Ein Arbeiter in Wuhan mit dem in China typischen Mundschutz.
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BerlinDie Auswirkungen des Coronavirus auf die deutsche Wirtschaft ließen nicht lange auf sich warten. Die Börse reagierte wie üblich sogar in Echtzeit: Dax runter, Gold teurer, insbesondere Lufthansa-Aktien verloren an Wert. Es wird weniger gereist, so die Erwartung. In Berlin wurde das bereits ganz konkret. Eine chinesische Delegation, die im März die ITB sowie Berliner Unternehmen und Wirtschaftsinstitutionen besuchen wollte, sagte die Reise nun ab. Zumal die Abordnung aus der Provinz Hubei stammt, deren Hauptstadt das Krisenzentrum Wuhan ist.

Bleibt zu hoffen, dass der Besuch nur verschoben wird. Denn China ist sehr bedeutsam für die Berliner Wirtschaft. 24 Berliner Unternehmen haben dort eine Niederlassung. Berliner Unternehmen exportieren vor allem Maschinen, Datenverarbeitungsgeräte und pharmazeutische Erzeugnisse. Umgekehrt kommen  insbesondere elektrische Ausrüstungen, Bekleidung sowie elektronische und optische Erzeugnisse von dort in die Stadt. Das gesamte Handelsvolumen der Berliner Wirtschaft mit China belief sich in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres auf fast drei Milliarden, von denen etwa zwei Drittel auf den Import entfielen, der 2019 um mehr als 30 Prozent zulegte.

Fast drei Milliarden Euro Handelsvolumen 

„China ist mittlerweile der wichtigste Handelspartner der Berliner Wirtschaft vor den USA und Polen“, sagt Jochen Brückmann, Bereichsleiter Internationale Märkte bei der hiesigen Industrie- und Handelskammer. Dass der Coronavirus daran etwas ändern könnte, glaubt er nicht. „Abgesehen von aktuellen Reise-Einschränkungen für chinesische Geschäftsreisende und punktuell möglichen Verzögerungen in der Geschäftsabwicklung erwarten wir nach derzeitigem Stand, wie auch schon beim Ausbruch des SARS-Virus in China im Jahr 2002, keine negativen Auswirkungen auf den China-Handel insgesamt.“ Außerdem konzentrierten sich die wirtschaftlichen Aktivitäten der Berliner Firmen dabei auf die Wirtschaftszentren des Landes wie Peking, Shanghai und das Perlflussdelta.

Im konkreten Fall ist die aktuelle Situation aber mitunter dramatisch. Ein Berliner Mittelständler, der anonym bleiben will, hat eine Niederlassung und eine Produktionsstätte in Wuhan. „Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Kolleginnen und Kollegen vor Ort“, sagt er. Glücklicherweise seien dort alle gesund und nicht infiziert. Um die Belegschaft zu schützen, waren alle Mitarbeiter schon Tage vor dem chinesischen Neujahrsfest früher in den Urlaub geschickt worden. Momentan  seien Betriebsferien, berichtet der Unternehmer, und eigentlich würden diese am kommenden Montag mit dem Neujahresfest enden. „Aktuell ist aber ungewiss, ob wir zu diesem Zeitpunkt den Standort wieder öffnen. Wir haben mit der Vorbereitung des Notfallplans begonnen, um die Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung so gering wie möglich zu halten.“

Weniger Besucher aus China möglich

Im hiesigen Tourismus-Geschäft machten etwaige Notfallpläne. Da muss man die Entwicklung in der Regel hinnehmen. Und tatsächlich sind Auswirkungen auf den Berlin-Tourismus wahrscheinlich. Einer Analyse der Investitionsbank Berlin zufolge rangiert China allerdings nur auf Platz 13 der Besuchernationen. Von Januar bis Oktober 2019 besuchten 118.000 Chinesen Berlin. Zum Vergleich: Aus den USA und aus Großbritannien kamen in diesem Zeitraum jeweils mehr als doppelt so viele Besucher.