Berlin - Für Detlef Scheele sind die Zahlen eindeutig. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit nennt sie „erste Anzeichen für eine umfassende Besserung am Arbeitsmarkt“. Das sagte er am Dienstag bei Bekanntgabe des aktuellen Arbeitsmarktberichts. Demnach war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Mai gegenüber April tatsächlich um 84.000 auf 2,687 Millionen gesunken. Auch im Vergleich zum Mai des vergangenen Jahres gab es bundesweit weniger Jobsuchende. Um insgesamt 126.000 war die Zahl der Arbeitslosen  zurückgegangen. Die Folgen der Corona-Krise seien laut Scheele zwar immer noch sehr deutlich sichtbar. „Aber sie werden kleiner.“

In der hiesigen Regionaldirektion ist man nicht weniger optimistisch. Dort war am Dienstagvormittag zu hören, dass sich die Erholungstendenz auf dem Berliner Arbeitsmarkt fortsetze. „Ich habe die große Hoffnung, dass sich mit dem Eindämmen der Corona-Pandemie und der fortschreitenden Impfkampagne die Lage am Arbeitsmarkt weiter verbessert“, sagte Ramona Schröder, Chefin der Arbeitsagenturen in Berlin und Brandenburg. Sie sei zuversichtlich, dass der Höhepunkt der coronabedingten Folgen in der Arbeitslosigkeit und bei der Kurzarbeit überschritten seien.

Arbeitslosenquote in Berlin weiterhin zweistellig 

Der Regionalstatistik zufolge waren im Mai in der Stadt insgesamt 204.378 Personen als arbeitslos registriert. Das waren 5406 Arbeitslose weniger als noch im April. Weniger zuversichtlich stimmt indes der Vergleich mit dem Mai des vergangenen Jahres. Denn während die Zahl der Arbeitslosen bundesweit um 4,5 Prozent zurückging, nahm sie in Berlin als einzigem Bundesland um 1,9 Prozent zu. Berlin hatte im Mai 3400 Arbeitslose mehr als im Mai 2020. Ein weiteres Jahr zuvor gab es in Berlin noch mehr als 50.000 Arbeitslose weniger. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 7,8 Prozent. Heute liegt sie bei 10,1 Prozent, bundesweit bei 5,9 Prozent.

Im Jahresvergleich hat vor allem die Zahl der Langzeitarbeitslosen zugenommen. Zählte die Statistik vor einem Jahr noch etwa 43.000 Jobsuchende, die seit wenigstens zwölf Monaten ohne Arbeit sind, so sind es heute über 77.000. Das entspricht einem Zuwachs um fast 80 Prozent und bedeutet, dass aktuell etwa jeder dritte Arbeitslose in Berlin bereits ein Jahr oder länger ohne Job ist.

Ein Problem, in dem sich natürlich auch die besondere Struktur der Berliner Wirtschaft spiegelt. Langzeitarbeitslose kommen hier vor allem aus dem Gastgewerbe und der Veranstaltungsbranche. Berlins Arbeitsagenturchefin setzt daher auf Öffnungen der Restaurants und Hotels, auf Veranstaltungen und die Rückkehr des Tourismus und bleibt zuversichtlich. „Ich rechne fest mit einem Abschmelzen der Langzeitarbeitslosigkeit ab dem Sommer“, sagt Schröder.

In Berlin 78 Lehrstellen für 100 Bewerber

Dagegen läuft es im Land Brandenburg deutlich besser. Dort waren im Mai 79.980 Arbeitslose registriert. Das waren 2878 weniger als im April und auch 7000 weniger als im Mai vorigen Jahres. Letzteres entspricht einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um acht Prozent, womit Brandenburg nach Sachsen-Anhalt den zweitbesten Wert im Bundesländer-Ranking liefert. Und auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die im Nachbarland binnen eines Jahres mit plus 21 Prozent ohnehin deutlich langsamer angestiegen war als in Berlin, ging im Mai sogar wieder zurück.

Und auch in Sachen Berufsausbildung zeigt Brandenburg der Bundeshauptstadt, was geht. Denn während es in Berlin derzeit etwa 2500 betriebliche Ausbildungsplätze weniger gibt als vor zwei Jahren, wurden in Brandenburg zuletzt gut 400 betriebliche Lehrstellen geschaffen, und es wurde fast wieder das Niveau von 2018/19 erreicht. Folge: Während 100 Ausbildungsanwärter in Brandenburg derzeit aus 117 Lehrstellen auswählen können, müssen in Berlin  100 um 78 Plätze kämpfen.