Vor mehr als 13 Jahren wurde der erste Spatenstich gefeiert. Nun gilt der BER zumindest von Seiten der Baubehörden als fertig.
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BerlinDer Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg (BER) steht von Seiten der Bauverwaltung nichts mehr im Wege. Das teilte der Landkreis Dahme-Spreewald am Dienstag mit. Nachdem die Bauarbeiten beendet worden sind, habe die untere Bauaufsichtsbehörde die Fertigstellung des Terminals 1 jetzt bestätigt, hieß es.

Wenige Tage zuvor hatte die Flughafengesellschaft FBB wie berichtet die letzte Baufertigstellungsanzeige eingereicht. Sie betraf die Sicherheitsstromversorgung und die Sicherheitsbeleuchtung - ein heikler Bereich, weil viele Kabeltrassen falsch bestückt worden waren.

Nach monatelanger Prüfung der eingereichten Unterlagen gebe es für eine Inbetriebnahme des künftigen Hauptstadt-Flughafens baubehördlich kein Hindernis mehr, betonte der Landkreis. Das  Gebäude, dessen Bau 2006 begann, ist nach zahlreichen Verzögerungen und Baupannen nun für die Nutzung freigegeben, hieß es. Die FBB kann nun die Vorbereitung der Betriebsablaufstests fortsetzen, die parallel zu einigen noch laufenden Restbauarbeiten durchgeführt werden. Der Probebetrieb soll an diesem Donnerstag beginnen. Die Aufnahme des Flugbetriebs auf dem neuen Schönefelder Flughafen ist weiter für den 31. Oktober 2020 geplant.

Die Nutzungsfreigabe ist ein Meilenstein für die Eröffnung des BER, sagte die Baubeigeordnete des Landkreises, Heike Zettwitz (CDU), am Dienstag. „Es freut mich sehr, dass die Großbaustelle Fluggastterminal nach den jahrelangen Bauarbeiten endlich zu einem Abschluss gebracht wird und die bautechnischen Nachweise für eine betriebssichere Nutzung vorliegen“, sagte sie.  

„Die harte Arbeit der letzten drei Jahre war am Ende erfolgreich“, freute sich Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, der seit 2017 amtiert. „Ich möchte allen danken, die den BER nicht aufgegeben haben und mit hohem persönlichen Engagement und großem Beharrungsvermögen das Fluggastterminal Stück für Stück zu einem sicheren Gebäude gemacht haben", so der Geschäftsführer. "Die Eröffnung des BER kann in diesen Zeiten ein Signal dafür werden, dass es in der Hauptstadtregion wieder aufwärts geht und die Wirtschaft wieder auf die Füße kommt.“ Der Flugverkehr werde allerdings lange unter dem Niveau der Vor-Corona-Zeit liegen.

"Der BER ist fertig. Die BER-Baustellenwitze werden jetzt langweilig.
Alle können sich jetzt daran gewöhnen, vom BER statt von einer ewigen Baustelle von einem zukünftigen Flughafen zu sprechen", so Lütke Daldrup.

Doch auch jetzt sind noch nicht alle Hürden genommen. Für die Eröffnung des BER sind noch luftfahrtrechtliche Genehmigungen erforderlich, hieß es in der Kreisverwaltung. "Dies liegt aber nicht in der Zuständigkeit der unteren Bauordnungsbehörde, sondern bei der Gemeinsamen Oberen Luftfahrbehörde Berlin-Brandenburg."

Der Grünen-Politiker Andreas Otto, lange Zeit in der Flughafenpolitik aktiv, blickte zurück. 2012 wurde die für den Juni des Jahres geplante Eröffnung wenige Wochen vorher abgesagt - was die Probleme des Milliardenprojektes offenlegte. "Wer hätte 2012 gedacht, dass es solange dauert, und 2013, dass es überhaupt jemals etwas wird", sagte der Abgeordnete. "Ich danke ausdrücklich Engelbert Lütke Daldrup, dem ersten Geschäftsführer in einer ewig langen Reihe, der die Probleme konzentriert abgearbeitet und offenbar erfolgreich gelöst hat. Durch die Nominierung des Aufsichtsmitgliedes Norbert Preuss Anfang 2017 konnte unsere bündnisgrüne Fraktion dazu beitragen, dass dieses Gremium qualifizierten Bausachverstand bekam", so Otto. 

"Wenn der Flughafen im Herbst eröffnet, gibt es zwei neue Großaufgaben: Die Nachnutzung von Tegel und die kritische Revision des Masterplanes BER. Angesichts der Klimaveränderungen muss der Flugverkehr ersetzt werden - und nicht ausgebaut", mahnte Otto.

Der Flughafenexperte Dieter Faulenbach da Costa, jahrelang einer der schärfsten Kritiker des Projekts und dessen Akteure, will im Herbst zur Eröffnung nach Schönefeld reisen. Er wolle dem Flughafenchef gratulieren, heißt es in einer jüngst veröffentlichten Pressemitteilung. „'Das Glück des Tüchtigen' als Metapher ist in Zeiten der Pandemie nicht angebracht, beschreibt aber zutreffend den Erfolg von Engelbert Lütke Daldrup", so Faulenbach da Costa.

"Er hat nicht nur die Achillesferse des 'Monsters' – das bestand ja nicht nur aus der unfertigen Entrauchung - gefunden, er hat das 'Monster' dann auch konsequent besiegt", lobte der Planer. "Nun kommt ihm bei der Betriebsaufnahme die Pandemie zugute. Die Zahl der Passagiere ist so weit reduziert, dass er an seinem Geburtstag und dem Tag der Inbetriebnahme jeden Passagier per Handschlag begrüßen kann. Auf absehbare Zeit ist die Deckung der Verkehrsnachfrage am BER kein Problem mehr. Das Terminal 1 reicht für die nächsten Jahre problemlos aus."