In Notzeiten muss man schon mal Schritte überschwänglich feiern, die sonst in der Branche üblich sind: Als einen „weiteren Meilenstein im Aufbau eines einzigartigen, globalen Flugnetzwerks mit den weltbesten Fluggesellschaften“ hat Air Berlin die neue Partnerschaft mit Air France-KLM bezeichnet. Deutschlands zweitgrößte Fluglinie, ihr Großaktionär Etihad Airways aus Abu Dhabi und die französisch-niederländische Fluggesellschaft gaben am Montag eine strategische Partnerschaft bekannt. Die beteiligten Gesellschaften wollen gemeinsam Flüge anbieten und ihr Streckennetz enger miteinander verbinden. Das Bündnis soll am 28. Oktober starten.

Verluste in Millionenhöhe

Für Air Berlin steigt durch die Kooperation mit Air France-KLM die Zahl der Ziele in Frankreich von drei auf neun. Air France erweitert durch die Zusammenarbeit das Angebot in Deutschland, in Polen und Österreich. Langstreckenflüge ab Paris gehören aber nicht zur Vereinbarung. Für Hartmut Mehdorn, Chef von Air Berlin dennoch kein Problem: Insgesamt werde die Präsenz der Fluggesellschaft im europäischen Markt deutlich gestärkt.

Dass sich mit dieser Partnerschaft die schlechte Lage bei Air Berlin grundsätzlich verbessert, ist zweifelhaft. Die Fluggesellschaft hat in den letzten sechs Quartalen nur einmal ein positives Ergebnis verbucht. Zuletzt lagen die Verluste bei 103 Millionen (erstes Quartal 2012) und weiteren 66 Millionen Euro (zweites Quartal).

Etihad, mit knapp 30 Prozent an Air Berlin beteiligt, hat bereits der klammen Fluggesellschaft einen Kredit über 255 Millionen zukommen lassen. Ohne diesen wäre wohl Air Berlin längst bedrohlich in die Nähe einer Insolvenz gerückt. Das Unternehmen belasten Schulden von rund 800 Millionen Euro. Deshalb hat Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn ein Programm zur Senkung der Kosten aufgelegt, das im laufenden Jahr 230 Millionen Euro einbringen soll. Die Kapazitäten sind mittlerweile im Vergleich zum Vorjahr um fast sieben Prozent reduziert worden. Etihad hat aber seine Verärgerung über die ungenügenden Sanierungserfolge der deutschen Airline kürzlich deutlich gemacht und zur Not weitere harte Entscheidungen angemahnt.

Etihad, die drittgrößte Fluggesellschaft im arabischen Raum, kann nun durch die Kooperation mit der zweitgrößten europäischen Airline Air France-KLM besser in Europa Fuß fassen und zugleich mehr Passagiere aus Europa über ihren Heimatflughafen Abu Dhabi lenken. Das erhöht in einem ohnehin scharfen Wettbewerb den Druck auf die europäische Nummer eins unter den Airlines, die Lufthansa. Die ist schon seit geraumer Zeit nicht gut auf die stark expandierenden arabischen Fluggesellschaften zu sprechen. Ihnen wirft die Lufthansa vor, dass sie massiv staatlicherseits subventioniert werden und so den Wettbewerb verzerren.

Air Berlin muss sich in der neuen Partnerschaft mit Air France-KLM den Vorstellungen seines Großaktionärs Etihad beugen. Denn Air Berlin hat ursprünglich sein Glück in strategischen Allianzen bei der Konkurrenz gesucht – nämlich bei Oneworld. Die wird von American Airlines, British Airlines und Iberia angeführt. Air France-KLM fliegt hingegen im Bündnis Skyteam, unter anderem mit Aeroflot und drei chinesischen Airlines.

Air Berlin feierte den Beitritt zu Oneworld erst im Frühjahr groß in Berlin. Aber für Etihad spielt das keine sonderliche Rolle. Oneworld sei von sekundärer Bedeutung, ließ Etihad-Chef James Hogan vor wenigen Tagen verlauten. „Die Kooperation mit Air France-KLM hat auf Oneworld keinen Einfluss“, sagte denn auch Air-Berlin-Sprecher Uwe Berlinghoff.