Ein Auto nur zu nutzen statt zu besitzen, das ist in Großstädten dank Carsharing-Anbietern wie DriveNow und Car2go längst gelebter Alltag. Dennoch bedeutet deren Angebot nicht, dass es weniger Autos gibt. Charmant ist da die Idee des privaten Carsharings. Dabei wird das eigene Auto zur Verfügung gestellt, wenn man es selbst nicht benötigt. Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Kantar Emnid zufolge wäre jeder dritte Deutsche bereit, sein Privatauto an eine fremde Person zu vermieten. Bezieht man das auf den Autobestand im Land, so stünden bundesweit rund 15 Millionen Pkw zur allgemeinen Nutzung zur Verfügung. Theoretisch.

In der Praxis gestaltet sich das indes etwas schwieriger, aber es gibt bereits eine ganze Reihe von Anbietern, die Privat-Pkw zur Nutzung vermitteln. Sie heißen Drivy, Getaway oder Snappcar. Jüngster Anbieter in Berlin ist das US-amerikanische Unternehmen Turo. Erst zu Jahresbeginn war es hier angetreten. „Wir revolutionieren den Autobesitz“, sagte Deutschlandchef Marcus Riecke seinerzeit. Die Autobesitzer seien bereit dafür.

Über 100 Pkw im Angebot

Sechs Monate später gibt sich Riecke zufrieden. Turo hat nach eigenen Angaben bundesweit mehr als 1000 Fahrzeuge im Angebot. Knapp 13 Prozent dieser Autos seien in Berlin angemeldet, sagt er. „Damit ist Berlin die Hauptstadt des privaten Carsharings.“

Laut Turo werden in Berlin derzeit 112 Fahrzeuge über das Internet-Portal angeboten, wobei das Gros der Autos von Privatpersonen stammt. 20 Autos werden von gewerblichen Anbietern zur Verfügung gestellt – etwa von einem Autohaus, das zugelassene Wagen auf diesem Weg aktiv vermarktet. Volkswagen ist die am häufigsten registrierte Marke. Es folgen Mercedes und Audi. Diese drei Marken machen mehr als die Hälfte des Berliner Angebots aus. Bei den Buchungen beansprucht indes Mercedes den ersten Rang vor VW und Audi.

So läuft die Vermietung ab

Laut Turo-Chef Riecke verdienen die Berliner Vermieter mit ihren privaten Autos im Schnitt 250 Euro pro Buchung und einer durchschnittlichen Mietdauer von drei Tagen. Wie andere Märkte zeigten, könne die private Vermietung eines Fahrzeugs über Turo die laufenden Kosten kompensieren beziehungsweise erheblich senken. Durchschnittlich genügten auf Turo neun Tage Vermietung pro Monat, um die Finanzierungskosten des Kaufs eines Neuwagens wieder einzuspielen, heißt es bei dem Unternehmen. Indirekt wird somit auch darauf gesetzt, dass sich der erfolgreiche Vermieter auf diesem Wege künftig das etwas teurere Auto leistet. Ist dies ein Mercedes, so hat sich das Investment für Daimler gelohnt. Der Konzern hatte sich im vergangenen Herbst mit 35 Millionen Euro an Turo beteiligt.

In der Praxis finden Mieter und Vermieter über das jeweilige Internet-Portal zueinander. Dann wird ein Übergabepunkt vereinbart. Über das Berliner Start-up Getaway lässt sich ein entsprechend präpariertes Auto sogar allein per Smartphone freischalten und nutzen. Das ist auch für Turo der nächste Schritt.