Aktionäre kritisieren neuen Haupteigentümer von Osram

Nach einer kontroversen Schlacht um die Übernahme hat der Sensorspezialist AMS 60 Prozent der Osram-Anteile übernommen. Doch die Aktionäre zweifeln. 

München-Schon die erste Aktionärin gibt die Richtung vor. „Die Chinesen haben wir abgewehrt, aber jetzt werden wir österreichisch“, sagt die Dame zur Hauptversammlung des 114-jährigen Traditionskonzerns Osram in München. Die jüngste Osram-Geschichte ist wahrlich turbulent. Eine Übernahme durch chinesische Interessenten konnte noch abgewehrt werden.

Der Konzern Osram hat 60 Prozent seiner Anteile an AMS verkauft. 
Der Konzern Osram hat 60 Prozent seiner Anteile an AMS verkauft. imago images/Sven Simon

Nach kontroverser Übernahmeschlacht hat aber nun der Sensorspezialist AMS aus Premstetten bei Graz 60 Prozent der Osram-Anteile übernommen und will mehr. Er strebt nach 75 Prozent und totaler Kontrolle. Die Osram-Altaktionäre aber treibt mehr als Wehmut. Nicht wenige zweifeln daran, ob AMS die Finanzierung hinbekommt.  

„Geht da was schief, haben wir einen neuen Fall Continental/Schaeffler“, warnt eine kritische Aktionärin. Sie spielt auf die beiden Autozulieferer an, wo sich seinerzeit der Familienkonzern Schaeffler per Zukauf überhoben und in Pleitegefahr gebracht hatte.

Lesen Sie auch:  Gedimmte Zukunft:Osram-Continental schließt seine Berliner Entwicklungsabteilung >> 

Beim Lichtkonzern Osram und AMS sind solche Befürchtungen, die von IG Metall und Betriebsräten geteilt werden, nicht abwegig. Mit AMS übernehme der kleinere und jüngere Konzern mit 1,9 Milliarden Euro Jahresumsatz den mit 3,5 Milliarden Euro Erlös größeren und traditionsreicheren, räumt auch Osram-Chef Olaf Berlien ein.  

Einige Aktionäre befürchten Zerschlagung von Osram

Furcht vor verschärftem Jobabbau Schon jetzt kostet das AMS eine Milliardensumme, die per soeben genehmigter Kapitalerhöhung finanziert wird. Um von 60 auf 75 Prozent aufzustocken, sind bei aktuellen Osram-Aktienkursen weitere rund 700 Millionen Euro nötig. Es könnte auch mehr kosten, weil sich Finanzinvestoren bei Osram eingekauft haben, um ihre Pakete möglichst wertsteigernd an AMS weiterzureichen.“ Je teurer die Übernahme, desto größer der Spardruck“, bringt es ein Aktionär auf den Punkt.    

Osram-Vorstandschef Olaf Berlien auf der Hauptversammlung in München. 
Osram-Vorstandschef Olaf Berlien auf der Hauptversammlung in München. dpa/Sven Hoppe

Falls AMS die Übernahme plötzlich nicht mehr stemmen kann, befürchten einige Aktionäre einen Ausverkauf und damit eine Zerschlagung von Osram, um Finanzlöcher zu stopfen. Das Osram-Digitalgeschäft mit über 900 Millionen Euro und damit eines Viertel des Konzernumsatzes hat AMS ohnehin schon in Zweifel gestellt. Auch für Teile des LED-Geschäfts gilt das. „Wir prüfen alles, es gibt keine Tabus“, hat AMS-Finanzchef Michael Wachsler-Markowitsch soeben betont.  

Lesen Sie auch: Keine Virussorgen:Warum die Börsen trotz Corona florieren >> 

IG Metall und Betriebsräte fürchten verschärften Jobabbau. Das Osram-Management hat nun verschärften Sparkurs angekündigt. Statt bisher geplanter 220 Millionen Euro sollen bis 2022 nun 300 Millionen Euro gespart werden. Dabei soll es zu „strukturellen Maßnahmen“ kommen, was man mit neuem Stellenabbau übersetzen darf. Allein in Deutschland sieht die IG Metall 800 von hierzulande noch 5600 Jobs in Gefahr.