Markus Braun.
Foto: dpa/ Lino Mirgeler

Markus Braun musste am Freitag Abschied von seinem Lebenswerk nehmen: Nach dem Bilanzskandal bei Wirecard hat der Gründer des Unternehmens seinen Posten geräumt. Der österreichische Manager sei im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Interims-Chef wird der US-Manager James Freis, der erst am Vorabend in den Vorstand berufen worden war. Für Braun, der mit dem Unternehmen einen deutschen „Champion“ auf dem Weg zum bargeldlosen Bezahlen schaffen wollte, ist der Rücktritt allerdings erst der erste Schritt. Er muss zunächst selbst heftige Verluste einstecken: Seit Mittwochabend liegt der Wertverlust der Papiere insgesamt bei etwa neun Milliarden Euro - allein Braun als Großaktionär hat über 600 Millionen Euro eingebüßt.

Doch auch rechtlich wird der Skandal den Gründer noch länger beschäftigen: Die zur Deutschen Bank gehörende Fondsgesellschaft DWS will gegen Wirecard und dessen bisherigen Chef vor Gericht ziehen. „Wir verklagen Wirecard und Markus Braun“, sagte ein DWS-Sprecher. Der Chef der DWS-Flaggschifffonds, Tim Albrecht, sagte der FAZ: „Zum Schutze unserer Anleger müssen wir feststellen lassen, inwiefern dem Unternehmen oder auch Herrn Braun Versäumnisse vorzuwerfen sind.“ Albrecht betonte: „Wir fordern außerdem einen personellen Neuanfang in Vorstand und Aufsichtsrat. Auch der Vorsitzende Thomas Eichelmann hat jedes Vertrauen nach kürzester Zeit schon aufgebraucht.“ Die DWS hatte mit ihren Fonds noch vor wenigen Monaten zu den Großaktionären von Wirecard gezählt, ihre Beteiligungen zuletzt aber heruntergefahren.

Der zurückgetretene Vorstandsvorsitzende Braun schrieb in einer persönlichen Erklärung an Mitarbeiter und Aktionäre, er sei aus eigenem Antrieb zurückgetreten. Wirecard habe ein exzellentes Geschäftsmodell, herausragende Technologie und ausreichende Ressourcen für eine große Zukunft. „Ich will diese Zukunft nicht belasten“, erklärte der 1969 geborene Österreicher in der auf Englisch verfassten Erklärung.

Braun führte das Unternehmen seit 2002 und war die dominante Figur. Er war schon 2019 unter massiven Druck durch Anleger geraten, die dem studierten Wirtschaftsinformatiker mangelnde Information und schlechtes Krisenmanagement vorwarfen. Freis hingegen ist unbelastet von der Vergangenheit, der US-Anwalt und Analyst ist Spezialist für Wirtschaftsverbrechen: Freis war von 2007 bis 2012 Chef der Einheit zur Bekämpfung der Finanzkriminalität im US-Finanzministerium, wie er auf seiner Linkedin-Seite schreibt.



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