Ab ins Homeoffice, damit mein Arbeitgeber im Büro Energie spart: Was kriege ich dafür?

Das Homeoffice wird für die Arbeitnehmer bei den Wucherpreisen für Energie teurer als noch im Vorjahr. Wer übernimmt bitte die Kosten?

Eine Frau im Homeoffice
Eine Frau im Homeofficeimago/Westend61

Bereits Ende Juli brachte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ein verstärktes Arbeiten im Homeoffice ins Gespräch, um Energie zu sparen. Die neuesten Energiesparverordnungen vom Mittwoch regeln das zwar noch nicht, aber komplett scheint der Minister auf die Idee nicht verzichtet zu haben.

Parallel kehrt gerade das Arbeitsministerium von Hubertus Heil (SPD), unterstützt von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), zur Angebotspflicht der Arbeitgeber fürs coronabedingte Homeoffice ab 1. Oktober zurück. Ob der Arbeitnehmer dieses Angebot annimmt oder nicht, bleibt seine freiwillige Entscheidung.

Der Arbeitnehmer weiß jedoch, dass ihn die Arbeit im Homeoffice angesichts der rasant gestiegenen Preise für Gas, Warmwasser und Strom etwas mehr Geld kosten wird. Wie soll er damit umgehen? Die bestehende Homeoffice-Pauschale läuft Ende 2022 aus, und eine Verlängerung wurde noch nicht beschlossen. Und sie wird auch bis dahin gar nicht an die gestiegenen Energiepreise angepasst. 5 Euro pro Arbeitstag von der Steuer absetzen, begrenzt auf 120 Tage im Jahr und maximal 600 Euro – ist das noch seriös?

DGB: Nicht nur verlängern, sondern auch aufstocken!

Vor diesem Hintergrund baut der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bereits Druck auf die Bundesregierung auf. „Es steht im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung, dass die Verlängerung der Homeoffice-Pauschale ab Januar 2023 geprüft werden sollte“, sagt der Referatsleiter für Steuerpolitik beim DGB-Bundesvorstand, Raoul Didier, der Berliner Zeitung. Die Verlängerung der Homeoffice-Pauschale  sei vor allem mit Blick auf die wichtiger werdende Rolle des mobilen Arbeitens, aber auch die Energiekrise angezeigt. Aber es bestehe die Gefahr, dass diese Pauschale nicht verlängert werde, befürchtet Didier. Dabei wäre nicht nur deren Entfristung, sondern auch die Aufstockung wichtig.

Zusammen mit dem Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine ist der DGB zu dem Schluss gekommen: Eine Aufstockung der Homeoffice-Pauschale von 600 auf mindestens 1500 Euro im Jahr soll zustande kommen und die Befristung auf 120 Tage entfallen. Nach der parlamentarischen Sommerpause werde sich der DGB um diese und weitere steuerliche Entlastungen in einem engeren Austausch mit der Bundesregierung kümmern, so Didier – am besten in Form einer konzertierten Aktion. Denn die Bundesregierung habe noch nichts für die Entlastung der Homeoffice-Freiwilligen vorhergesehen. „Ohne gewissen politischen Druck passiert auch nichts“, so der DGB-Finanzexperte.

„Vor allem Lehrerinnen und Lehrer machen von dieser Regelung Gebrauch – und kriegen nichts“

Eine erhöhte Homeoffice-Pauschale würde den Arbeitnehmern allerdings nur die Steuerbelastung ersparen, aber keine direkten Kosten. „Insofern geht unsere Forderung in erster Linie an die Arbeitgeberseite, dass sie entstehende Kosten im Arbeitsleben auch im Homeoffice vollständig tragen“, sagt Didier weiter. Bei der steuerlichen Entlastung sollte nach Vorstellung des DGB noch eine Ungerechtigkeit aufgehoben werden: die Arbeitszimmerregelung für diejenigen, denen regelmäßig kein Arbeitsplatz im Unternehmen zur Verfügung steht. Deren steuerliche Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitszimmers sei bisher auf 1200 Euro begrenzt, und man müsste dazu noch ein eigenes abgeschlossenes Arbeitszimmer haben, das man zu 90 Prozent nur beruflich nutze. „Von dieser Regelung machen typischerweise Lehrerinnen und Lehrer Gebrauch, die auch zu Hause arbeiten müssen und in der Schule kein Arbeitszimmer zur Verfügung haben“, erzählt der DGB-Steuerexperte weiter.

Aber vor allem in Berlin könnten sich nur Wenige ein eigenes Arbeitszimmer in der Wohnung leisten. Der Schreibtisch steht da etwa im Wohnraum. „Das heißt, sie können die Heizungskosten und teilweise die Mietkosten beim Fiskus überhaupt nicht geltend machen“, bedauert Raoul Didier. „Wenn wir die Homeoffice-Pauschale auf 1500 Euro anzuheben, müsste auch für all diese Fälle ohne eigenes Arbeitszimmer die Möglichkeit bestehen, die steigenden Kosten geltend zu machen.“ Die Voraussetzung, dass das Arbeitszimmer zu 90 Prozent beruflich genutzt werden muss, könnte dann möglicherweise wegfallen.

Ob das passiert, entscheidet sich ab September. Allerdings ist selbst die Idee des Homeoffice in der Energiekrise nicht unumstritten: Einerseits schützt es bei steigenden Infektionszahlen wohl vor einer Ansteckung mit Corona, doch andererseits könnten zu Hause in Summe noch mehr Gas und Strom verbraucht werden, als wenn alle im Büro geblieben wären.