Abgas-Affäre bei Volkswagen: Razzia bei VW - Top-Manager wusste wohl schon lange Bescheid

Wolfsburg - Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat am Donnerstag wegen der Abgas-Affäre bei Volkswagen das Stammwerk in Wolfsburg und mehrere Privatwohnungen an unterschiedlichen Orten durchsucht. Ziel sei die Sicherstellung von Unterlagen und Datenträgern gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie ist demnach auf der Suche nach Informationen über die genaue Vorgehensweise der an der Manipulation der Abgaswerte beteiligten VW-Mitarbeiter. Nach Angaben der Ermittler waren drei Staatsanwälte sowie 50 Polizisten an den Durchsuchungen beteiligt. Wo genau die Razzien stattfanden, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen VW-Verantwortliche

VW erklärte, den Ermittlern eine „umfassende Dokumentensammlung“ übergeben zu haben. „Wir werden die Staatsanwaltschaft bei der Ermittlung des Sachverhaltes und der verantwortlichen Personen nach besten Kräften unterstützen. Dies dient einer unverzüglichen und vollständigen Aufklärung, an der Volkswagen hohes Interesse hat“, teilte ein VW-Sprecher mit.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen derzeit noch unbekannte VW-Verantwortliche ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Auch VW selbst hatte im September Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig gestellt. Mitte September war bekannt geworden, dass VW in den USA Abgaswerte von Dieselfahrzeugen durch eine Software manipuliert hatte, die bei Tests zu einem niedrigeren Schadstoffausstoß als im Normalbetrieb führte. Insgesamt elf Millionen Fahrzeuge sind weltweit betroffen - acht Millionen davon in Europa.

Top-Manager wusste wohl schon 2014 Bescheid

Im VW-Abgas-Skandal ist nach dpa-Informationen bereits 2014 ein Top-Manager in der Wolfsburger Zentrale über mögliche Verstöße gegen Emissionsregeln in den USA informiert worden. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Konzernkreisen erfuhr, hat damals der VW-US-Chef Michael Horn den inzwischen beurlaubten VW-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer über mögliche Verstöße unterrichtet. Die Anwältin Neußers wollte dazu auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Neußer war neben anderen Managern im Zuge des VW-Abgasskandals beurlaubt worden. Horn hatte in einer vorab veröffentlichten Stellungnahme für eine Anhörung vor dem US-Kongress am Donnerstag erklärt, im Frühling des vergangenen Jahres von möglichen Verstößen gegen Emissionsregeln erfahren zu haben. Ihm sei auch mitgeteilt worden, dass die US-Umweltbehörde EPA Strafen verhängen könnte.

Mitte September war bekanntgeworden, dass Volkswagen mit einer Software Abgaswerte bei Testverfahren manipuliert. Der neue VW-Konzernchef Matthias Müller hatte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Mittwoch gesagt, nach seinem Kenntnisstand seien an der Abgas-Manipulation „nur wenige Mitarbeiter“ beteiligt gewesen. „Aber genau werden wir das natürlich erst wissen, wenn in einigen Wochen die Ergebnisse der internen und externen Untersuchung vorliegen.“ Vier Mitarbeiter seien bisher beurlaubt worden, davon drei Vorstände.

Nach einem Bericht von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR von Ende September hatte ein Motorentechniker bereits im Jahre 2011 in Wolfsburg Neußer, den damaligen Chef der Aggregate-Entwicklung der Marke VW, vor möglicherweise illegalen Praktiken gewarnt. Das habe der Motorentechniker nach Angaben aus Unternehmenskreisen bei einer Befragung durch die Konzernrevision ausgesagt. Auch dazu gab es keine Aussage der Anwältin Neußers.

(afp, dpa)