3,8 Milliarden Euro Belastung: So schlecht steht es um den Energiekonzern Eon

Berlin - Das ist die Stunde der Wahrheit für Deutschlands größten Energiekonzern Eon. Das Unternehmen muss im ersten Halbjahr immense Verluste verbuchen. Miese in Höhe von drei Milliarden Euro stehen zu Buche. Es wird schwer für die hiesigen Energieriesen, mit einem verspäteten Komplettumbau doch noch die Kurve zu kriegen.

 

Wie kommen die Verluste von Eon zustande?

Die Tochter Uniper, die Kohle- und Gaskraftwerke betreibt, hat Eon die Bilanz verhagelt. Die Vermögenswerte der Anlagen müssen weiter massiv nach unten korrigiert werden. Außerdem legt sich das Unternehmen Geld für weitere drohende Verluste zur Seite. Daraus resultiert eine Belastung von 3,8 Milliarden Euro. Und weitere Abschreibungen drohen.

 

Woher kommen die massiven Einbußen?

Die Ursache liegt in der Energiewende, die die Eon-Manager ebenso wie ihre Kollegen in anderen großen Energieunternehmen massiv unterschätzt haben. Es wird immer mehr Ökostrom erzeugt. Dadurch erhöht sich das Angebot an elektrischer Energie, da Eon und Co. zugleich ihre Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke weitgehend weiterbetreiben. Das Resultat: Vor fünf Jahren kostete eine Kilowattstunde im Großhandel an der Börse noch  mehr als sechs Cent. Inzwischen sind es zwischen 2,5 und drei Cent. Das drückt den Vermögenswert der konventionellen Kraftwerke. Das wird sich in Zukunft fortsetzen, da bei den Erneuerbaren weiter ausgebaut wird.

Was wird dann aus der Kraftwerkssparte Uniper?

Analysten sind sich sicher, dass weitere massive Abschreibungen anstehen, die in der Vergangenheit verschleppt wurden. Wie hoch sie sind, wird sich im September zeigen. Dann soll Uniper an die Börse. Die Aktionäre erhalten für zehn Eon-Anteile ein Uniper-Papier. Sie können dann entscheiden, ob sie die neuen Aktien halten oder verkaufen. Es wird sich also ein Marktwert für Uniper bilden. Das neue Unternehmen steht von Anfang an massiv unter Druck. Das Management plant tiefe Einschnitte bei der Belegschaft mit jetzt noch 14000 Frauen und Männern. Beteiligungen und Firmenteile im Wert von zwei Milliarden Euro sollen verkauft werden. Offen ist, wie viel Geld Uniper damit noch einnehmen kann.

 

Wie wird sich das Geschäft von Uniper auf Eon auswirken?

Eon will nach dem Börsengang noch einen Anteil von 47 Prozent halten. Das heißt, die Tochter wird das Ergebnis von Eon massiv beeinflussen. Eon selbst will sich auf die zukunftsträchtigen Geschäfte mit Erneuerbaren, Netzen und den Vertrieb an Privathaushalte und Firmen konzentrieren. Zudem bleiben die Atomkraftwerke des Konzerns bei der Mutter – dafür hat die Bundesregierung gesorgt, weil befürchtet wurde, dass Eon sich einem Abschieben der AKW zu Uniper aus der Verantwortung für den Rückbau der Anlagen und die Endlagerung des Atommülls stehlen könnte. Allein für Letzteres muss Eon zehn Milliarden Euro bereit stellen.

Wie hat Eon selbst aktuell abgeschnitten?

Bei Eon ging es ebenfalls bergab. Der Gewinn aus dem eigentlichen Geschäft sank im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf zwei Milliarden Euro. Just die AKW spielten hier eine Rolle. Denn die Anlagen, die noch bis maximal Ende 2022 laufen, leiden auch unter den sinkenden Strompreisen. Auch im Netzgeschäft ging es bergab. Lichtblicke waren steigende Gewinne im Vertrieb und bei den Erneuerbaren – zwei neue Windparks sind inzwischen vollständig in Betrieb genommen worden. Beides sind aber noch relativ kleine Sparten, die in den nächsten Jahren massiv aufgebaut werden sollen. Doch beim Öko-Strom ist die staatlich verordnete Förderung längst nicht mehr so großzügig wie einst. Und im Geschäft mit Energiedienstleistungen ist die Konkurrenz groß. Die Skepsis unter den Anlegern ist jedenfalls riesengroß. Die Eon-Aktie brach bis zum Mittwochmittag um fast sieben Prozent ein.  

 

Wie groß sind die Gefahren für Eon und die anderen Stromkonzerne?

Die großen Vier (Eon, RWE, EnBW, Vattenfall) kämpfen alle mit den gleichen Problemen. Vattenfall hat daraus die Konsequenz gezogen, die Stromerzeugung  massiv zurückzufahren. Die hiesigen AKW Krümmel und Brunsbüttel sind stillgelegt, der Braunkohletagebau in der Lausitz nebst Kraftwerken ist verkauft. EnBW und RWE wollen ebenfalls die Sparten Erneuerbare, Netze und Vertrieb ausbauen - während die konventionellen Kraftwerke  wegen des Strompreisverfalls immer größere Probleme bereiten. Auch EnBW hat deshalb im ersten Halbjahr massive Einbußen erlitten und ist in die Verlustzone gerutscht. Als zusätzliche Belastungen kommen hier wachsende Belastungen bei den Betriebsrenten wegen des niedrigen Zinsniveaus zum Tragen. Deshalb erwarten Analysten auch von RWE, Geschäftszahlen kommen am Donnerstag, wenig Gutes für die alten Sparten. Die RWE-Aktie verlor am Mittwoch zeitweise fast drei Prozent.