Essen - Dem Energieriesen RWE macht die Energiewende schwer zu schaffen: Der Konzern streicht in den kommenden Jahren jeden zehnten Arbeitsplatz. Bis Ende 2016 sollen rund 6700 Jobs wegfallen - 4700 davon auf dem Heimatmarkt Deutschland, wie der Konzern am Donnerstag in Essen mitteilte. „Unser traditionelles Geschäftsmodell bricht uns unter den Füßen weg“, sagte Konzernchef Peter Terium.

Von dem neuen Stellenabbau betroffen sind nach Unternehmensangaben RWE-Niederlassungen in ganz Europa. Die bereits in den vergangenen Jahren angekündigten Stellenstreichungen würden fortgesetzt, sagte RWE-Personalvorstand Uwe Tigges. Bereits 2011 hatte das Unternehmen angekündigt, tausende Stellen zu streichen.

Von damals 73.600 Arbeitsplätzen seien bis heute 6200 abgebaut worden, sagte Tigges. Nun sei geplant, ab dem kommenden Jahr die Mitarbeiterzahl bis Ende 2016 auf rund 60.700 senken. Zum Ende dieses Jahres werde RWE voraussichtlich 67.400 Menschen beschäftigen. Tigges betonte, das Unternehmen könne auch weitere Stellenstreichungen nach 2016 nicht ausschließen.

„Die konventionelle Stromerzeugung steckt in einer tiefen Krise“, sagte Konzernchef Peter Terium. RWE betreibt noch viele herkömmliche Kraftwerke. 2012 machten Braun- und Steinkohlekraftwerke bei RWE 44,7 Prozent der Strom-Erzeugungskapazitäten aus, Gaskraftwerke 30,0 Prozent, Atomkraftwerke 7,9 Prozent. Erneuerbare Energien kamen auf einen Anteil von 8,0 Prozent im konzernweiten Energiemix.

Sinkende Gewinne

Konventionelle Kraftwerke lassen sich im Zuge der Energiewende immer weniger rentabel betreiben. Das Wachstum der erneuerbaren Energien hat das Stromangebot auf dem Markt in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Dadurch gerieten die Börsenpreise unter Druck.

Die Strompreise für Verbraucher steigen jedoch. Hintergrund für diesen Preisanstieg sind, dass sich Abgaben an den Staat und staatlich regulierte Abgaben erhöhen. So stieg die Ökostrom-Umlage zum Ausbau erneuerbarer Energien, die alle Verbraucher mit der Stromrechnung bezahlen, in den vergangenen Jahren deutlich an.

Der Gewinn von RWE brach in den ersten neun Monaten des Jahres um fast 68 Prozent ein, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht des Konzerns hervorgeht. RWE verdiente demnach von Januar bis September unter dem Strich 609 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch 1,8 Milliarden Euro betragen.

Für das kommende Jahr gehe RWE davon aus, dass der Gewinn deutlich sinken werde, teilte das Unternehmen. Demnach könnte sich der Konzernüberschuss fast halbieren. 2012 hatte RWE ein Nettoergebnis von 1,3 Milliarden Euro eingefahren. Die Dividende für seine Aktionäre wolle RWE für dieses Jahr auf einen Euro halbieren. Unter anderem viele Kommunen in Nordrhein-Westfalen sind Anteilseigner des Konzerns.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) warf RWE mangelnde Sensibilität beim Umgang mit den Zahlen zu seinem geplanten Stellenabbau vor. „RWE wirft mit Zahlen um sich, als befänden wir uns in einer Bingo-Spielhalle“, erklärte die Gewerkschaft. Dies fördere „nicht gerade das Vertrauen in die Weitsicht des Managements“. Der bis Ende 2014 vereinbarte Schutz für Beschäftigte vor betriebsbedingten Kündigungen müsse verlängert werden. Beschäftigte dürften nicht die Zeche für eine falsche Konzernstrategie zahlen müssen. (afp)