Kasper Rorsted, Adidas-Chef auf Irrwegen.
Foto: imago images

Als Chef von Adidas hat Kasper Rorsted in den vergangenen dreieinhalb Jahren eine gute Figur gemacht. Profitabilitätssteigerungen in Serie, im Rekordjahr 2019 zwei Milliarden Euro Überschuss und reichlich Liquidität in der Kasse sowie ein ausgesprochenes Gespür für Markenimage zeugen davon. Sogar am weltgrößten Sportartikelmarkt USA konnte Adidas unter dem Dänen punkten.

Lesen Sie hier: Adidas, Deichmann & Co. – Das Gesicht des Kapitalismus in der Coronakrise

Rorsted, 58, ist ein Erfolgsmanager moderner Prägung, der in der Corona-Krise allerdings spektakulär versagt und mehrere Boykottaufrufe gegen den eigenen Konzern provoziert hat.
Ausgelöst hat das die Entscheidung, für die Konzernshops in Deutschland im April keine Mieten mehr zu zahlen, weil sie wegen der Pandemie geschlossen sind. Neue Gesetze, die Mietstundung erlauben, sind auf Kneipen oder Friseure zugeschnitten, die akut um ihre Existenz fürchten. Der reiche Konzern tut das fraglos nicht und missbraucht die Regelungen für den eigenen Bedarf. Bei 26 Adidas-Shops kann die Not auch nicht groß sein. Es geht um überschaubare Summen.

Streben nach mehr Profit

Dabei weiß der meist ohne Krawatte und mit Dreitagebart auftretende Rorsted sonst gut, wie man vorzugsweise über prominente Influencer wie Kylie Jenner die Öffentlichkeit auf die eigene Seite zieht. Auch bei seinem früheren Arbeitgeber Henkel hatte sich der bekennende Förderer von Frauen in unternehmerischen Spitzenpositionen einen guten Ruf erarbeitet.

Rorsted gilt als dynamisch, fordernd, er ist stets einer der Ersten im Büro. Mit dem Streben nach mehr Profit und dem Senken von Kosten hat er es aber nun im völligen Verkennen politischer und gesellschaftlicher Empfindlichkeiten übertrieben. „Unanständig“ und „schäbig“ sind noch die netteren Adjektive, mit denen Adidas als Unternehmen, aber auch Rorsted als Person derzeit bedacht werden im Netz.

Verkennen der Lage

Wie schnell man auch als mächtiger Dax-Konzern in einen Shitstorm geraten kann, hat gerade Siemens mit seiner Zulieferung für eine australische Kohlemine erfahren. Chef Joe Kaeser wusste ebenso wenig damit umzugehen wie jetzt Kasper Rorsted, der in den allgemeinen Notzeiten ein Beispiel für mangelnde Solidarität gegeben hat.

Die Ankündigung, nur für jene Shops weiter Miete zu bezahlen, die von privaten Eigentümern und nicht von großen Immobilienvermarktern vermietet werden, zeugt von anhaltendem Verkennen der Lage. Diese Episode kann weit über die Corona-Krise hinaus am Adidas-Chef und seinem Konzern hängen bleiben.