Rund 140 Meter hoch: Der geplante Turm an der Warschauer Brücke.
Foto: edge.tech

FriedrichshainIn der Simulation überragt der Edge-Tower mit seinen 140 Metern wie ein Riese die Stadt. Die Fertigstellung des Hochhauses in Friedrichshain ist zwar erst für 2023 geplant, doch schon jetzt ist bekannt geworden, wer in den Büroturm nahe der Warschauer Brücke einziehen wird: Ein zweiter Riese, nämlich der milliardenschwere Versandhandelskonzern Amazon. 

Der Internethändler wird Hauptmieter. In 28 von 35 Stockwerken sollen künftig Amazon-Mitarbeiter, vorwiegend aus der Forschungs- und Entwicklungssparte sitzen. Das bestätigten Konzern und Projektentwickler Edge der Berliner Zeitung. Vorher hatte der Tagesspiegel darüber berichtet. Damit baut Amazon seine Präsenz in der Hauptstadt deutlich aus.

Vor allem der Bereich Forschung und Entwicklung soll ausgebaut werden

Derzeit sind nach Unternehmensangaben über 2 800 Mitarbeiter in der Region Berlin-Brandenburg tätig, davon knapp 2 000 allein in Berlin. 350 Mitarbeiter arbeiten im Kundenservicezentrum nahe des Alexanderplatzes. Hinzu kommen Mitarbeiter in den Logistikzentren. Weitere 200 Mitarbeiter sind bei Audible in Berlin angestellt – das für Audioinhalte zuständige Medienunternehmen von Amazon. Der Fokus aber liege am Standort Berlin auf den Bereichen Forschung und Entwicklung, bekräftigt das Unternehmen.

Die Sparte soll nun künftig eine noch größere Rolle spielen. So werde vor allen anderen das Forschungs- und Entwicklungszentrum, welches derzeit noch seinen Sitz in den Krausenhöfen in Mitte hat, in den Edge Tower ziehen. Die Mitarbeiter dort arbeiten beispielsweise an Weiterentwicklungen des Sprachassistenten Alexa, der Sprachfernbedienung Fire TV oder dem Amazon Web Services.

Im Zuge dessen wird das Team auch aufgestockt. Unter dem Dach werde es „Raum für neue Mitarbeiter“ geben, kündigt Jonathan Weiss, Leiter des Forschungs- und Entwicklungsstandorts von Amazon in Berlin schon einmal an. „Auf den 28 Etagen werden wir bis zu 3 400 Mitarbeiter unterbringen können“, ergänzt eine Unternehmenssprecherin. Geht man von derzeit 2 000 Mitarbeitern in Berlin aus, wären also theoretisch 1 400 Stellen neu zu besetzen.

Kritik an Plänen von Amazon von Gentrifizierungsgegnern

Doch an den Plänen wurde auch schon vereinzelt Kritik laut. Über Social Media verbreitete beispielsweise das kapitalismuskritische Bündnis Blockupy den Hashtag „#Kickitlikegoogle“ – ein Fingerzeig auf vergangenes Jahr, als Gentrifizierungsgegner mit lauten Protesten verhinderten, dass Google einen Campus in Kreuzberg errichtete.

Auch mit dem Bauvorhaben insgesamt sind nicht alle zufrieden. Wie die Berliner Zeitung berichtete, hält das Baukollegium die Gestaltung des Gebäudes für nicht überzeugend, auch die vorgeschlagenen Überarbeitungen reichten dem Gremium nicht aus. Dennoch hält der Investor am Fertigstellungstermin 2023 fest. Wenn also alles klappt, ist ein Einzug von Amazon für 2024 geplant. Nach Fertigstellung des Baus werde man sukzessive umziehen. Bis es soweit sei, will Amazon in den bestehenden Büros in Mitte bleiben.

In die restlichen Stockwerke des Edge Towers sollen unter anderem Co-Working-Flächen, gastronomische Angebote und auch Besprechungsräume entstehen, die Organisationen oder Personen für einen begrenzten Zeitraum kostenfrei angeboten werden, die sich vorrangig mit Schwerpunktthemen wie Nachhaltigkeit, Bildung oder Soziales befassen. Vielleicht ein vorauseilender Gehorsam auf mögliche kritische Stimmen.