Die Flugbranche in Europa sortiert sich ein Stück weit neu: Air-Berlin-Partner Etihad überprüft Insidern zufolge seine Investitionen in europäische Fluglinien. Im Zuge dessen dürfte Vorstandschef James Hogan die arabische Airline in den kommenden drei Monaten verlassen, sagten Personen aus dem Unternehmen und der Branche. Unter dem Australier Hogan war Etihad bei Air Berlin, Alitalia und Air Serbia eingestiegen. Die Beteiligungen entpuppten sich jedoch als massive Fehlinvestitionen und flogen in Summe mehr als 2,5 Milliarden Euro Verlust ein.

Von dem Verlust entfällt eine Milliarde Euro auf die in der Hauptstadt ansässige Air Berlin, die ohne die Unterstützung von ihrem Großaktionär – Etihad hält knapp 30 Prozent an Deutschlands zweitgrößter Fluglinie – längst hätte aufgeben müssen. Air Berlin wollte ursprünglich den neuen Flughafen BER als großes Drehkreuz nutzen.

Laut einem Bericht des Handelsblatt will Etihad bereits im Januar mit dem Rückbau des Europageschäfts beginnen. Aufsichtsratsmitglied Ahmed Ali Al Sayegh werde die Federführung übernehmen. Geprüft werde etwa ein Notverkauf deutlich unter Wert.

Dabei dürfte die Lufthansa hellhörig werden. Die Fluglinie besiegelte vorige Woche mit Etihad einen Deal über 38 Flugzeuge, die samt Crews von Air Berlin gemietet werden. Branchenbeobachtern zufolge dürften die Frankfurter großes Interesse an der Übernahme der Rest-Air-Berlin mit 75 Flugzeugen haben. Allerdings hat der Rivale über die Jahre einen Schuldenberg von gut einer Milliarde Euro angehäuft. Den will die Lufthansa auf keinen Fall schultern. In personeller Hinsicht hat die größte deutsche Airline die Weichen gestellt: An die Spitze von Air Berlin rückt Lufthansa-Top-Manager Thomas Winkelmann.

Unter Hogan beteiligte sich Etihad 2011 an Air Berlin und machte damit die Airline aus den ölreichen Vereinigten Arabischen Emiraten zum größten Aktionär der deutschen Billigfluglinie. Doch auch mit dem neuen Partner kam Air Berlin auf keinen grünen Zweig: 2015 schloss Deutschlands zweitgrößte Fluglinie mit einem Minus von 477 Millionen Euro ab. Dieses Jahr dürfte das Minus noch höher ausfallen. Im September 2013 übernahm Etihad Air Serbia, drei Monate später stieg Hogan bei Alitalia ein. Auch die Italiener verharren in den roten Zahlen. Alitalia will mit Stellenabbau und verkleinerter Flotte gegensteuern. In italienischen Medien wurde wiederholt über einem Einstieg von Lufthansa bei Alitalia spekuliert. Das haben beide Seiten mehrfach dementiert.

Unterdessen gab die Lufthansa-Tochter Eurowings bekannt, dass die Übernahme weiterer Teile von Air Berlin oder dessen Partner Etihad nicht anstehe. „Das steht im Moment nicht auf der Agenda“, sagte der zuständige Konzernvorstand Karl Ulrich Garnadt. Sein Haus habe 2017 genug mit der Integration von Germanwings und Eurowings, der Leasingübernahme von 33 Air-Berlin-Fliegern und der Übernahme von Brussels Airlines zu tun. (Reuters/ml.)