Wohnungsnot: Berliner Wohnhäuser müssen mit 17 Stöcken endlich höher werden

Was tun gegen den Wohnungsmangel? Auf einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) wurde eine Lösung genannt: Berlin muss in die Höhe bauen.

Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Berlin (IBB) Hinrich Holm, Geschäftsführer der Hilfswerk-Siedlung Jörn von der Lieth und Hauptgeschäftsführerin des BBU Maren Kern auf einer Veranstaltung des VBKI zur Wohnungsnot in Berlin am Montagabend
Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Berlin (IBB) Hinrich Holm, Geschäftsführer der Hilfswerk-Siedlung Jörn von der Lieth und Hauptgeschäftsführerin des BBU Maren Kern auf einer Veranstaltung des VBKI zur Wohnungsnot in Berlin am MontagabendMarkus Stegner/Businessfotografie Inga Haar

Berlin muss bauen, bauen, bauen, heißt es aus allen Ecken. Doch wenn es zur Planung kommt, stellt sich heraus, dass die Baukosten wegen der Inflation zu hoch sind, die Fachkräfte fehlen und nun auch die Zinsen zu dramatisch gestiegen sind, geschweige denn von den Hürden der Bürokratie. Und die Mieten steigen und steigen.

Die politischen Entscheidungsträger haben zu der miesen Lage selbst beigetragen: In den letzten Dekaden wurden mehr als 220.000 landeseigene Wohnungen durch massive Privatisierungen an private Akteure verkauft. Diese Wohnungen jetzt zurekommunalisieren, also verstaatlichen, könne sich Berlin nicht leisten, bemängelte der Vorstandsvorsitzende der Investitionsbank Berlin (IBB), Hinrich Holm, auf einer Veranstaltung zu der Wohnungsnot und dem Wohnungsbau des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) am Montagabend. Denn Berlin ist mit derzeit 66 Milliarden Euro verschuldet: so stark wie lange nicht mehr. Deswegen sei es fraglich, ob das Geld für die Stadt Berlin auf dem Kapitalmarkt da sei, so Holm.

„Wir sind nur nicht Deutschland hier in Berlin, wir sind Berlin“

Die ausreichende Finanzierung der Wohnungen durch das Land Berlin sieht der IBB-Chef skeptisch. „Man kann natürlich immer sagen, dass der Staat immer Geld kriegt. Stimmt, Deutschland würde auch so lange Geld kriegen. Wir sind nur nicht Deutschland hier in Berlin, wir sind Berlin. Im Europa-Vergleich sind wir noch nicht Griechenland, aber Italien sind wir wahrscheinlich schon“, sagt der diplomierte Mathematiker. Er glaubt deswegen nicht, dass Berlin in absehbarer Zeit genug Geld für die Vergesellschaftung, aber für den Neubau kriegen wird. Es sei denn, der Bund wird Berlin dabei helfen.

BBU: Mehrgeschossigkeit als Lösung

Doch was tun mit dem Fachkräftemangel? Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), der als Dachverband landeseigener, kommunaler, genossenschaftlicher, privater und kirchlicher Wohnungsunternehmen der beiden Bundesländer agiert, wünschte sich an der Stelle „eine neue deutsche Geschwindigkeit“, wie sie beim Bau der LNG-Terminals innerhalb nur weniger Monate demonstriert worden sei. Das Einwanderungsverfahren für benötigte Fachkräfte müsste auf Bundesebene beschleunigt und digitalisiert werden, sagte die Hauptgeschäftsführerin des BBU, Maren Kern. Aber man müsste auch für den Nachwuchs bei der Berliner Verwaltung sorgen, denn „wenn innerhalb von drei bis fünf Jahren viele Mitarbeiter in die Rente gehen, werden die anderen nicht die Probleme auffangen, die wir haben.“

Grundsätzlich setzt sich der BBU länger für Mehrgeschossigkeit sowohl beim Bestand als auch beim Neubau als eine der Lösungen für den Wohnungsmangel ein. Denn je mehr Stockwerke ein Wohnhaus hat, desto mehr Wohnungen kann man gleichzeitig bauen. Auf die Frage der Berliner Zeitung, ob Berliner Wohnhäuser nicht endlich mal 13, 17 und mehr Stockwerke bekommen sollten, antwortete Kern mit einem eindeutigen „Ja“, vom IBB-Chef kopfnickend unterstützt. „Hochhausbau ist gut. Damit nutze ich die Wohnfläche in dieser Stadt besser, wenngleich die Gestaltungsrichtlinien der Stadt ihre Beschränkungen haben und die Auflagen teurer machen“, so die BBU-Chefin.