Sie kellnern in Restaurants, sitzen im Supermarkt an der Kasse oder pflegen alte Menschen: Jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland hat einen Minijob, zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Für fast fünf Millionen Menschen ist der Minijob sogar der einzige Erwerb. Doch die von der Politik lange Zeit geschürte Hoffnung, der Minijob könnte als Brücke in reguläre Arbeitsverhältnisse dienen, erfüllt sich für die meisten nicht, wie eine aktuelle Studie zeigt. Vor allem Frauen blieben mehrheitlich im Minijob gefangen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Untersuchung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums.

Demnach wird ein Wechsel auf eine normale, feste Stelle um so unwahrscheinlicher, je länger der Minijob andauert. Die weiblichen Minijobber arbeiten demnach im Schnitt bereits sechs Jahre und sieben Monate auf 450-Euro-Basis. Bei verheirateten Frauen sind es sogar mehr als sieben Jahre. Nur jede siebte Frau, die früher einen Minijob als Hauptbeschäftigung hatte, habe heute eine Vollzeitstelle, jede Vierte eine Teilzeitstelle mit maximal 20 Wochenstunden.

Gewerkschaften warnen vor Armutsrisiko

Vor allem für diese Ehefrauen sei der Minijob "mit erheblichen Risiken im Lebenslauf" verbunden, warnt der Autor der Studie, Professor Carsten Wippermann vom Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung. Die Politik setze mit den Minijobs falsche Anreize. Die Frauen hätten "künftig kaum die Möglichkeit, im Fall von Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Tod des Partners die finanzielle Existenzsicherung ihrer Familie und ihrer selbst zu erwirtschaften" sowie für ihre Alterssicherung ausreichend zu sorgen. Die Studie beruht auf einer Befragung von mehr als 2000 Frauen. Etwa die Hälfte von ihnen hat einen Minijob, die andere Hälfte übte früher einen aus.

Die Gewerkschaften warnen seit Jahren, die Minijobs seien eine biographische Sackgasse für Frauen. Vor allem junge Mütter, die trotz der Familienaufgaben erwerbstätig sein wollten, würden in den Niedriglohnsektor gedrängt. Eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung belegt, dass Minijobber nur rund die Hälfte des Stundenlohns der Festangestellten bekommen. Bei drei Vierteln aller Minijobber sind das weniger als 8,50 Euro die Stunde.

Minijobs haben schlechtes Image

Die Rückkehr in einen regulären Job gestalte sich laut DGB auch deshalb schwierig, weil Minijobber oft als gering Qualifizierte angesehen würden und ein schlechtes Image hätten. Die Gewerkschaften fordern eine Reform der Minijobs, die eine sukzessive Erhöhung des Arbeitgeberanteils vorsieht.

Wenngleich auch Familienministerin Kristina Schröder (CDU) bereits vor der "Sackgasse" Minijob warnte, hat die schwarz-gelbe Bundesregierung zum Jahresanfang die Verdienstgrenze von 400 auf 450 Euro angehoben. Bei SPD und Grünen, die den Aufschwung des Minijobs mit ihrer Agenda 2010-Reform vor zehn Jahren noch befeuerten, hat inzwischen ein Umdenken stattgefunden. Beide Parteien wollen die Anzahl der Minijobs inzwischen einschränken. Wie das genau geschehen soll, ist allerdings noch offen.