Air Berlin: Sparen im Doppelpack

Führungsmannschaft und Eigner von Air Berlin nehmen erneut den Rotstift in die Hand: Die angeschlagene Fluggesellschaft wird einem verschärften Sparkurs unterzogen. Am Donnerstag kündigte Air Berlin ein weiteres Programm zur Senkung der Kosten an. Mit „Turbine 2013“, so der Dynamik andeutende Name, soll nun auf jeden Fall im kommenden Jahr ein positives Ergebnis erreicht werden. Damit werde das laufende Effizienzprogramm „Shape & Size“ ergänzt, das nach Angaben des Unternehmens „besser als erwartet“ läuft“.

Das letzte Mal schrieb Air Berlin 2007 schwarze Zahlen, seitdem folgten nur Verluste in den Jahresbilanzen. Auch im laufenden Jahr ist ein hoher Verlust absehbar. Der Großaktionär, die arabische Gesellschaft Etihad Airways, dringt seit längerem auf durchgreifende Sanierungserfolge.

Keine Angaben zu Details

Nähere Angaben zu „Turbine“, das kurzfristig greifen soll, machte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft nicht. Details wie die Höhe der angestrebten Kosteneinsparungen und mögliche Konsequenzen für das Personal ließ das Unternehmen offen. Es erklärte lediglich, dass die „Strukturen und Prozesse des Unternehmen auf den Prüfstand“ gestellt werden mit dem Ziel, sie zu optimieren und signifikant Kosten zu reduzieren.

Schwer getroffen von BER

Mit dem Programm reagiere das Unternehmen auf das sich weiter eintrübende wirtschaftliche Umfeld in der Euro-Krise, auf den schwächelnden Euro sowie auf das Konsumverhalten der Menschen, das durch wachsende Unsicherheit geprägt sei. Wie auch Konkurrent Lufthansa machen dem Konzern die hohen Treibstoffkosten und die „widersinnige“ deutsche Luftverkehrssteuer zu schaffen, deren Abschaffung Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn immer wieder fordert.

Zudem haben die Turbulenzen um den neuen Flughafen BER das Unternehmen schwer getroffen. Air Berlin will in Schönefeld ein neues Drehkreuz aufbauen. Diese Expansionspläne bekamen allerdings einen schweren Dämpfer mit der Verschiebung der Eröffnung auf nunmehr Herbst 2013. Wieviel Geld das Air Berlin kostet, darüber gibt es keine Angaben. Experten gehen von etlichen Millionen aus. Air Berlin betonte, dass die Flughafengesellschaft mindestens einen Teil der Kosten übernehmen und praktisch Schadenersatz leisten müsse.

Unrentable Strecken fallen weg

Mehdorn versucht seit seinem Amtsantritt im Sommer 2011, das Unternehmen nach jahrelangen Verlusten gesundzuschrumpfen. Allein das Programm „Shape & Size“ soll die Kosten um einen dreistelligen Millionenbetrag reduzieren – schon im Jahr 2012 um 230 Millionen Euro. Unrentable Strecken fallen weg, die Flotte schrumpft von 170 auf 152 Flieger. Allein Hamburg verliert im Winter jeden fünften Flug.

Große Hoffnungen setzt Air Berlin zudem in die strategische Partnerschaft mit Etihad einschließlich der erst vor wenigen Tagen besiegelten Partnerschaft mit Air France-KLM. Etihad musste allerdings die deutsche Fluggesellschaft mit erheblichen Mitteln stützen: 255 Millionen Dollar gingen als Kredit nach Berlin. Davon waren im Sommer dieses Jahres bereits 200 Millionen ausgeschöpft. Air Berlin plagen Schulden in Höhe von rund 800 Millionen Euro. Die Anleger an der Börse beeindruckte das neue Kostensenkungsprogramm nicht. Der Kurs gab im Verlauf nach. (mit dpa)