Unmittelbar nach Veröffentlichung des Berichts über den Besuch der AfD-Spitzen Alexander Gauland und Tino Chrupalla in der russischen Botschaft muss es in der Partei bereits hoch her gegangen sein. Unter Berufung auf interne Chats berichtet das ZDF: „Auslöser ist ein Artikel der ,Berliner Zeitung‘.
Es geht um den Besuch von Fraktions- und Parteichef Tino Chrupalla und dem AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland in der russischen Botschaft angesichts des ,Tags des Sieges‘ der Sowjetarmee über Nazi-Deutschland am 8./9. Mai 1945. Auf einem Foto sieht man Chrupalla, wie er dem russischen Botschafter ein Geschenk überreicht.
Nun entspinnt sich in der AfD-Chatgruppe eine Diskussion. Im Minutentakt melden sich AfD-Bundestagsabgeordnete zu Wort.“ Ein Abgeordneter schreibt demnach: „Wen gewinnt man damit als Unterstützer? Ah, im Artikel steht es ja: Egon Krenz und Klaus Ernst, Mauermörder und deren geistige Nachfolger. Sind unsere Umfragewerte wieder zu gut, dass wieder so eine Aktion sein musste?“
Das ZDF weiter: „Über den Link zum Artikel ,Jahrestag des Sieges über die Nazis: Empfang in der russischen Botschaft‘, der über Chrupallas und Gaulands Teilnahme berichtet, schreibt ein AfD-Abgeordneter: „Ich brech ins Essen!!! Langsam frage ich mich, ob ich hier noch richtig bin. Ein Fraktionsvize antwortet. ,Muss ein Witz sein. MUSS.‘ Ein anderer AfDler aus Bayern findet: ,Diese Verharmlosung der millionenfachen systematischen schweren Kriegsverbrechen (Mord, Vergewaltigung, Vertreibung) der Sowjets kann man Patrioten nicht erklären. Die Unterstützung Russlands kann man 85% der Westdeutschen nicht erklären.‘
Aus Ostdeutschland habe es dagegen Zustimmung gegeben. So heißt es von einem brandenburgischen Abgeordneten laut ZDF: „Hallo? Gerade bei uns in LOS (Anmerk.: Landkreis Oder-Spree) kommt das bei unseren Wählern gut an oder wird ohne Probleme toleriert - jetzt mal unabh. vom Westen gesehen.“
Nachdem erste Rücktrittsforderungen gegen Chrupalla geäußert werden, rudert dieser zurück. In einem Update, das die Berliner Zeitung kurz darauf veröffentlicht, schreibt Chrupalla: „Gestern war ich beim Empfang von @RusBotschaft anlässlich des Kriegsendes. Nicht um für Befreiung zu danken, wie die #BZ schreibt, sondern um die deutsche Sicht auf Geschichte und Gegenwart zu erläutern.“


