Airbus: Stewardessen erreichen Gepäckablage nicht

Man muss nicht weit gereist sein, um zu wissen: In manchen Teilen der Welt sind die Menschen kleiner gewachsen als  in anderen.

Für den Nürnberger Technologiekonzern  Diehl  war diese Erkenntnis äußerst überraschend. Das Unternehmen, das unter anderem die Kabinenausstattung für  Airbus-Flugzeuge herstellt, hat nicht bedacht, dass Stewardessen aus Asien im Schnitt deutlich kleiner sind als Flugbegleiterinnen, die aus Skandinavien stammen. Und das ist der Firma nun teuer zu stehen gekommen.

So monierte  Airbus bei der Entwicklung des Langstreckenflugzeugs A 350 unter anderem  die Höhe der Handgepäckfächer: Sie seien viel zu weit oben angebracht, so dass Flugbegleiterinnen aus Asien nicht herankommen könnten, befand man bei Airbus. 

Kabinen müssen völlig umgebaut werden

Diehl musste die Fehler einräumen und  die Kabinen umgestalten. Denn mit der Änderung der Höhe der Gepäckablage allein war es nicht getan. Die Maßnahme führte dazu, dass die Kabinen völlig umgebaut werden mussten, weil zum Beispiel Leitungen neu verlegt werden  und auch Änderungen an der Anordnung der Sitze vorgenommen werden mussten.  Und dieses Spielchen musste mehrfach wiederholt werden bis Airbus endlich mit der Höhe der Gepäckfächer zufrieden war.

Denn sind die Gepäckablagen zu niedrig installiert, besteht die Gefahr, dass  sich die großen skandinavischen Flugbegleiterinnen – und natürlich auch  größere Passagiere den Kopf anschlagen.

„Wir haben die Veränderungen unterschätzt“, räumte Firmenchef Thomas Diehl am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens ein.  Die Folge: Die Vorleistungen für die Kabinenausstattung des A 350 fielen deutlich höher aus als geplant und das wiederum ließ die Entwicklungskosten des Unternehmens im vergangenen Jahr regelrecht explodieren. Mit knapp 100 Millionen Euro fielen sie um mehr als die Hälfte höher aus  als geplant.

Diese Kostenexplosion hat sich auch negativ auf den Gewinn des Konzerns ausgewirkt. Er ging um mehr als fünf Millionen Euro auf rund 139 Millionen Euro zurück. Nur dank kräftiger Zuwächse in anderen Bereichen fiel der Rückgang nicht noch höher aus.   

Die Tücken mit den unterschiedlichen Körpergrößen der Menschen haben auch schon anderen einen Streich gespielt. So hatte ein vietnamesisches Hotel in Berlin vor Jahren seine Zimmer mit zu kurzen Betten ausgestattet. Nachdem sich zahlreiche Gäste beschwert hatten,  wurden die Betten durch Modelle mit in Europa üblichen Maßen ersetzt.