Galeria Kaufhof.
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EssenDer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof will 62 seiner 172 Filialen schließen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen. 

Die Zahl der Filialschließungen fällt damit zumindest etwas geringer aus als zunächst befürchtet. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar signalisiert, dass im Zuge der Sanierung des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bis zu 80 Filialen geschlossen werden könnten. Doch konnte durch Zugeständnisse von Vermietern und Beschäftigten offenbar noch Schlimmeres verhütet werden.

Doch das ist wohl nur ein kleiner Trost. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ dürften rund 6000 der 28.000 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Auch in vielen der von den Schließungen betroffenen Kommunen dürfte Alarmstimmung herrschen

Die für Handel zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretärin Erika Ritter sagte der Berliner Zeitung am Morgen vor der Verkündung der konkreten Schließungspläne, es werde ein „tiefer Schlag in die Magengrube“ der rund 2400 Karstadt-Kaufhof-Mitarbeiter in Berlin und Brandenburg.

Keine Personalkürzung in den verbleibenden Häusern 

Für die jeweilige Umgebung der 13 Häuser in Berlin und des jeweils einen in Potsdam, Wildau und Cottbus wäre die Schließung eine Katastrophe, der Einzelhandel dort habe von den Warenhäusern bislang gut profitiert.

Im Rahmen von Tarifverhandlungen sei es jedoch gelungen, über die Schließungen hinausgehende weitere Härten zu vermeiden. So soll es die ursprüngliche Personalkürzung von zehn Prozent in den verbleibenden Häusern nicht geben. Die Warenservice-Teams, die die Produkte in den Filialen einräumen und präsentieren, werden nicht ausgegliedert.

Angesichts der Deckelung von Abfindungen auf 2,5 Bruttogehälter sei es gelungen, eine Beschäftigungs- und Fortbildungsgesellschaft zu erstreiten. Schließlich werde auch der sogenannte Integrationstarifvertrag, der die Eingliederung der Kaufhof-Mitarbeiter in den Karstadt-Konzern regelte, nicht verlängert, was weitere Härten verhindere.

Hinsichtlich der Zukunft der verbleibenden Häuser verwies Ritter auf die laufende Einbeziehung der Mitarbeiter in die Zukunftsplanung, was Arbeitsbedingungen, Warenbeschaffung, bedarfsgerechte Lieferung und Qualität angehe. „Sparen ist kein Konzept“, erklärte die Gewerkschaftssekretärin. Man brauche moderne Warenhäuser. „Der Duft der 70er- und 80er-Jahre wird sie nicht nach vorne bringen.“ 

Konzern seit langem angeschlagen

Bereits Mitte Mai war bekannt geworden, dass Galeria Karstadt Kaufhof Filialschließungen und Stellenabbau plant. In einem Brief an die Mitarbeiter hatte die Unternehmensführung geschrieben, der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz hätten klargemacht, dass es angesichts der Corona-Krise „leider auch zu Standortschließungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen muss“.

Tatsächlich gilt der Warenhaus-Konzern seit langem als angeschlagen. Hatte ihm zunächst vor allem der stetig wachsende Online-Handel das Leben schwergemacht, so wirkt nun die Corona-Krise wie ein Brandbeschleuniger. Nachdem die Häuser krisenbedingt Mitte März schließen mussten, dauerte es keine zwei Wochen, bis das Unternehmen ein Schutzschirmverfahren beantragte.

Mit dieser Sonderform eines Insolvenzverfahrens ist Galeria Karstadt Kaufhof seit 1. April vor den Forderungen der Gläubiger geschützt. Zugleich darf die Unternehmensführung weiterhin selbst die Geschäfte lenken, dies allerdings nicht ohne Kontrolle. Der Düsseldorfer Insolvenzanwalt Frank Kebekus, der vor drei Jahren bekanntermaßen erfolglos angetreten war, die Fluggesellschaft Air Berlin zu sanieren, überwacht nun die Entscheidungen der Karstadt-Kaufhof-Chefs in der Essener Firmenzentrale.