Der letzte Arbeitstag vor Eintritt in die Rente sollte klug gewählt sein.
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BerlinMit 63 Jahren in Rente – das wollen immer mehr Menschen. 2019 waren es mehr als von der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) erwartet – nämlich  1,34 Millionen Senioren in Deutschland, die sich für einen vorzeitigen Ruhestand entschieden haben und die dabei noch nicht einmal Abschläge bei den Zahlungen in Kauf nehmen mussten.

Ein wenig früher den Ruhestand genießen zu können, wünscht sich wohl auch der ein oder andere Arbeitnehmer, der momentan noch voll und ganz im Arbeitsleben steht. Andere wiederum wollen vielleicht gerne länger arbeiten als das gesetzlich vorgesehen ist und lieber noch ein wenig hinzuverdienen. Doch kann sich da jeder einfach so frei entscheiden? Und wenn ja, wovon hängt die Entscheidung ab? Wir spielen drei Szenarien durch: Die reguläre Altersrente, die Rente mit 63 und ein späterer Renteneintritt mit Zuschlägen.

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Die reguläre Altersrente:

Die Altersgrenze für den regulären Renteneintritt steigt seit 2012 schrittweise an, von 65 Jahre auf 67 Jahre. Wer wann in Rente gehen kann, ohne Abschläge bei den vorgesehenen Rentenzahlungen hinnehmen zu müssen, hängt vom Geburtsjahr des Versicherten ab. Wer beispielsweise 1964 oder später geboren wurde, wird regulär erst mit 67 Jahren in Rente gehen können. 1963 Geborene müssen 66 Jahre und zehn Monate alt sein, 1960 Geborene 66 Jahre und vier Monate. Zwar können sich Versicherte auch entscheiden, früher das Arbeitsleben gegen den Ruhestand einzutauschen, dann mindern sich allerdings die Rentenzahlungen.

Individuell ausrechnen kann das reguläre Renteneintrittsalter jeder ganz einfach mit einem Renten-Rechner im Internet, zum Beispiel auf deutsche-rentenversicherung.de.

Neben dem Erreichen der Regelaltersgrenze ist außerdem eine Mindestversicherungsdauer von fünf Jahren Voraussetzung für den Anspruch auf reguläre Altersrente.

Rente mit 63 Jahren:

Trotz der festgelegten Regelaltersgrenzen ist es zwar auch möglich, bereits mit 63 Jahren in Rente zu gehen, jedoch gibt es dabei einige Einschränkungen. Hierbei kommt es neben dem Geburtsjahr vor allem auf die Anzahl der Versichertenjahre an. Eine abschlagsfreie Rente können nur besonders langjährig Versicherte mit 45 Beitragsjahren erhalten. Da die Altersgrenze für besonders langjährig Versicherte aber ebenfalls schrittweise angehoben wird, gilt das nur für Geburtsjahrgänge, die mittlerweile schon im Rentenalter sind. Mit 63 Jahren konnten tatsächlich nur vor 1953 Geborene abschlagsfrei in Rente gehen. Für 1956 Geborene gilt bereits eine Altersgrenze von 63 Jahren und acht Monaten. Wer trotzdem mit 63 Jahren in Rente gehen will, muss Abschläge hinnehmen.

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Es können nämlich auch Menschen, die mindestens 35 Jahren in die Rentenkasse eingezahlt haben, schon mit 63 Jahren in Rente gehen. Dabei handelt es sich um „langjährig Versicherte“. Allerdings gilt für sie die zusätzliche Einschränkung, dass sie Abzüge hinnehmen müssen. Für jeden Monat vorzeitigen Renteneintritts werden 0,3 Prozentpunkte vom monatlichen Rentenbetrag abgezogen – und zwar dauerhaft für die kompletten Jahre des Rentenbezugs. Wer also beispielsweise noch drei Jahre bis zum Erreichen der regulären Altersgrenze hätte, müsste einen monatlichen Abschlag von 10,8 Prozent hinnehmen. Bei einer Rente von 1 200 Euro wären dies 129,60 Euro Abschlag. Die tatsächliche Rente betrüge demnach 1070,40 Euro. Je weniger Zeit zu überbrücken ist, desto geringer fällt die monatliche Minderung aus.

Tipp: Es besteht bei Rentenminderung die Möglichkeit der Ausgleichszahlungen, Stichwort Flexirente. Wenn beispielsweise die Auszahlung der Lebensversicherung ansteht, können damit Abschläge ausgeglichen werden. Auch sind in einem gewissen Rahmen Hinzuverdienste auch in der Rente möglich.

Versicherten mit weniger als 35 Versicherungsjahren bleibt die Rente mit 63 Jahren verwehrt. Sie können je nach Geburtsjahr frühestens zwischen 65 und 67 Jahren in Rente gehen. Zu der Anzahl der Versicherungsjahre zählen aber nicht nur die Pflichtbeiträge aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung oder Selbstständigkeit, sondern beispielsweise auch Zeiten während der Kindererziehung, während der Pflege von Angehörigen oder während der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I.

Wie hoch die Rente ausfällt

Der Betrag ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie Einzahlungsdauer, Renteneintritt oder allgemeine Rentenanpassungen. 2018 lagen die durchschnittlichen Zahlbeträge der Altersrenten nach mindestens 35 Versicherungsjahren bei 1 362 Euro (Männer) und 991 Euro (Frauen).

Unterschiede sind auch regional sichtbar. Die höchsten Durchschnittsrenten hatten 2018 Männer in Nordrhein-Westfalen mit 1 467 Euro und im Saarland mit 1 452 Euro. Die niedrigsten Altersrenten dagegen Frauen in Niedersachsen mit im Schnitt 961 Euro und in Rheinland-Pfalz mit 966 Euro im Monat.

Späterer Renteneintritt mit Zuschlägen:

Während ein früherer Renteneintritt oft Abschläge mit sich zieht, wird ein späterer Renteneintritt honoriert. Ob eine Weiterarbeit möglich ist, hängt natürlich von einer Vereinbarung mit dem Arbeitgeber und den persönlichen Umständen ab. Wer aber tatsächlich seine Rente trotz Erreichen der Regelaltersgrenze noch nicht in Anspruch nimmt und weiter einem Job nachgeht, bekommt später eine jährliche Erhöhung von sechs Prozent. Davon abgesehen steigern allein die zusätzlichen Arbeitsjahre die Rente. Wer zum Beispiel 40 Jahre den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer erhalten hat, bei dem erhöht sich laut DRV nach einem Jahr zusätzlicher Erwerbstätigkeit die spätere Rente um 107 Euro brutto monatlich. Zudem muss in der Erwerbstätigenzeit nach Renteneintrittsalter kein Beitrag zur Arbeitslosenversicherung mehr bezahlt werden.

Auch wer schon Rente bezieht, darf weiterarbeiten und neben der Rente Gehalt beziehen. Dabei werden weiter Beiträge an die Rentenkasse abgeführt und Entgeltpunkte gesammelt, die die späteren Zahlungen erhöhen. Hierbei sind allerdings Hinzuverdienstgrenzen zu beachten: Nur Einkommen bis 6300 Euro im Jahr sind anrechnungsfrei.