Die Sparkasse zählt zu den beliebtesten Banken Berlins. 
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BerlinEinige Berliner haben vermutlich mehr Geld auf der Bank, als sie derzeit wissen: Allein bei der Berliner Sparkasse existieren mehr als 60.000 vergessene Konten, auf denen sich insgesamt etwa 4,8 Millionen Euro befinden. Das teilte der Senat auf eine Anfrage der FDP mit. Es handelt sich dabei um sogenannte nachrichtenlose Konten. 

Geldanlagen, bei denen es seit mindestens 30 Jahren keine Umsätze mehr gab oder deren Besitzer in dieser Zeit keinen Kontakt mehr zu der Bank hatten. „In vielen Fällen sind es Konten Verstorbener, wo sich keine Erben gemeldet haben“, sagt ein Sparkassen-Sprecher. Oder Berliner, die es einfach über die Jahre vergessen haben, dass sie noch ein Sparkonto bei der Sparkasse besitzen. Der FDP-Abgeordnete Bernd Schlömer hatte bei der Senatswirtschaftsverwaltung nach den vergessenen Konten gefragt.

Prüfung nach Aktivität alle paar Jahre

„Die Auskunft über die Sparkasse gab es, weil das Land Berlin an dem Institut beteiligt ist“, sagt Schlömer. Er vermutet, dass es solche Konten auch bei anderen Berliner Banken gibt, diese aber keine Auskunft darüber geben. „Laut Expertenschätzungen liegen bei Banken bundesweit zwei bis neun Milliarden Euro auf nachrichtenlosen Konten“, sagt Schlömer.  

Die Wirtschaftsverwaltung erklärt, dass die Berliner Sparkasse diese Konten nach dem Verbleib ihrer Besitzer „alle paar Jahre prüft“. „Wenn auf Konten über einen längeren Zeitraum keine Kontobewegung stattfindet, nehmen wir zu unseren Kunden Kontakt auf“, sagt der Sparkassen-Sprecher. „Ergibt sich kein Kontakt zu den Konto-Besitzern, deren Erben oder anderen Berechtigten, lassen wir die Guthaben grundsätzlich ruhen.“

Geld bleibt auf dem Konto

Das Geld verfällt nicht. Es bleibt so lange bei den Banken, bis sich Inhaber oder die Hinterbliebenen melden. Es wird ihnen auch Jahrzehnte später ausgezahlt. „Wer den Verdacht hat, dass sich auf einer Bank noch ein Konto eines verstorbenen Familienmitgliedes befindet, sollte bei dem Institut am besten eine schriftliche Anfrage stellen, den Erbschein als Kopie mitsenden“, sagt Stephanie Pallasch, Finanz-Expertin bei der Stiftung Warentest.

Bei Sparkassen-Konten geht die Anfrage über den Deutschen Sparkassen- und Giroverband, der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken und der Bundesverband deutscher Banken bieten einen Kontonachforschungsservice an. FDP-Mann Schlömer schlägt vor, dass man die Guthaben vergessener Konten, etwa nach 15 Jahren Ruhezeit, über eine Stiftung in Projekte fließen lässt, die dem Allgemeinwohl dienen. So wie es gerade in Großbritannien geschehen soll.