Weltweit arbeiten 147.000 Angestellte für die Allianz.
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München - Die Firmenphilosophie von Allianz-Chef Oliver Bäte dürften Versicherungskunden gerne hören. „Nur hohe Kundenzufriedenheit schützt uns, nicht in komplizierten Policen versteckte Marge“, bekennt der Boss des Assekuranzriesen zur Bilanzvorlage in München. Sein Haus will Versicherungsverträge verständlich gestalten und Komplexität reduzieren, heißt das. Letzteres gilt auch für die Organisation. Zwölf Managementebenen habe die Allianz vor fünf Jahren bei seinem Amtsantritt noch gehabt, sagt Bäte. Sieben bis acht Ebenen seien es heute, fünf bis sechs würden es in naher Zukunft sein. Wie viele Manager um ihren Job fürchten müssen, ist noch geheim. So etwas bespreche man zuerst intern, sagt der Allianz-Boss.

Er legt aber Wert auf die Feststellung, dass es keine „Indianer“ – also tariflich bezahltes Personal – treffen werde. 2019 ist die Zahl der Beschäftigten weltweit mit rund 147.000 Allianzlern ungefähr konstant geblieben. In Deutschland wurden gut 300 auf über 38.000 Stellen aufgebaut. Die Beitragseinnahmen haben über alle Versicherungssparten im Jahr 2019 um knapp acht Prozent auf den neuen Rekordwert von über 142 Milliarden Euro zugelegt. Um gut sechs Prozent ist der Jahresüberschuss auf 7,9 Milliarden Euro gewachsen. Bei den operativen Gewinnen vor Steuern und Zinsen hat die Allianz mit 11,9 Milliarden Euro die Erwartungen von Börsianern übertroffen. Das gilt auch für die um 60 Cent auf 9,60 Euro erhöhte Dividende.

Allianz-Vermögensverwaltung im Aufwind

Treiber des Erfolgs ist das boomende Geschäft mit Lebenspolicen. Das gilt vor allem auch hierzulande für die Stuttgarter Tochter Allianz Leben. Sie profitiert von neuartigen und garantiereduzierten Policen, die die Allianz vor einigen Jahren als erster Versicherer eingeführt hat. Um eine halbe Milliarde auf 4,7 Milliarden Euro sind die operativen Gewinne in der Allianz-Säule Lebens- und Krankenversicherung 2019 gestiegen. Im Aufwind ist auch die Vermögensverwaltung, die mit für Dritte verwalteten Geldern von 1,7 Billionen Euro einen neuen Rekordwert erreicht hat und mittlerweile die größte ihrer Art weltweit ist. Netto sind 2019 rund 76 Milliarden Euro an Anlagegeldern dazugekommen. Der Bereich hat mit 2,7 Milliarden Euro rund 200 Millionen Euro mehr operativen Gewinn abgeliefert als 2018.

Sorgenkind des Konzerns ist der in der Sparte Schaden- und Unfallversicherung angesiedelte Industrieversicherer AGCS, für den 2019 rund 600 Millionen Euro zurückgestellt werden mussten. Entsprechend sind die operativen Gewinne des gesamten Bereichs um zwölf Prozent auf fünf Milliarden gesunken.

Auf dem richtigen Weg wähnt sich die Allianz indessen in ihrer Anlagepolitik. In die Kohleindustrie investiert der Konzern als Großanleger schon länger nicht mehr. „Sogar meine Kids finden das cool“, freut sich Bäte. Zudem würden nachhaltige Anlagen dauerhaft am besten rentieren.

Diese Gesamtstrategie soll auch 2020 für anhaltenden Erfolg sorgen. Für den operativen Gewinn strebt die Allianz in der Mitte ihres neuen Prognosekorridors ein vierprozentiges Plus auf zwölf Milliarden Euro an. Sollte der Konzern am Ende wie 2019 am oberen Ende der Voraussagen abschließen, könnten es auch 12,5 Milliarden Euro werden.