Berlin - Mit dem 9-Euro-Ticket sind die Menschen am ersten Geltungstag nach Betreiberangaben bislang gut durch Berlin und Brandenburg gekommen. „Grundsätzlich ist der Auftakt gut gelungen“, teilte ein Sprecher des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg am Mittwoch mit. Der ganz große Ansturm sei ausgeblieben, es laufe reibungslos.

Gleichzeitig sanken die Spritpreise an den Tankstellen der Region auf deutlich unter zwei Euro pro Liter Benzin oder Diesel. Grund ist eine vorübergehende Steuersenkung. Sie macht sich nach Angaben des Autofahrerclubs ADAC schneller an der Zapfsäule bemerkbar als erwartet. Bundesweit war der Liter Benzin demnach 30 Cent billiger als Vortag, Diesel 14 Cent.

„Keine Panikkäufe, keine Leerkäufe“ - so das Resümee des Verbandes des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost am ersten Tag des sogenannten Tankrabbats. Die Preise seien nicht sofort um 35 Cent heruntergegangen, sagte Verbandspräsident Hans-Joachim Rühlemann. Erst hatten die Tankstellen den Sprit verkaufen müssen, den sie selbst noch zu den alten Konditionen erworben haben. Im Laufe des Tages habe das Geschäft dann angezogen. Für die nächsten Tage rechnet er mit noch mehr Kunden.

Große Veränderungen im Verkehr gab es jedoch nicht. Nach einer Analyse des Verkehrsdatenunternehmens TomTom floss der Straßenverkehr in Berlin etwas besser als am Mittwoch vor zwei Wochen. Die Berliner Verkehrsbetriebe meldeten keine Auffälligkeiten im Berufsverkehr. Belastbare Auswertungen folgten in den nächsten Tagen.

Eine starke Nachfrage in Bussen und Zügen erwartet der Verkehrsverbund für Tagesausflüge, besonders an Wochenenden und Feiertagen - Pfingsten steht bevor. Mehrere Regionalexpresslinien werden zur Ostsee verlängert, für die Ferien werden weitere Zusatzzüge geprüft; viele Reserven gibt es jedoch nicht. Mehrere Linien sind während der Aktion außerdem von Bauarbeiten betroffen.

Die Rabattaktion hatte am Mittwoch um Mitternacht begonnen. Das 9-Euro-Ticket soll Pendler unterstützen und außerdem helfen, neue Nutzer dauerhaft vom Umstieg auf die Bahn zu bewegen. Allein die BVG verkaufte bislang 635.000 davon.

Bei den Cottbuser Verkehrsbetrieben hat es am ersten Tag keinen besonderen Andrang gegeben, wie Sprecher Robert Fischer sagte. „Es war alles ganz normal.“ Auch in Bussen und Bahnen der Potsdamer Verkehrsbetriebe waren nicht mehr Fahrgäste als sonst unterwegs.

Am Berliner Bahnhof Alexanderplatz war die Lage am Morgen aber ruhig. Weder waren Züge übermäßig voll, noch bildeten sich Schlangen vor Ticketautomaten. Auch am Bahnhof Zoologischer Garten war Normalbetrieb wie an anderen Tagen zu beobachten.

Mit dem Fahrschein kann man jeweils einen Monat lang den Nahverkehr nutzen, das Ticket ist für Juni, Juli und Augst erhältlich. Es gilt bundesweit. „Macht das Beste draus. Es ist viel mehr als nur Berlin“, teilte der Berliner Fahrgastverband Igeb mit.

Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) betonte, es sei wichtig zu zeigen, dass der öffentliche Personennahverkehr eine Alternative zum Individualverkehr sei. Gerechnet werde mit einer großen Resonanz, vor allem auf ohnehin stark genutzten Pendlerstrecken und Linien zu touristischen Ausflugszielen.

Das 9-Euro-Ticket sei eine gute Möglichkeit, im Sommer durch Brandenburg zu reisen und kostengünstige Ausflüge mit Bus und Bahn zu machen, teilte die Tourismus Marketing GmbH mit. Eine neue Website helfe bei der Planung. Im Blick stünden vor allem auch Nebenstrecken. Informiert werde auch, wie es am Zielbahnhof weiter gehe, wo beispielsweise Fahrräder ausgeliehen werden könnten.