AfD: Erbitterter Streit über Empfang in russischer Botschaft

Die AfD streitet über den Besuch von Tino Chrupalla in der russischen Botschaft. Der Tag des Sieges ist für extreme Rechte der Tag der Schande.

AfD-Chef Tino Chrupalla mit einem Geschenk für den russischen Botschafter Sergej Netschajew in der russischen Botschaft. 
AfD-Chef Tino Chrupalla mit einem Geschenk für den russischen Botschafter Sergej Netschajew in der russischen Botschaft. Foto: Berliner Zeitung

Unmittelbar nach Veröffentlichung des Berichts über den Besuch der AfD-Spitzen Alexander Gauland und Tino Chrupalla in der russischen Botschaft muss es in der Partei bereits hoch her gegangen sein. Unter Berufung auf interne Chats berichtet das ZDF: „Auslöser ist ein Artikel der ,Berliner Zeitung‘.

Es geht um den Besuch von Fraktions- und Parteichef Tino Chrupalla und dem AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland in der russischen Botschaft angesichts des ,Tags des Sieges‘ der Sowjetarmee über Nazi-Deutschland am 8./9. Mai 1945. Auf einem Foto sieht man Chrupalla, wie er dem russischen Botschafter ein Geschenk überreicht.

Nun entspinnt sich in der AfD-Chatgruppe eine Diskussion. Im Minutentakt melden sich AfD-Bundestagsabgeordnete zu Wort.“  Ein Abgeordneter schreibt demnach: „Wen gewinnt man damit als Unterstützer? Ah, im Artikel steht es ja: Egon Krenz und Klaus Ernst, Mauermörder und deren geistige Nachfolger. Sind unsere Umfragewerte wieder zu gut, dass wieder so eine Aktion sein musste?“

Das ZDF weiter: „Über den Link zum Artikel ,Jahrestag des Sieges über die Nazis: Empfang in der russischen Botschaft‘, der über Chrupallas und Gaulands Teilnahme berichtet, schreibt ein AfD-Abgeordneter: „Ich brech ins Essen!!! Langsam frage ich mich, ob ich hier noch richtig bin. Ein Fraktionsvize antwortet. ,Muss ein Witz sein. MUSS.‘ Ein anderer AfDler aus Bayern findet: ,Diese Verharmlosung der millionenfachen systematischen schweren Kriegsverbrechen (Mord, Vergewaltigung, Vertreibung) der Sowjets kann man Patrioten nicht erklären. Die Unterstützung Russlands kann man 85% der Westdeutschen nicht erklären.‘

Aus Ostdeutschland habe es dagegen Zustimmung gegeben. So heißt es von einem brandenburgischen Abgeordneten laut ZDF: „Hallo? Gerade bei uns in LOS (Anmerk.: Landkreis Oder-Spree) kommt das bei unseren Wählern gut an oder wird ohne Probleme toleriert - jetzt mal unabh. vom Westen gesehen.“

Nachdem erste Rücktrittsforderungen gegen Chrupalla geäußert werden, rudert dieser zurück. In einem Update, das die Berliner Zeitung kurz darauf veröffentlicht, schreibt Chrupalla: „Gestern war ich beim Empfang von @RusBotschaft anlässlich des Kriegsendes. Nicht um für Befreiung zu danken, wie die #BZ schreibt, sondern um die deutsche Sicht auf Geschichte und Gegenwart zu erläutern.“