele solle von dieser "Offensive" überrascht worden sein und auf der Sitzung "kommende Woche" wollten "führende Ratsmitglieder" da mal "genau nachfragen, welche Verträge für welche Zeit bestehen". Soweit der Focus.Und nun die Fakten. Die Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth ist wie jede Stiftung öffentlichen Rechts gemeinnützig. Da sich die Bayreuther Festspiele wieder stärker der Medienverwertung ihrer Produktionen (inklusive Public Viewing) zuwenden wollen, musste dafür eine (kommerzielle) GmbH gegründet werden. Genauso funktioniert es beispielsweise auch bei den Berliner Philharmonikern. Bislang wurden solche Medienverwertungen von Leo Kirchs Firma Unitel besorgt; nach dem Zerfall des Kirch-Imperiums hat man sich in Bayreuth für die Eigengründung entschieden.Die BF Medien GmbH ist den Festspielen in jeder Weise nachgeordnet: Sie kann weder künstlerischen Einfluss auf die Produktionen nehmen noch bestimmen, welche davon wie verwertet werden. Als "Offensive" kann man die Bestellung von Katharina Wagner zur Geschäftsführerin also kaum bezeichnen, und der Stiftungsrat wird seine nächste Sitzung Ende April deswegen auch kaum auf nächste Woche vorverlegen, wie Focus behauptete. Freilich: Wo Menschen zusammenarbeiten, sind Konflikte vorprogrammiert, und dass auch eine in jeder Weise nachgeordnete Institution genug kleinere und größere Knüppel entdecken wird, die sich einer etwaigen Festspielleitung in den Weg werfen lassen, das steht fest. Ein Gschmäckle hat die Sache also schon.