James Hogan ist auf die Manager von Air Berlin richtig sauer. Kürzlich soll es in einer Verwaltungsratssitzung richtig laut geworden sein. Hogan, Vize des Kontrollgremiums, gegen den Vorsitzenden Hans-Joachim Körber. Auch mit Hartmut Mehdorn, Vorstandschef von Air Berlin, liegt er sich in den Haaren.

Jetzt gab es schon wieder rote Ohren. Hogan empfahl, dass sich Air Berlin doch gefälligst mit dem riesigen Konkurrenten Air France-KLM zusammentun möge. Um zu verstehen, was bei Deutschlands zweitgrößter Airline los ist, muss man wissen, dass Hogan im Hauptberuf Chef von Etihad Airways (Abu Dhabi) ist und Etihad mit einem Anteil von 29 Prozent größter Aktionär von Air Berlin.

Hinter dem Ratschlag zur Kooperation mit Air France-KLM steckt eine weitere strenge Ermahnung an Mehdorn und Körber endlich mit der Sanierung von Air Berlin voran zu kommen. Etihad ist nicht nur Anteilseigner, sondern hat der Fluglinie auch einen Kredit über 255 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, um sie endlich profitabel zu machen. Doch was ist geschehen? Im zweiten Quartal vergrößerte Air Berlin den Verlust auf 66 Millionen Euro, knapp 44 Millionen Miese waren es im gleichen Vorjahresquartal. Das macht Hogan so wütend.

Der Druck auf Mehdorn wächst. Es kursieren bereits Gerüchte, Hogan wolle dafür sorgen, dass Mehdorn gefeuert werde. Der Etihad-Chef hat das dementieren lassen. Gleichwohl: Hogan will schwarze Zahlen sehen, und zwar schnell. Und das soll ohne weitere Hilfszahlungen vom Großaktionär bewerkstelligt werden. Der Hintergrund: „Air Berlin muss in die Gewinnzone kommen, um das Eigenkapital nicht weiter aufzubrauchen“, sagt Sebastian Hein, Luftfahrt-Analyst beim Bankhaus Lampe. Die Fluggesellschaft verfüge zwar über eine junge Flotte. Auch die Kostenstrukturen seien günstig. Aber das Streckennetz sei zu komplex und im Langstrecken-Geschäft gebe es noch Nachholbedarf.

Das alles kann Hogan gar nicht recht sein. Bei einer Pleite von Air Berlin wäre wohl ein Großteil des Geldes, das Etihad in die Fluggesellschaft gesteckt hat, futsch. Um dies zu verhindern, bliebe Etihad dann wohl nichts anderes übrig, als Air Berlin doch wieder mit frischem Kapital zu versorgen. Das will der Etihad-Chef in jedem Fall verhindern, denn er kämpft darum, seine eigene Firma im grünen Bereich zu halten.

Die Idee mit der Air France-KLM-Allianz passt zu der ganz besonderen Strategie von Etihad. Die Araber wollen expandieren, aber nicht nur aus eigener Kraft, sondern in einer Art Huckepack-Verfahren mit anderen Fluggesellschaften. Deshalb hat sich die Fluglinie aus Abu Dhabi auch bei Virgin Australia, Aer Lingus (Irland) und Air Seycheles eingekauft. Ziel ist, ein weitreichendes Netz aus Verbindungen zu knüpfen, zwecks gemeinsamer kostengünstiger Vermarktung von Flügen. Dazu zählt auch, dass Etihad kürzlich mit einem großen europäischen Player angebandelt hat: Air France-KLM. Ohne in diesem Fall eine Kapitalbeteiligung anzustreben. Es geht um Arbeitssteilung bei Langstreckenflügen. Hogan will nun offenbar durchsetzen, dass Air Berlin da mitmacht und damit einen wichtigen Schritt in der Sanierung vollzieht.