Abgas-Skandal: Nachrüstung bei Volkswagen-Autos wohl wirkunglos

Berlin - Während der Volkswagen-Konzern bei der Aufklärung des Abgasskandals hierzulande heftig mauert, kommt er in den USA zunehmend unter Druck. Donnerstag könnte zum Tag der Entscheidung werden. Es geht um viele Milliarden Euro.

Wie steht es um die Aufklärung der Manipulationen hierzulande?

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat es inzwischen per Gericht durchgesetzt, dass ihr Akten des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) über die Betrugssoftware bei Dieselautos und die angelaufenen Rückrufaktionen zur Verfügung gestellt wurden. Allerdings hat der Wolfsburger Konzern die Offenlegung der Informationen abgelehnt, obwohl das Management immer wieder betont hat, für Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit und eine vorbehaltlose Aufklärung zu sorgen. Der DUH ist jedenfalls nach eigenen Angaben Ende vorige Woche „die 581-seitige VW-Akte zur einwöchigen Einsicht in komplett geschwärzter Form“  zur Verfügung gestellt worden.

Wie brisant sind die Informationen?

Sie sind extrem brisant. Volkswagen musste dem KBA gegenüber genau beschreiben, wie die Abgaswerte bei offiziellen Tests manipuliert wurden und was bei den Rückrufaktionen genau passiert. Es geht aktuell dabei darum, dass Volkswagen ein Update der Software für die Abgasreinigung und Motorsteuerung im Bordcomputer installiert. Denn bislang handelt es sich bei den Programmen um ein verbotene Abschaltvorrichtung:   Die Abgasreinigung funktioniert nur vorschriftsmäßig bei offiziellen Messungen auf dem Prüfstand. Im Normalbetrieb auf der Straße wird der Katalysator, der giftige Stickoxid-Abgase (NOX) unschädlich macht, weitgehend ausgeschaltet. Um ein Vielfaches erhöhte NOX-Werte sind die Folge. Mit dem Update soll nun Konformität mit den gesetzlichen Vorschriften hergestellt werden. 

Aber wo liegt dann das Problem?

Es gibt zahlreiche Hinweise, dass die Nachrüstung nichts bringt. Erste Messungen im Auftrag des Fachblatts Auto, Motor und Sport beim Pritschenwagen Amarok hatten schon vor gut einem Monat ergeben, dass im Realbetrieb auf der Straße die NOX-Emissionen trotz der neuen Steuerungsprogramme mit 1,5 Gramm pro Kilometer gleich geblieben sind; die Euro-5-Abgasnorm schreibt nur 0,18 Gramm vor. Der Kraftstoffverbrauch kletterte zugleich, insgesamt steigt also die Schadstoffbelastung der nachgerüsteten Fahrzeuge sogar – ein höherer Spritverbrauch bringt auch mehr Emissionen des Klimakillers CO2. 

Was wurde dann durch das Update dann überhaupt verändert?

Insider gehen davon aus, dass mit der neuen Software lediglich nun nicht mehr der Tatbestand einer illegalen Abschaltvorrichtung erfüllt ist. Vielmehr wird offenbar eine Motorsteuerung eingesetzt, deren Wirkung sich rechtlich in einer Grauzone bewegt. So lassen die Vorschriften zu, dass die Abgasreinigung zum Schutz des Motors kurzzeitig ausgeschaltet werden darf. Vieles spricht dafür, dass Volkswagen diese Bestimmung ausnutzt. Mit dem Resultat, dass Emissionswerte erreicht werden, die wieder nur auf dem Prüfstand, aber nicht auf der Straße den Vorgaben entsprechen – all dies könnte wahrscheinlich anhand der brisanten KBA-Akten nachgewiesen werden.

Wie reagiert die Umwelthilfe?

Die Umweltschützer rüffeln nicht nur, dass Volkswagen bei der Aufklärung des Skandals mauert. Sie kritisieren auch, dass die Politik nicht entschieden genug vorgeht. „Im Epizentrum des Diesel-Abgasskandals agiert Bundesverkehrsminister Dobrindt als Marionette der Autobosse“, sagt Jürgen Resch. DUH-Geschäftsführer. Er macht darauf aufmerksam, dass in den USA erheblich entschiedener gegen Abgassünder vorgegangen werde. Und in Frankreich habe die Regierung dafür gesorgt, dass überhöhte Abgaswerte publik gemacht wurden. Ihn ärgert insbesondere, dass die Masche von Volkswagen offenbar längst auch von anderen Autobauern genutzt wird. Unter anderem hat Daimler eingeräumt, dass die Abgasreinigung abgeschaltet werde, um den „Motor vor Beschädigung“ zu schützen. Für Resch ist das eine „reine Schutzbehauptung“.