Berlin - Die finnische Regierung kann bei ihrem sozialpolitischen Wagnis auf breite Zustimmung in der Bevölkerung setzen. Mehr als zwei Drittel der Finnen haben sich in Umfragen für das bedingungslose Grundeinkommen ausgesprochen. Demnach soll jeder Erwachsener 800 Euro erhalten. Im Gegenzug sollen alle bisherigen Sozialleistungen gestrichen werden. Wird das Experiment gelingen? Taugt es als Modell für andere Länder? Was spricht für, was gegen ein staatliches Grundeinkommen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was erhofft sich Helsinki von der Reform?

Finnlands Premierminister Juha Sipilä nennt die „Vereinfachung des Sozialsystems“. Das zentrale Motiv ist aber arbeitsmarktpolitischer Natur: Die Regierung verspricht sich ein Absinken der Arbeitslosenquote, die mittlerweile ein Rekordniveau von fast neun Prozent erreicht hat.

Das Kalkül: Mit 800 Euro monatlich aus der Staatsklasse werden viele Menschen bereit sein, auch schlechter bezahlte Arbeit anzunehmen. Denn sie kämen mit geringeren Entgelten zurecht, ohne in Armut abzugleiten.

Was bedeutet das Grundeinkommen für die finnischen Arbeitnehmer?

Ob beabsichtigt oder nicht, wird das finnische Tarifsystem insgesamt stark unter Druck geraten. Unternehmen könnten die Löhne senken, um Kosten zu sparen, Gewinne zu steigern oder durch gesenkte Preise ihre Konkurrenzfähigkeit zu verbessern, ohne massiven Widerstand der Beschäftigten fürchten zu müssen. Denn ihnen bliebe auch bei geringeren Arbeitsentgelten einschließlich der staatliche Alimente mehr am Monatsende übrig als zuvor.

Wie hoch werden die Kosten sein?

Die Ausgaben werden nach Berechnungen des Wirtschaftsmediendienstes Bloomberg bei jährlich 52 Milliarden Euro liegen. Auf der anderen Seite spart der finnische Staat durch den Wegfall aller bisherigen Sozialleistungen rund 49 Milliarden Euro ein. Andere Berechnungen gehen von etwa gleich hohen Einsparungen und Kosten aus. Die finnische Regierung verspricht sich sogar sinkende Ausgaben.

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